HOME

Lebensmittel: Gammelfleisch-Verdacht in Bayern

Nach einem anonymen Hinweis sind bei einer Münchner Firma mehrere Tonnen Fleisch mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum gefunden worden. Das Schweinefleisch und die Würste wurden in einem geheimen Raum gelagert.

Die Münchner Staatsanwaltschaft bestätigte am Freitag einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung", wonach drei bis fünf Tonnen Tiefkühlfleisch mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum bei einer Münchner Firma gefunden worden seien. Anhand von Proben werde nun der Zustand der Ware untersucht. Außerdem werde überprüft, ob das Fleisch umetikettiert worden sei.

Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) war durch einen anonymen Hinweis aufmerksam geworden, den das bayerische Verbraucherschutzministerium nach eigenen Angaben übersehen hatte. Die Oppositionsparteien im Landtag forderten deshalb den Rücktritt von Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU).

Hauptsächlich Schweinefleisch und Wurst

Zum Zustand des Fleisches konnten Staatsanwaltschaft und KVR noch keine Angaben machen. Auch ob verdorbene Ware bereits in den Handel gelangt war, sei unklar. Bis Mitte nächster Woche soll geklärt werden, ob das Fleisch zum Verzehr ungeeignet oder sogar gesundheitsgefährdend ist. Vor allem Schweinefleisch und Würste seien gefunden worden, sagte KVR-Sprecher Christopher Habl.

In der anonymen E-Mail ist von einem inoffiziellen Kühlraum die Rede, den die Firma bei sämtlichen Behördenkontrollen verschwiegen haben soll. Wegen eines "problematischen" Mindesthaltbarkeitsdatums habe sie auch regelmäßig Waren umetikettiert, so etwa Würste, die von der Allianz-Arena zurückkamen, weil sie nicht verkauft wurden, heißt es in dem Schreiben weiter. Bereits am Mittwoch hatten Vertreter des KVR und des Staatlichen Veterinäramtes die Großhandelsfirma auf dem Gelände des Münchner Schlachthofes überprüft. Dabei wurde nach Auskunft Habls auch der Kühlraum gefunden, dessen Existenz der Betreiber zunächst abgestritten hatte.

FDP verlangt Rücktritt von Schnappauf

Die FDP-Bundestagsfraktion warf dem Bayerischen Minister für Verbraucherschutz, Werner Schnappauf, Versagen vor. "Minister Schnappauf bestätigt seinen Ruf als der unumstrittene 'Problembär' der CSU", sagte der agrarpolitische Sprecher der FDP- Fraktion, Hans-Michael Goldmann, in Berlin. "Er ist seinen Aufgaben als Verbraucherminister in keiner Weise gewachsen." Nun müsse geklärt werden, ob möglicherweise vergammeltes Fleisch in den Handel gelangt sei.

Unterdessen hat im Prozess um Ekelfleisch vor dem Landgericht Memmingen am Freitag der Chef einer Illertissener Fleischfirma als Zeuge ausgesagt. Er habe von illegalen Fleischgeschäften der Deggendorfer Frost GmbH nichts gewusst. In der Mutterfirma in Illertissen sei lediglich die Buchhaltung für die Frost GmbH abgewickelt worden. Die Frost GmbH soll insgesamt rund 1000 Tonnen Schweineschwarten und Geflügelteile im Ausland gekauft und zu Lebensmittel umdeklariert für über 300 000 Euro weiterverkauft haben. Die Anklage legt dem Ex-Geschäftsführer rund 70 Verstöße gegen das Lebensmittelgesetz, das Fleisch- und das Geflügelfleischhygienegesetz zur Last. In 50 Fällen wird ihm dabei Betrug in besonders schwerem Fall vorgeworfen.

DPA / DPA

Wissenscommunity