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Saarbrücken: Gewalt eskaliert: Lehrer einer Gemeinschaftsschule rufen in Brandbrief um Hilfe

Betrunkene und pöbelnde Schüler sind an der Gemeinschaftsschule Bruchwiese in Saarbrücken keine Seltenheit. Manche Lehrer werden sogar so bedroht, dass sie Angst haben zu unterrichten. In einem Brandbrief rufen sie um Hilfe.

Gewalt an Schulen nimmt laut Lehrkräften zu

Lehrer sollen auf's Übelste beschimpft werden, Schüler betrunken in den Unterricht kommen und Drogen und Gewalt ein ständiger Begleiter im Schulalltag sein - mit einem Hilferuf haben sich die Lehrer der Saarbrückener Gemeinschaftsschule Bruchwiese an die Saarländische Landesregierung gewandt. Das berichtet die "Saarbrücker Zeitung". An der Schule herrsche ein Klima der Angst.

Auf vier Seiten schildern die Lehrer der Saarbrückener Gemeinschaftsschule Bruchwiese demnach die desolaten Zustände. "Cracknutte", "Hurensohn" oder "Wichser" - solche verbalen Entgleisungen gebe es täglich. Ein Schüler soll, als eine Lehrerin ihn auf seine beleidigende Ausdrucksweise hingewiesen hat, geantwortet haben: "Ich rede mit ihnen, wie ich mit Frauen rede." Viele Lehrer sollen Angst haben, bestimmte Schüler zu unterrichten. "Mittlerweile müssen wir bei unseren pädagogischen Maßnahmen immer unseren Eigenschutz im Auge behalten, da wir im Umfeld dieser hoch gewaltbereiten Jugendlichen auch privat leben", heißt es in dem Brief, der bereits im Juni geschrieben wurde. 

Inklusion ohne ausreichende Ressourcen

Auch untereinander werde das Verhalten der Schüler immer aggressiver. Die Lehrer erzählen in ihrem Schreiben von gebrochenen Armen, Polizeieinsätzen, Pfefferspray im Lehrerzimmer, einem betrunkenen Schüler, der sich im Sekretariat übergibt, einem verbrannten Klassenbuch, Messer im . Einmal soll einer Schülerin ein solches an den Hals gedrückt worden sein. An Unterricht ist unter diesen Umständen kaum zu denken.

Die Lehrer machen sowohl die Zusammenlegung mit der Förderschule als auch den hohen Anteil von ausländischen Schülern für die Situation verantwortlich. Kinder und Jugendliche aus den verschiedensten Kulturkreisen, mit den verschiedensten sozialen Hintergründen lernen dort. 86 Prozent kommen ursprünglich nicht aus Deutschland. Sie müssen sprachlich und kulturell integriert werden. Fast 15 Prozent sind Förderschüler. Mit und ohne Behinderung. Und das alles stemmte die Schule bisher fast ohne zusätzliches Personal. "Die Ressourcen haben sich nicht verändert, aber die Herausforderungen sind enorm gewachsen", sagt Schulleiterin Pia Götten der " ". Für den stern war sie am Donnerstag telefonisch nicht zu erreichen. 

Schule in Saarbrücken ist kein Einzelfall

Wer in diesen Tagen die Homepage des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) besucht, fällt als Erstes eine Überlastungsanzeige zum Herunterladen auf. Denn die Gemeinschaftsschule Bruchwiese ist kein Einzelfall. Den SLLV erreichen immer mehr Hilferufe von Gemeinschaftsschulen, wie der Verband auf seiner Homepage mitteilt. "Sie kommen aus städtischen wie ländlich geprägten Schulen, nicht nur aus sogenannten Brennpunktschulen", schreibt Elke Boudir, die stellvertretende Landesvorsitzende und Referentin für Gemeinschaftsschulen.

Bundesweit klagen Lehrer über die zunehmende Gewalt an Schulen, wie eine Umfrage von 2016 bestätigt. Insbesondere ältere Lehrkräfte über 50 Jahren haben das Gefühl, dass die Gewalt an Schulen in den letzten fünf Jahren gestiegen ist. Unter ihren jüngeren Kollegen sind immerhin die Hälfte dieser Meinung, wie die Grafik von Statista zeigt.

Mehr Geld für Problemschulen

In einem Forderungskatalog drängen die Lehrer darauf, Förderschulen zu erhalten und ein Vetorecht für die Schulleitung, mehrfach von der Regelschule ausgeschlossene Schüler nicht aufnehmen zu müssen und die Unterstützung von Sozialarbeitern.

Die nimmt den Brief ernst. Eine Sprecherin des Bildungsministeriums sagte gegenüber der "Saarbrücker Zeitung", es seien bereits mehrere Maßnahmen getroffen worden. So seien der Schule 109 Lehrerwochenstunden mehr zugewiesen worden, was vier Stellen entspricht, sowie 60 Stunden zu Sprachförderung. Außerdem sollen Schulen an belasteten Standorten 2018 446.000 Euro mehr erhalten. Eine Expertenkommission soll ab nächster Woche ihre Arbeit aufnehmen. 

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