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Eigenheimzulage: Neue Hängepartie

Der Eigenheimzulage droht 2005 wieder einmal das Aus: Diesmal kam der Vorstoß von der rot-grünen Regierung und wurde erst vom Bundesrat gestoppt. Übereilte Immobilienkäufe zum Jahresende sind trotzdem keine gute Idee.

Bislang kam die staatliche Förderung für Bauherrn trotz jahrelanger Abgesänge noch relativ ungeschoren davon: Zwar gekürzt seit 2004, dafür mit erhöhter Kinderzulage. 2005 sollen die Tage der Eigenheimzulage nun endgültig gezählt sein. So will es zumindest ein neuer Vorstoß der rot-grünen Regierung. Doch der Bundesrat stoppte den geplanten Kahlschlag Ende September erstmal mit seiner Unionsmehrheit. "Die Abschaffung droht, aber das Ergebnis des Hin und Her ist völlig offen", meint Jörg Sahr von "Finanztest".

Zeitdruck bis Jahresende steigt

Die neue Hängepartie über die Zukunft der Zuschüsse setze die Bürger wieder mal unter Druck, kritisiert Markus Lietz, Bauspezialist der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Es gibt eine erhebliche Verunsicherung", so sein Fazit aus Verbraucheranfragen. Denn jetzt gilt von Neuem: Wer mit Kauf oder Bau der eigenen vier Wände liebäugelt, müsste bis Silvester alles klar machen. Sonst entgehen ihm womöglich viele Tausend Euro an Fördergeldern.

"Man muss im schlimmsten Fall damit rechnen, dass man schon bald keinen einzigen Euro mehr vom Staat dazu kriegt", gibt Sahr zu bedenken. Für manche seien die achtjährigen Zuschüsse zur Finanzierung des selbst genutzten Objekts "sehr wichtig", beispielsweise als Sondertilgungsmöglichkeit. "Da kann es sinnvoll sein, bis Jahresende noch zu kaufen, um auf der sicheren Seite zu sein", betont der Berliner Verbraucherschützer. Ähnliches gilt für Häuslebauer: nur wer bis zum 31. Dezember den Bauantrag einreicht, hat die derzeitigen Zuschüsse hundertprozentig sicher - vorausgesetzt, die Einkommensgrenzen (70.000 Euro für Singles, 140.000 für Eheleute, betrachtet wird ein Zweijahreszeitraum) werden eingehalten. Gebaut werden darf später.

Wegfall würde sechs Milliarden Euro sparen

Dass es in jedem Fall um viel Geld geht, macht folgende Aufstellung des Bundesfinanzministeriums deutlich: rund sechs Milliarden Euro könnte der Staat jährlich einsparen, wenn Bürger beim Erwerb der eigenen vier Wände nicht mehr subventioniert würden. Die Mittel sollen umgeleitet und für Bildung und Forschung ausgegeben werden. Im Einzelfall hieße das: wer Wohneigentum will, müsste künftig ohne die achtjährige Grundförderung von jährlich 1.250 Euro auskommen plus 800 Euro Zulage pro Kind. Für laufende Zuschüsse bliebe alles beim Alten.

Noch schnell investieren oder lieber doch nicht? Wer vor dieser Frage steht, sollte den einmütigen Rat aller Verbraucherschützer beherzigen: Bloß nichts überstürzen, auf keinen Fall von der neuen Abschaffungsdebatte unter Druck setzen lassen. "Die Erfahrung aus den vergangenen Jahren" habe gezeigt, dass sich viele Bürger wegen des ständigen Tauziehens um die Zuschüsse übereilt in einen Immobilienkauf oder den Hausbau gestürzt hätten, erläutert Katharina Lawrence von der Verbraucherzentrale Hessen. "Die Eigenheimzulage darf niemals ausschlaggebend sein, nur ein Baustein in der Gesamtfinanzierung", warnt auch Lietz vor zu großer Hast. Die Finanzspritze gibt es schließlich nur acht Jahre lang. Die Hypothek hat der Betroffene jedoch oft über 30 Jahre am Bein.

Eilkäufe schon wieder vor der Pleite

"Mittlerweile kommen schon die ersten Not leidenden Verbraucher wieder in die Beratung, die nur wegen des Mitnahmeeffekts der Zulagen vor zwei Jahren kauften und nun nicht mehr weiter wissen", berichtet Lietz. Das dürfe nicht wieder passieren. Auch Sahr mahnt zur Vorsicht: "Wer jetzt mit der Immobiliensuche bei Null anfängt, könnte in der Eile bis Silvester folgenreiche Fehler machen." Die - in der Regel - größte Investition des Lebens müsse wohl überlegt sein. Für Kaufwillige, die schon ein konkretes Objekt im Visier haben, gelte dagegen der Leitsatz: "Mehr Förderung kommt nicht nach."

Berrit Gräber, AP / AP

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