Gammelfleisch Die Übeltäter beim Namen nennen


Um künftig zu verhindern, dass abgelaufenes Fleisch in den Handel kommt, will Verbraucherminister Horst Seehofer die "schwarzen Schafe" der Branche öffentlich machen. Kritik übt der Minister an seiner Amtsvorgängerin Renate Künast.

Im Kampf gegen den kriminellen Handel mit verdorbenem Fleisch setzen Bund und Länder vor allem auf Betriebskontrollen und die Nennung der Täter. Auch die Fleischwirtschaft sende Signale aus, dass sie mit mehr betrieblichen Kontrollen dem seit Wochen tobenden Fleischskandal den Garaus machen wolle, sagte eine Sprecherin der Bundesregierung.

Darüber und über andere Punkte seines 10-Punkte-Sofortprogramms will der neue Bundesagrar- und Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) nun mit den Verbänden der Fleischwirtschaft reden. "Es ist in ihrem Interesse, die schwarzen Schafe zu fassen", so Seehofer.

Der Minister prangerte zugleich "Versäumnisse" seiner Amtsvorgängerin Renate Künast (Grüne) sowie der Bundesländer an. Gegenüber dem stern greift Seehofer zudem auch seinen Parteifreund und bayerischen Verbraucherminister Werner Schnappauf an. "Es gibt auf allen Seiten Verbesserungsbedarf, das muss man eindeutig sagen", so Seehofer auf die Frage nach dem Verhalten der Länder und von Schnappauf, in dessen Land der bisher größte Fleischskandal aufgedeckt worden sei.

Künast habe "sicher nicht alles falsch gemacht, aber vieles auch unterlassen", sagte Seehofer. Bis zu seinem Amtsantritt habe es "kein System gegeben, das sicherstellt, dass bei Gammelfleisch die Informationen von den Ländern an den Bund fließen." Der Informationsfluss zwischen Justiz und Lebensmittel-Behörden sei mangelhaft. "Es gab große Lücken bei den Kontroll-Intervallen und der Kontrollqualität in der Lebensmittelüberwachung".

Bessere Koordination von Bund und Ländern

Schnappauf erwiderte daraufhin, Bayern habe konkrete Vorschläge für eine verbesserte Koordination von Bund und Ländern unterbreitet. Nötig seien jetzt mehr Eigenkontrollen der Wirtschaft und die konsequente Nennung der "schwarzen Schafe", sagte er der Nachrichtenagentur DPA. Dies sei wirkungsvoller als jede finanzielle Strafe.

Unterdessen ergriff der Handelskonzern Rewe nach dem Fund von umetikettierter Wurst in einem Kölner Supermarkt Vorsorge gegen weitere Unregelmäßigkeiten. Bundesweit wurden alle 1400 Filialen der Marke Minimal auf fertig abgepackte Wurstwaren umgestellt. Damit werden künftig in den Selbstbedienungsregalen nur Wurstwaren geführt, die bereits eingeschweißt und etikettiert seien, teilte REWE mit. Das Sortiment umfasse dann nur Artikel der konzerneigenen Metzgerei sowie die anderer Markenlieferanten.

DPA DPA

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