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Discounter: Die Erfolgsgeheimnisse der Discounter

Aldi, Lidl, Plus und Penny liefern sich seit Jahren Preisschlachten. Doch was im Lebensmitteleinzelhandel funktioniert, hat in anderen Bereichen noch lange keinen Erfolg. Wir zeigen, wer erfolgreich ist und bei wem es hapert

Von Katja Wilke

Die traditionsbehaftete Zunft der Apotheker wird von allen Seiten in die Zange genommen: Die Drogeriekette DM verkündete gerade den Ausbau ihrer Kooperation mit einer Billig-Versandapotheke. Ihre Konkurrenten Rossmann und Schlecker verfolgen ähnliche Strategien. Daneben mischen Billigketten mit stationären Niederlassungen wie die vom Versandhändler Doc Morris oder Easy den Markt weiter auf.

Doch gerade in solchen Branchen, die gesetzlich stark reguliert sind, müssen Billiganbieter häufig zermürbende Gefechte gegen berufsständische Kammern vor Gericht in Kauf nehmen. Einige Beispiele und Ausblicke:

Billig-Apotheker: Zukunft ungewiss

Acht Easy-Apotheken mit grellem neongrünen Markenlogos gibt es deutschlandweit bislang, mehr als 20 Filialen will die Apothekenkette im nächsten halben Jahr eröffnen. Geschäftsführer Oliver Blume betreibt mit seinen Partnern offiziell eine "Marketingkooperation", weil Filialen für Apotheker zurzeit noch genauso unzulässig sind wie das Franchising. Dennoch gerät er mit den Apothekerkammern immer wieder aneinander, denn seine Kooperationen sind zumindest Franchise-ähnlich: Die einzelnen Apotheken sind, genau wie die immer zahlreicher auftauchenden Doc-Morris-Apotheken, inhabergeführt. Um das Markenlogo zu tragen und an den Marketingmaßnahmen teilzuhaben, zahlen die Inhaber eine monatliche Gebühr an die Zentrale.

Die Zukunft für kleine Ketten wie Easy sehen Branchenkenner als ungewiss an. Immer mehr mächtige Pharmaunternehmen, Drogerieketten und Arzneihändler wollen im lukrativen Medikamentenhandel mitmischen. Wie gebannt warten alle Unternehmen auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, durch das möglicherweise das so genannte Fremdbesitzverbot fällt. Filialbetriebe und Franchisesysteme wären dann legal. "Dann wären solche kleinen Ketten ganz schnell vom Markt verschwunden", sagt ein Branchenkenner.

Billig-Pfleger: Aus nach zehn Tagen

Zielscheibe heftiger Attacken von Gewerkschaften und Pflegeverbänden war bis vor Kurzem McPflege. Das Unternehmen wollte osteuropäisches Pflegepersonal zu Discountpreisen vermitteln - und damit den Pflegemarkt in Deutschland umkrempeln. Zu langwierigen juristischen Auseinandersetzungen ist es bei McPflege allerdings gar nicht gekommen: Nach ganzen zehn Tagen schloss der Billiganbieter am 10. August schon wieder seine Pforten. Die Zeit sei vielleicht noch nicht reif, mit einem solchen Konzept an die Öffentlichkeit zu gehen, tröstete sich das Unternehmen selbst zum Abschied auf seiner Internetseite. Immerhin: Das Angebot hat eine neue Diskussion über die Kosten der Situation in der Altenpflege in Deutschland ausgelöst.

Billig-Zahnarzt: Expansion ohne Zulassung

Auf Franchise setzt auch der McZahn. Noch hat der Billiganbieter keine zehn Niederlassungen, aber die Pläne sind ehrgeizig. Bis 2009 will McZahn deutschlandweit in rund 400 Niederlassungen "Zahnersatz zum Nulltarif" aus China anbieten: Funktionieren soll das über billige Importe, für die die Patienten keine Zuzahlungen leisten müssen. Auch McZahn ist in zahlreiche juristische Auseinandersetzungen verwickelt. Ein Zulassungsausschuss verweigerte den McZahn-Zahnärzten die Zulassung mit der Begründung, dass Franchiseverträge in die ärztliche Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit eingreifen würden.

Billig-Anwälte: Insolvenz nach vier Jahren

Viele berufsrechtliche Kämpfe musste auch die Juraxx-Kette führen. Als vor knapp vier Jahren die ersten neongrünen Kanzleien auftauchten, liefen die Rechtsanwaltskammern Sturm gegen die neue Billigkonkurrenz: Aldi-Anwälte seien gefährlich und die Qualität des Rechtsrates sei gefährdet, klagten die alteingesessenen Anwälte. Sie dürften vor wenigen Monaten aufgeatmet haben, als die Anwalts-Discountkette Insolvenz anmeldete.

Weniger gefreut haben dürften sich die Juraxx-Anwälte. Ihnen hatte der Gründer Eugen Boss jahrelang blühende Landschaften versprochen: Ein festes monatliches Gehalt sollten sie beziehen und dabei als Quasi-Franchisenehmer trotzdem selbstständig sein. Sogar Einsteiger ohne Berufserfahrung nahm die Billigkette auf und versprach ihnen Unterstützung durch erfahrene Kollegen. Ein verlockender Berufseinstieg light. Im heiß umkämpften Anwaltsmarkt machte das viele blind. Ohne das Geschäftskonzept kritisch zu prüfen, nahmen junge Anwälte üppige Kredite auf, um die obligatorische Einlage in Höhe von 50.000 Euro an Juraxx zahlen zu können. Die günstigen Preise für die Erstberatung zogen nicht an allen Standorten Mandanten an. "Wenn Discount-Anwälte erfolgreich wären, gäbe es sicherlich mehr davon", sagt Julia von Seltmann, Referentin bei der Bundesrechtsanwaltskammer.

"Der Preis spielt bei den Mandanten offenbar nicht die größte Rolle." Billigketten gebe es zwar nach wie vor in Deutschland, diese erreichten aber bei weitem nicht die Größe von Juraxx. Rechtsrat sei eben Vertrauenssache und stark von der jeweiligen Anwaltspersönlichkeit abhängig, heißt es bei der Anwaltskammer. Da helfe auch keine neongrüne Aufmachung.

Billig-Architekten: Unerprobte Geschäftsidee

Noch hat das keiner im großen Stil gewagt: Architekturbüros mit Dumpingpreisen. Der Bund Deutscher Architekten gibt einer Billigkette in dieser Branche auch keine Chance. Ähnlich wie beim Anwalt, Zahnarzt oder Apotheker gelte auch beim Gebäudeplaner: Billig allein reicht nicht, entscheidend sei die individuelle Beratungsleistung. "Ein Wegfall der Honorarordnung würde einen Verdrängungswettbewerb zu Lasten der Qualität auslösen", warnt ein Sprecher des Branchenverbands.

Doch wer weiß, was kommt, falls auch bei den Architekten die berufsrechtlichen Vorschriften gelockert werden. Vielleicht ein McBaumeister, der alte Grundrisse zu Schleuderpreisen anbietet. Unter neongrünem Logo.

FTD

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