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EU-Kommission: Alkoholstrategie verärgert Bierbrauer

Die Brauer schäumen vor Wut: Die EU-Kommission will Warnhinweise vor Gesundheitsrisiken auf Bier- und Weinflaschen anbringen. Werbung verführe die Verbraucher zu mehr Bierkonsum. Den Brauereien geht das zu weit.

Die Alkoholpolitik der EU-Kommission sorgt für Zündstoff bei den deutschen Brauern. "Warnhinweise auf Bier- und Weinflaschen oder Werbeeinschränkungen erreichen die eigentlichen Problemgruppen nicht", schimpft der Präsident der privaten Brauereien, Gerhard Ilgenfritz, auf der Getränke-Fachmesse Brau Beviale 2006 in Nürnberg. Im Ziel, den Alkoholmissbrauch zu reduzieren, sind sich die Brauer mit den Herren in Brüssel einig. Die Kritik zielt auf die Einseitigkeit der entfachten Diskussion.

"Der Alkohol wird ausschließlich für die Probleme verantwortlich gemacht, die positiven Effekte eines maßvollen Genusses werden ausgeklammert", betonte der Verbandschef. "Das wird der Sache nicht gerecht." Ein Beleg dafür sind die gegenläufigen Entwicklungen des Bierkonsums und der Bierwerbung in Deutschland. Obwohl sich die Werbeausgaben der deutschen Brauereien in den vergangenen 20 Jahren vervierfacht haben, ging der Pro-Kopf-Verbrauch beim Bier um mehr als 20 Prozent auf 115 Liter pro Jahr zurück. Dies zeigt laut Ilgenfritz, dass die Werbung in erster Linie auf den Kampf um Marktanteile setzt, die Werbeintensität aber keinen Einfluss auf den Gesamtkonsum hat.

Mineralwasser-Konsum steigt

Die These der Brauer vom mündigen Verbraucher wird auch durch die Zahlen der Vereinigung alkoholfreie Getränke-Industrie gestützt. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Mineralwasser soll in diesem Jahr mit 130 Litern noch das Rekordjahr 2003 übertreffen. "Die Beliebtheit von Mineralwasser als passendes Getränk zum anhaltenden Fitness- und Wellnesstrend nimmt ständig zu", sagt Verbandssprecher Wolfgang Stubbe. Insgesamt konnte die Branche in den ersten neun Monaten dieses Jahres eine Absatzsteigerung um rund zehn Prozent verbuchen. Beim Bier beträgt das Plus trotz des heißen Sommers nur 1,2 Prozent.

Zwar musste die Fruchtsaft-Industrie nicht zuletzt auf Grund erheblicher Kostensteigerungen bei Orangensaft- und Fruchtsaftkonzentraten ein Absatzminus von 2,1 Prozent hinnehmen. Die klassischen Erfrischungsgetränke wie Cola oder Limonaden verzeichneten dagegen ein Plus von 9,5 Prozent. Dazu trugen insbesondere neue Produkte und die Fußball-WM bei. Größter Wachstumsmotor sind nach Angaben der Verbände neue Segmente wie Wasser mit Zusatz, Schorlen und Energiegetränke. Lediglich Sportgetränke mussten einen Absatzrückgang hinnehmen.

Biermischgetränke, die wiederum in der Statistik der Brauer auftauchen, legten in den ersten neun Monaten des Jahres um 17,6 Prozent zu. Knapp 3 Millionen Hektolitern Radler oder Alsterwasser steht allerdings ein Absatz von knapp 82 Millionen Hektoliter Bier gegenüber. Angesichts der Alkoholdebatten greifen die Freunde des Gerstensafts aber seit längerem vermehrt zu Leichtbieren und alkoholfreien Bieren.

Für die Gesundheit

Immer mehr Brauereien propagieren die Vorzüge eines betont maßvollen Biergenusses auf die Gesundheit. Die Öko-Brauerei Lammsbräu aus dem oberpfälzischen Neumarkt präsentiert auf der Fachmesse für die europäische Getränkewirtschaft neueste Forschungsergebnisse. Diese sollen belegen, dass die alkoholfreien Bio-Biere entzündungshemmend und entgiftend wirken, das Immunsystem stabilisieren und Allergien vorbeugen.

Aus der Sicht der Brauereien ist die Alkoholstrategie der EU auch in sich unschlüssig, weil sie andere gesundheitliche Problemfelder außer Acht lässt. "Konsequent zu Ende gedacht, müsste es auch Warnhinweise auf Zucker, Schokolade und Sahnekuchen geben, weil die dick machen und Karies fördern, Warnhinweise auf Schweinebraten und Bratwürsten und vielem mehr", spinnt Verbandschef Ilgenfritz den Faden weiter.

Manfred Präcklein/DPA/DPA

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