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Henriette Hell: Was ich über Sex gelernt habe: Warum du deinen Urlaubsflirt NIEMALS zu dir nach Hause einladen solltest

Verknallt im Urlaub: Das passiert Malle-Pauschaltouristen genauso wie Backpackern in Bangkok. Und danach?Da will man Julio, Lang-Lang oder Xavier natürlich so schnell wie möglich wiedersehen. Ein Fehler!

Alles passt: Wetter, Strand, Stimmung, Lover. Aber wenn er dich dann zu Hause besucht, sieht das ganz anders aus.

Alles passt: Wetter, Strand, Stimmung, Lover. Aber wenn er dich dann zu Hause besucht, sieht das ganz anders aus.

Über Urlaubsliebe wurde schon viel gesungen. Mir fallen da spontan so verstörende Gassenhauer wie "Finger im Po, Mexiko", "Am Strand von Maspalomas" oder "Ein kleines Hotel bei Cuxhaven" ein. Mein persönlicher Favorit ist "Cluburlaub" von Schnipo Schranke. Damit kann ich mich prima identifizieren:

Oben ohne an der Cocktailbar 
Oh, wie schön Panama 
Cluburlaub in der Karibik 
Der Alkoholpegel ist hoch, doch das Niveau ist hier niedrig
(...) 
Bei 35 Grad im Schatten 
Zwischen Pool und Hängematten 
Von morgens an schon dicht mit Wodka-Brause 

Ist ja fast wie zu Hause 
(...) 
Gangbang mit den Animateuren 
Die Wände sind hier schalldicht, deshalb kann uns keiner hören 

Ein wunderbarer Song. Weil er auf den Tisch bringt, was Fakt ist: Angetütert am Pool fühlt man sich so frei, entspannt und glücklich wie nie, will sich plötzlich verlieben, kopulieren, barfuß am Strand Hochzeit feiern. Egal, mit wem. Hauptsache LIEBE. Du bist also auch recht leicht zu haben. Klar, wenn dir einer an der Copacabana einen Caipi spendiert, dann ist das immer geiler als ein Fanta-Korn im "Goldenen Handschuh". 

Und wenn es dann losgeht, erscheint einem die gesamte Liebelei vor Ort auch bedeutend magischer, als sie eigentlich ist, weil man ja andauernd mit Sonnenuntergängen, gutem Essen, Cocktails und exotischer Musik dichtgeballert wird. Man bildet sich also ein, ER oder SIE wäre etwas ganz Besonderes – und nimmt dafür auch miesen Sex ("Vorspiel? Zeitverschwendung!") und platte Sprüche ("Deinen Augen leuchten wie Sterne so hell ...") in Kauf. Mängel will man einfach nicht wahrhaben. Ist ja schließlich Urlaub, da soll alles perfekt sein. War schließlich teuer genug. Dann, der Abschied: Sie: "Werden wir uns jemals wiedersehen? Wir müssen!"
Er: "Ich kann nicht mehr ohne dich leben, mi amor. Ich werde nach Deutschland kommen, so schnell ich kann."
Sie: "Oh, Julio, das wäre so amazing. Bitte nimm mich jetzt, als wäre es das letzte Mal ..."

Wieder zu Hause ist man dann hart auf Entzug. Leidet. Wimmert. Und wünscht sich dieses wunderbare Bacardi Feeling zurück. Die Lösung scheint einfach: Er muss herkommen! Gesagt, gebucht. Was aber, wenn Julio, Lang-Lang oder Xavier vier Wochen später dann wirklich vor deiner 1-Zimmer-Bude in Hamburg-Neugraben stehen? Und ihr fünf volle Tage bei nasskaltem Aprilwetter in deutschen Landen miteinander verbringen müsst, äh, dürft? Hm, kann recht ernüchternd sein: 

Sie: "Und? Was wollen wir heute machen?"
Er: "Ich würde so gerne in dieses eine Museum ..."
Sie: "Schon wieder Museum? Uff. Muss ich da mit?"
Er: "Gut, dann bleiben wir zu Hause und machen Liiieeeebe."
Sie: "Uff. Schon wieder? Du, ich kann noch gar nicht wieder ..."

Oh ja, so allmählich fängt deine "Liebe" an, dir mit seinen verliebten Blicken auf den Senkel zu gehen, und du denkst dir: Verdammt ... Kein Bacardi Feeling mehr da. Dafür jede Menge mittelmäßiger Sex, anstrengende Konversationen auf Englisch sowie stundenlange Museumstouren. Das Ende vom Lied: Du spielst mit dem Gedanken, ihm für die letzten Tage ein Hotel zu bezahlen. Weit, weit weg von dir. Aber das traust du dich dann doch nicht und kaufst dir stattdessen eine Flasche Rum. Restglück in Reinform. Dann halt auf diesem Wege: Bacardi Feeeeeeliiing!  

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