Initiative Verein kämpft für Hochbegabten-Schule


Für lernschwache Kinder und Jugendliche gibt es eigene Schulen, für Hochbegabte bislang noch nicht. Eine private Initiative in Franken hat sich zum Ziel gesetzt, diese Lücke zu schließen.

Die Lehrer meinten, Michaela solle ein Buch zum Thema mitbringen und im Unterricht lesen. Doch diese Idee fand die 16 Jahre alte Schülerin aus Nürnberg auch «nicht so toll.» Michaela hat ein nicht ganz alltägliches Problem: Sie hört einmal etwas, nimmt es sofort auf und merkt es sich, ohne dass sie es noch ein zweites oder drittes Mal hören müsste. Michaela ist hochbegabt. Mit ihren 16 Jahren besucht sie bereits die 12. Klasse eines Gymnasiums. Hochbegabung ist in der Gesellschaft immer noch ein Problem, das nur von sehr wenigen verstanden wird. Deswegen bat auch Michaela um eine Änderung ihres Vornamens.

Keine geeigneten Schulen vorhanden

Hochbegabte sind nicht automatisch «Wunderkinder.» Für lernschwache Kinder und Jugendliche existieren in Bayern eigene Schulen, für Hochbegabte bislang nicht. Sie müssen die ganz normale Schullaufbahn durchmachen. Eine eigene Schule für hochbegabte Kinder und Jugendliche wäre deshalb wünschenswert, finden Birgit Kurr und Markus Dippold, die aus Erlangen und Forchheim stammenden Vorsitzenden des Vereins «Edison». Dessen Ziel ist es, in Franken eine eigene Schule für Hochbegabte zu gründen.

Kurssystem und neue Herausforderungen für Lehrer

Das Edison-Konzept sieht ein Kurssystem ähnlich der Kollegstufe mit maximal 12 Teilnehmern vor. «Ein Schüler der achten Klasse, der beispielsweise in Englisch besonders begabt ist, könnte auch am Unterricht der neunten oder zehnten Jahrgangsstufe teil nehmen», erläutert Dippold. Die Einstufung des Schülers würde in der Jahrgangsstufe erfolgen, für die der Schüler alle Leistungsnachweise erbracht hat.

Doch nicht nur durch das Kurssystem unterscheide sich die gewünschte Schule vom üblichen Unterricht. Auch an die Lehrer würden über das übliche Maß hinaus Anforderungen gestellt. «Der Lehrer muss sich einlassen auf das Erlebnis Hochbegabung», meint Dippold. Seine Aufgabe sei es, mehr als Mentor und Projektanleiter tätig zu sein. Eine eigene Sonderpädagogik im Unterricht für Hochbegabte sei deshalb nötig.

Funkstille im Kultusministerium

Hochbegabung sei ein Phänomen, das nicht nur in den oberen Gesellschaftsschichten vorkomme. Bei einer Privatschule könnten sich nur die Eltern von besser gestellten hochbegabten Kindern den Besuch einer solche Schule leisten, meint Kurr. «Wir wollen eine Hochbegabten-Schule, die jeder besuchen kann.» Im Juni 2002 habe es darüber ein Gespräch mit Kultusstaatssekretär Karl Freller (CSU) gegeben. Seitdem herrsche aus dem Kultusministerium Funkstille, beklagen die beiden Vereinsvorsitzenden. Vom Kultusministerium wünscht sich der Verein mehr Zusammenarbeit und einen ständigen Dialog.

Diesen Vorwurf weist Freller entschieden zurück. «Wir arbeiten derzeit an neuen Konzepten zur Hochbegabtenförderung an Bayerns Schulen.» Momentan werde geprüft, ob Internats- und Ganztagsangebote für Hochbegabte möglich seien. Selbstverständlich würden auch die Vorschläge des «Edison»-Vereins mit einbezogen. Allerdings bittet Freller auch die Verantwortlichen von «Edison» bis zum Abschluss der Prüfung um Geduld.

Zusammenarbeit mit anderen Schulen denkbar

Als Hauptargument für eine eigene Hochbegabten-Schule führt Kurr an, dass dann Kinder gemeinsam unterrichtet würden, die intellektuell ähnlich gelagert seien. «Hochbegabte brauchen eine eigene Förderung!» Eine vollständige Ausgrenzung gegenüber anderen Schulen sei weder gewollt noch beabsichtigt. Eine Zusammenarbeit sei nach Absprache sogar gewünscht und sinnvoll. Vielleicht trage dies auch zum Abbau von Vorurteilen bei. Als 1. Vorsitzende des Vereins «Edison» macht Kurr immer wieder die Erfahrung, «dass auch heute noch Intelligenz vielfach Neid und Misstrauen erzeugt».

Christoph Gahlau DPA

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