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Daddylicious: Vater ist, was du draus machst

Das Land NRW will Vätern im Rahmen einer neuen Kampagne dabei helfen, aktiver an ihrem Familienleben teilzunehmen. Eine gute Idee, findet Mark Bourichter, doch noch lange nicht genug.

Ein Vater tröstet seine kleine Tochter

Ein Plakat der landesweiten Väterkampagne "Vater ist, was du draus machst"

Vor ein paar Tagen enthüllte Christina Kampmann, Familienministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, das Plakat der Väterkampagne "Vater ist, was du draus machst". In den fünf Städten Köln, Düsseldorf, Essen, Bielefeld und Münster werben verschiedene Motive für ein neues Väterbild, für eine aktive Vaterschaft und eine Balance zwischen Berufs- und Familienleben. Und für ein neu geschaffenes Internetportal für Väter. Eine Ministerin, die sich zu diesem Thema mächtig ins Zeug legt. Wir waren selbst vor Ort und haben im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit anderen Vätern, Medien- und Unternehmensvertretern über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesprochen.

"Obwohl sich die Einstellung der Männer zu Familie und Kindern in den vergangenen Jahren stark verändert hat und 60 Prozent der Väter sich gerne die Kinderbetreuung mit ihrer Partnerin teilen möchten, ist die Realität zumeist eine andere. Diesen Widerspruch müssen wir dringend auflösen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine Frage unserer gesellschaftlichen Zukunft", erklärte Ministerin Kampmann. Grund für diese Aktion sind die Ergebnisse einer Elternbefragung im Rahmen des im Herbst 2015 vorgestellten Familienberichts NRW. 42 Prozent der befragten vollzeiterwerbstätigen Väter hatten angegeben, immer oder häufig das Gefühl zu haben, nicht ausreichend Zeit für die Familie zu haben.

Zumindest ein Anfang

Die Erkenntnis dieses Tages in Düsseldorf: Wir sind in diesem Land noch weit davon entfernt, dass Mütter und Väter, ganz egal ob es sich um die Betreuung der Kinder oder die Bezahlung im Job handelt, in irgendeiner Form gleichgestellt sind. Die Politik geht mit dieser Kampagne sicherlich den zweiten Schritt (nach der Elternzeit) in die richtige Richtung, doch bedarf es noch weitere gesetzlich festgeschriebene Lösungen, diese Lücke weiter zu schließen. Die Wirtschaft muss sich an die veränderten Lebensmodelle anpassen, Freiräume schaffen und vor allen Dingen Arbeitsmodelle nach der Elternzeit anbieten, die sich an den Interessen der Väter orientiern.

Was bringt es denn, wenn Väter nach zwei oder mehr Monaten Elternzeit wieder ins Hamsterrad springen, um den Job im gleichen Pensum wie vor der Elternzeit zu erledigen? Wo sind die Arbeitszeitmodelle, die sich an einer echten Vaterschaft orientieren? Es war eine lebhafte Diskussion. Und zwar endlich mal eine, in der über Väter nicht in der dritten Person gesprochen wurde. Vertreter von Bildungseinrichtungen, Bundesverbänden kamen ebenso zu Wort wie Väter, Tagesväter und Mütter, die für eine partnerschaftliche Aufgabenteilung mindestens das gleiche Mitspracherecht haben. Ein echter Austausch, der unserer Meinung nach nicht nur im Land NRW stattfinden sollte. Taucht man in das neu geschaffene Väterportal etwas tiefer ein, finden sich hilfreiche Tipps zu Themen wie Elterngeld, Elternzeit, Bildungs- und Beratungsangebote für Väter, Veranstaltungen und Interviews zu wechselnden Schwerpunktthemen. Ein Blick lohnt sich. Mindestens um sich mal wieder etwas "einzunorden".

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