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Unglücksflieger Boeing 737 Max: Jetzt Flugverbot bis Sommer: Boeings Max-Krise verschlingt Milliarden von US-Dollar

Das Grounding der Boeing 737 Max entwickelt sich immer mehr zum Desaster: Durch den Produktionsstopp verliert der US-Konzern eine Milliarde US-Dollar pro Monat und muss erneut Schulden machen. Das Ende des Flugverbots rückt in weite Ferne.

Eibne Boeing 737 Max 9 steht auf dem Boeing Airfield in Renton im Bundesstaat Washington

Eibne Boeing 737 Max 9 steht auf dem Boeing Airfield in Renton im Bundesstaat Washington

AFP

Durch das seit zehn Monaten bestehende Flugverbot und die damit verbundene Produktionspause für den Unglücksflieger 737 Max muss Boeing bei den Banken die Kreditlinien verlängern. Erst im Dezember hatte der Flugzeugbauer seine Kredite auf 9,5 Milliarden US-Dollar verdoppelt. Jetzt nimmt Boeing bei der Citibank weitere 10 Milliarden US-Dollar Schulden auf. Nach Schätzungen von Analysten verliert das einstige Vorzeigeunternehmen ungefähr eine Milliarde US-Dollar pro Monat.

Ein Ende der 737 Max-Krise ist nicht abzusehen. Am Dienstag vermeldete die Luftfahrtriese selbst, dass sich die Wiederzulassung des Unglücksfliegers noch weiter verzögern wird. "Wir gehen derzeit davon aus, dass die Wiederzulassung der 737 Max Mitte 2020 beginnen wird". Zuvor hatte Boeing die US-Luftfahrtbehörde FAA informiert und sprach ihr allgemeines Bedauern aus.

Immer wieder hatte sich der Zeitplan für ein Ende des Groundings nach den beiden Abstürzen der 737 Max-Flugzeuge verschoben. Jetzt dürfte das Flugverbot mindestens 15 Monate dauern.

Für die betroffenen 54 Airlines, an die bereits 385 Maschinen ausgeliefert wurden, bedeutet diese Information, dass sie eine zweite Hochsaison ohne ihre Jets vom Typ Boeing 737 Max auskommen müssen. Sie dürften weiterhin am Boden geparkt bleiben, denn ihre Piloten müssen erst noch geschult werden.

20 Milliarden in den Miesen

Nach langem Ringen hat Boeing eingesehen, dass ein Simulatortraining für die Max-Piloten erforderlich wird, sollte der Maschinentyp je wieder eine Freigabe bekommen. Allein dafür müsste Boeing laut eines Experten von "Bloomberg" mit weiteren 5 Milliarden US-Dollar rechnen.

Doch es gibt weltweit im Moment nur 34 Simulatoren für die 737 Max. "Ich denke, dass der Mangel an Simulatoren bedeutet, dass die Max-Flotte langsamer wieder zum Fliegen kommt als es sich die Fluggesellschaften wünschen", sagte Gudmundur Orn Gunnarsson, der Geschäftsführer der Firma TRU Flight Training Iceland, bei der nicht nur Piloten von Icelandair trainieren.

Am Ende dürfte sich die Rechnung des Max-Disasters auf weit über 20 Milliarden US-Dollar addieren, rechnet "Bloomberg" hoch. Denn es stehen auch noch die Schadensersatzklagen von Hinterbliebenen der Opfer der zwei Abstürze sowie von Fluglinien, die Hunderte von bestellten Maschinen nicht rechtszeitig erhalten haben.

Außerdem kommen auf den Luftfahrtkonzern hohe Strafzahlungen wegen möglicher Regelverstöße bei der Zulassung und Entwicklung der umstrittenen MCAS-Software zu. Die fehlerhafte Steuerungsautomatik gilt als mögliche Ursache der Unglücke mit der Boeing 737 Max 8 von Lion Air am 29. Oktober 2018 und Ethiopian Airlines am 10. März 2019.

Die Hiobsbotschaften von Boeing sorgten am Dienstag dafür, dass der Aktienkurs auf Talfahrt ging – der Handel mit Boeing-Aktien wurde wegen der starken Kursbewegungen vorübergehend ausgesetzt.

Steven Udvar-Hazy, der Gründer und Vorstandsvorsitzende des Leasingunternehmens Air Lease Corporation, in den USA, sagte kürzlich dem Magazin "Flightglobal", dass er so etwas wie die 737-Max-Krise in seinen 50 Jahren Luftfahrt nie erlebt habe.

Quellen: boeing.com, seattletimes.comreuters.com, flightglobal.com

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