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Bieterverfahren um Ferienflieger: Mit LOT soll Condor wieder eine Zukunft haben

Die Zukunft von Deutschlands Ferienflieger Condor ist gesichert: Nach dem Konkurs der britischen Mutter Thomas Cook und einer monatelangen Hängepartie wird eine Airline aus Osteuropa die deutsche Fluglinie übernehmen.

Zu Flotte von LOT gehören auch 15 Jets vom Typ Boeing 787 für den Langstreckenverkehr

Zu Flotte von LOT gehören auch 15 Jets vom Typ Boeing 787 für den Langstreckenverkehr

Bei der Condor-Übernahme hat keiner der Finanzinvestoren das Rennen gemacht, sondern die weniger bekannte polnische Fluggesellschaft LOT. Auf einer Pressekonferenz am Freitag gaben Condor-Chef Ralf Teckentrup und Rafal Milczarski von LOT bekannt, dass die Polen den Zuschlag für den Erwerb des Ferienfliegers erhalten haben.

Genau vier Monate nachdem Condor vom Land Hessen einen Überbrückungskredit in Höhe von 380 Millionen Euro zum Aufrechterhalten des Flugbetriebs erhalten hatte, wurde die gemeinsame Zukunft verkündet. "Durch den Zusammenschluss von LOT und Condor entsteht einer der führenden europäischen Luftfahrtkonzerne mit mehr als 20 Millionen jährlichen Fluggästen", sagte Teckentrupp.

Condor werde unter dem derzeitigen Management weitergeführt und gleichzeitig von der "erweiterten Konnektivität und den operativen Synergien zwischen den Fluggesellschaften profitieren“, teilten die Unternehmen mit. Die profitable Condor war im vergangenen Herbst durch die Pleite der Mutterfirma Thomas-Cook in Not geraten und war auf den staatlichen Überbrückungskredit angewiesen. Dieser soll im April vollständig zurückgezahlt werden.

Wer ist LOT?

Die polnische Fluggesellschaft LOT – die Abkürzung steht für Polskie Linie Lotnicze – hat im abgelaufenen Jahr mit ihren 80 Flugzeugen mehr als 10 Millionen Fluggäste befördert. In letzter Zeit expandierte die Airline aus Warschau besonders stark. Sie unterhält am Chopin-Airport in der polnischen Hauptstadt ein Drehkreuz.

Condor-CEO Ralf Teckentrup (links) und LOT-CEO Rafal Milczarski geben die Übernahme der Condor durch die Polish Aviation Group S.A. (PGL) bekannt, die Muttergesellschaft der LOT. 

Condor-CEO Ralf Teckentrup (links) und LOT-CEO Rafal Milczarski geben die Übernahme der Condor durch die Polish Aviation Group S.A. (PGL) bekannt, die Muttergesellschaft der LOT. 

DPA

Zu vielen europäischen Zielen hat die Fluggesellschaft ihre Frequenzen kürzlich stark erhöht. Mit ihrer hochmodernen Langstreckenflotte vom Typ Boeing 787-8 und Boeing 787-9 wurden in den letzten Jahren auch neue Flugstrecken nach Asien und Nordamerika eröffnet, zuletzt nach Miami, Los Angeles und Delhi. Demnächst soll auch Washington D.C. von Warschau aus angeflogen werden. Dezentral verbindet LOT auch Budapest nonstop mit New York und Seoul.

Mit attraktiven Preisen setzt LOT auf Umsteiger aus Deutschland; fast alle größeren Flughäfen werden mehrmals pro Tag angesteuert. LOT ist auch Mitglied der Star Alliance und Teil des Kundenbindungsprogramms Miles & More der Lufthansa. In ihrem Streckennetz bietet die Airline einen Service in drei Klassen an: Neben Economy und Business Class gibt es auch eine Premium Economy.

Die Polish Aviation Group ist in Staatsbesitz

LOT ist im 100-prozentigen Besitz der Polish Aviation Group S.A. (PGL), die dem polnischen Staat gehört. Noch vor acht Jahren drohte die Airline bankrott zu gehen, sie sollte verkauft werden. Doch ein staatliches Hilfspaket halfen der Airline wieder auf die Beine. Nach erfolgreichen Restrukturierungsmaßnahmen setzte LOT auf einen rasanten Expansionskurs.

Flugzeug wird vom Blitz getroffen

Mit der Übernahme von Condor durch die Polish Aviation Group steigt die Linienfluggesellschaft auch in den Markt für den Ferienflugverkehr ein. Condor verfügt über 60 Flugzeuge. Doch ein Großteil der Langstreckenflotte gilt als veraltet: Einige der Boeing 767 haben ein Alter von bis zu 27 Jahren erreicht. Daher besteht ein hoher Investitionsbedarf. Auf der Pressekonferenz in Frankfurt sagte Milczarski: "Die Langstreckenflugzeuge müssen in den nächsten zwei bis drei Jahren ersetzt werden."

Wie hoch der Verkaufspreis für die Condor war, wollten die Airline-Chefs nicht verraten. Eine Tatsache ist aber kein Geheimnis: "Der polnische Staat finanziert diese Transaktion", fasste der LOT-Chef den Deal zusammen.

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