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HAMBURG: Resümee eines Jahres

Studiengang Medienwirtschaft findet regen Zuspruch

Studiengang Medienwirtschaft findet regen Zuspruch

Auch wenn Experten unken, dass Hamburg in Sachen Medien immer mehr an Boden verliert, die Universität Hamburg bietet seit einem Jahr den Studiengang Medienkultur an. Und der von der Medienwirtschaft geforderte Studiengang findet regen Zuspruch.

Kaum bekannt und doch begehrt

Seit dem Wintersemester 2000/2001 ist es offiziell, aber nur wenigen geläufig: Klammheimlich ist das Nebenfach Medienkultur zum Hauptfachstudiengang geworden. Als Nebenfach schon begehrt, übersteigt das Interesse am Hauptfach die Kapazitäten bei weitem. Zum Start des Studienganges hatten sich die auf 35 Plätze im Hauptfach und die 35 im Nebenfach bereits 234 Studenten beworben. Dieses Wintersemester werden es noch mehr. Der Numerus Clausus liegt bei 1,8, so Prof. Dr. Knut Hickethier, Organisator und Dozent im Studiengang.

Inhaltlich will sich das Lehrangebot von dem des Studienganges Journalistik und Kommunikationswissenschaften dadurch abgrenzen, dass es mehr um produktionsbezogene Aspekte von Film, Fernsehen, Hörfunk und neuen Medien gehen soll. Die Institutionen und das Programm der Massenmedien werden dabei unter verschiedenen Gesichtspunkten analysiert. Neben theoretischen und ästhetischen Ansätzen spielen die Geschichte und vor allem die Praxis - in Form von Projektseminaren - eine entscheidende Rolle. Gerade das erscheint im oftmals theorielastigen Lehrangebot der Universität reizvoll und dürfte auch der Medienwirtschaft entgegenkommen. Milda Bartels, Mitglied im Fachschaftsrat Medienkultur, sieht aber genau da Verbesserungsmöglichkeiten. Es lehren nur vereinzelt Dozenten aus den Medienbetrieben, die praktische Einblicke ermöglichen. Anlaufschwierigkeiten gibt es auch im Bereich der Neuen Medien. Die Computerkurse werden von den Studenten ironisch »Mausführerschein« genannt.

Praxis gefordert

Hat man nach einer Regelstudienzeit von neun bis zehn Semestern den Magister-Titel oder nach sieben Semestern den Bakkalaureat in der Tasche, bleibt die Zukunft ungewiss. Erfahrungswerte für Berufsanfänger gibt es noch nicht. Aber da auf Praktika und Hospitanzen Wert gelegt wird, könnte der Einstieg erleichtert werden. Bisher ist gerade die Suche nach geeigneten Praktika eine Sisyphusarbeit. Milda Bartels: »Nur in Ausnahmefällen werden Praktika von der Universität vermittelt.« Knut Hickethier sieht da allerdings weniger ein Problem: »Eine Verbindung zur Medienwirtschaft ist in Planung. Außerdem bereitet die Suche nach einem und die Bewerbung auf einen Praktikumsplatz auf die Zeit nach dem Abschluss vor. In Zukunft soll es dann auch mehr Dozenten aus den Medienbereichen geben.«

Ob der Studiengang dem Medienstandort Hamburg einen Vorteil verschafft, bleibt zweifelhaft. Erst wenn Medienwirtschaft und Universität zusammenarbeiten, kann der Studiengang für alle Beteiligten ein Erfolg werden. Das Interesse der Studierenden an Medienkultur ist auf jeden Fall genauso groß wie die Hoffnung, dass die »Kinderkrankheiten« des Studiengangs in absehbarer Zukunft beseitigt werden. (ml)

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