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leipzig: Die Deutsche Bücherei

Ein Refugium für Bücherwürmer und Diplomanden

Ein Refugium für Bücherwürmer und Diplomanden

Die Straßenbahn wird hier schlagartig leer. Kaum hat der gestresste Student das altehrwürdige Gebäude betreten, bekommt er oder sie das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein. Die Hektik der Großstadt, die Mittagshitze - überhaupt scheint alles vor der schweren Eingangstür der Deutschen Bücherei (DB) Leipzig zu bleiben. Nur hin und wieder wird die traumhafte Ruhe durch Baulärm gestört, der von draußen an die Ohren der Besucher dringt. »Es ist schlimm, fast wie eine Operation am offenen Herzen«, erzählt Irmgard Spencker wehmütig. Die Leiterin der Abteilung ?Benutzung, Auskunft und Archivierung' und ständige Vertreterin des Generaldirektors der Deutschen Bücherei Leipzig schaut auf die hässlich grünen Renovierungsplanen. Sie verdecken die Baumaßnahmen, die aller Wahrscheinlichkeit noch bis ins Jahr 2003 andauern werden. »Das bedeutet schon Störungen für die Benutzer und auch für uns Mitarbeiter.« Notwendig seien die Maßnahmen zur Erhaltung der Bausubstanz schon lange, schließlich wurde das imposante Hauptgebäude der Deutschen Bücherei bereits 1914 erbaut und 1916 in Betrieb genommen.

Direkt am Deutschen Platz im Herzen Leipzigs gelegen, zieht die DB auch heute noch Tag für Tag unheimlich viele Bücherwürmer an. Kein Wunder, sie finden hier schließlich alles, was das Leseherz begehrt. Sei es die Erstausgabe des Lustigen Taschenbuches, Alfred Bioleks letzte Kochtipps, alle Ausgaben der »unten«oder über hundert Jahre alte Zeugnisse der Buch- und Schriftkultur. »Wir haben ein wunderschönes Gebäude, das erhalten werden muß«, betont Spencker. »Es gilt als eines der gelungensten Bibliotheksgebäude der Welt.« Als Nationalbibliothek, die alle deutschsprachige Literatur seit 1913 sammelt, entstand die Deutsche Bücherei infolge der historischen staatlichen Zerrissenheit relativ spät. Bereits nach der Deutschen Revolution war in Frankfurt am Main ein erster Schritt zur Bildung einer Reichsbibliothek getan worden, der allerdings in den Anfängen stecken blieb. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Gedanke vom Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig wieder aufgenommen und führte letztendlich am 3. Oktober 1912 zum Gründungsbeschluss. Seit 1990 bildet die Deutsche Bücherei Leipzig laut dem Einheitsvertrag mit der 1946 in Frankfurt am Main gegründeten Deutschen Bibliothek und dem Deutschen Musikarchiv in Berlin eine Institution: Die Deutsche Bibliothek. Soviel zur Geschichte.

»Wir sind eine rechtsfähige bundesunmittelbare Anstalt des öffentlichen Rechts«, erklärt Irmgard Spencker die heutige Situation. »Als Aufgabe hat sich die Deutsche Bibliothek vor allem den Aufbau einer Archivbibliothek und eines nationalbibliographischen Zentrums für die Bundesrepublik auf die Fahnen geschrieben.« Sie hat die für Deutschland einzigartige Aufgabe, alle deutschen und deutschsprachigen gedruckten und elektronischen Publikationen sowie Musikalien und Tonträger ab 1913 zu sammeln, dauerhaft zu archivieren, umfassend zu dokumentieren und öffentlich uneingeschränkt zugänglich zu machen. So erfüllt die DB entsprechend der UNESCO-Definition die Aufgaben einer Nationalbibliothek. Die Deutsche Bibliothek besitzt das sogenannte Pflichtexemplarrecht für die Bundesrepublik, das jeden gewerblichen oder nicht-gewerblichen Verleger verpflichtet, von seinen Neuerscheinungen zwei Exemplare abzuliefern. Dabei handelt es sich sowohl um traditionelle Veröffentlichungen in Papierform, als auch Mikroformen, Tonträger, visuelle Materialien und physisch verbreitete elektronische Veröffentlichungen.

Die deutschsprachigen Publikationen des Auslands, die Übersetzungen aus dem Deutschen und die fremdsprachigen Germanica gehen als Belegexemplare oder durch Kauf und Tausch in der Deutschen Bücherei ein. »Nach der Papierform gibt es zwischen Frankfurt und Leipzig keinen Unterschied«, erklärt Irmgard Spencker. »Aber interessanterweise waren die Beziehungen der Deutschen Bücherei Leipzig zum Ausland besser als die von Frankfurt.« Aufgrund der guten Verhältnisse, die noch aus den 20er-Jahren stammen, sei es auch in der politisch schwierigen Zeit von 1933 bis 1949 möglich gewesen, von Leipzig aus zumindest 95 Prozent der deutschsprachigen Bücher zu sammeln. Durch die geschichtliche Entwicklung habe jede Bibliothek ihr eigenes Profil erhalten. In Leipzig nimmt das Zentrum für Bucherhaltung alle Aufgaben der Bestandserhaltung für die DB wahr und hat mit dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum ein bedeutendes und beeindruckendes Zentrum für Buchkultur geschaffen. Abgerundet wird der Auftrag der Sicherung von Kulturgut durch die Anne-Frank-Shoa-Bibliothek, die als internationale Fachbibliothek eine Dokumentation über die Verfolgung und Vernichtung der Juden bietet.

»Die Deutsche Bibliothek in Frankfurt am Main ist dagegen vor allem für die Entwicklung einer modernen Kommunikationsstruktur zuständig«, beschreibt Spencker die Aufgabenteilung. Zudem sei man in Frankfurt auf Produktion, Marketing und Vertrieb der zentralen bibliographischen Dienstleistungen sowie die Fortführung des Deutschen Exilarchivs von 1933 bis 1945 spezialisiert. Und obwohl Irmgard Spencker immer wieder die sehr gute Zusammenarbeit der beiden Häuser lobt, so ganz kann sie nicht aus ihrer Haut: »Es herrscht hier ein sehr großes Traditionsbewusstsein, wie es nur selten zu finden ist.« Sie muss es ja wissen, arbeitet sie doch bereits seit 38 Jahren in der Deutschen Bücherei. »Das Personal ist im Durchschnitt schon recht alt«, bedauert die ständige Vertreterin des Generaldirektors. »Aber das trägt gerade zur besonderen Verbundenheit mit den Aufgaben bei und kommt dem kulturtechnischen Auftrag der Bücherei nur zugute.« Ihr Lieblingsbereich ist, wie könnte es auch anders sein, die eigene Abteilung. Für Besucher zu recherchieren, ihnen zu helfen und mit ihnen in Kontakt zu kommen, ist nach wie vor der Grund, weshalb Spencker ihren Beruf nie gegen einen anderen hätte tauschen wollen: »Da sieht man, wozu die Deutsche Bücherei gut ist und man kann konkret etwas tun, nicht immer nur graue Theorie.«

Auf dem Weg durch das Gebäude zeigt sich dann die wahre Verbundenheit der Angestellten mit »ihrer« Bücherei. Begeistert führt Irmgard Spencker durch die großen Katalogräume, blättert in den scheinbar unendlich vielen Karteikästchen und erläutert stolz: »Dieser Katalog ist ganz besonders. Er bietet nicht nur Titel und Erscheinungsjahr, sondern auch kurze Angaben zum Autor.« Der altmodische Zettelkatalog beinhaltet die Veröffentlichungen vor 1974 und seit der Wiedervereinigung können später erschienene Werke im Online-Benutzerkatalog per Computer gesucht und gefunden werden.

Hat man sein Buch gefunden und an der Ausgabestelle erhalten, führt der Weg aller Besucher in einen der zahlreichen Lesesäle. Ob für Natur- oder Geisteswissenschaften, Technik oder Zeitschriften, für alles gibt es den entsprechenden Saal, wo man ungestört seiner Lektüre, der Recherche im Internet oder dem Hören von Tonträgern nachgehen kann. Der wohl berühmteste unter ihnen ist der sogenannte Große Lesesaal, der mit seinen hohen Regalwänden und den kleinen grünen Tischlampen an einen amerikanischen Universitätsfilm erinnert. »Die Lesesäle werden sehr gerne genutzt, besonders wegen ihrer angenehmen, arbeitsfördernden Atmosphäre.« Von einem Treppenabsatz blickt Irmgard Spencker auf die eifrig arbeitenden, gesenkten Köpfe im Großen Lesesaal. »Hauptsächlich kommen Studenten hierher, um wissenschaftliche Arbeiten zu schreiben«, erzählt sie beim Gang durch den imposanten Saal. »Aber manchmal sind auch Menschen dazwischen, die einfach nur in Ruhe ihre Zeitung lesen wollen«, fügt sie mit einem Schmunzeln hinzu. Besonders gerne ist sie im Lesesaal, der in den 60er Jahren zusätzlich gebaut wurde. »Die bequemsten Stühle im ganzen Gebäude!« Tatsächlich laden die schwarzen Lederstühle im typischen Design zum Verweilen ein. »Deshalb kommt es auch nicht selten vor, dass, wenn um zehn Uhr die Glocke läutet und damit das Ende der Besuchs- und Arbeitszeit anzeigt, Leute erschrocken aufblicken, weil sie total die Zeit vergessen haben«, so Spencker.

Weiter geht es zum nächsten Höhepunkt eines Besuches in der Deutschen Bücherei. »Merkur und die Bücher« heißt die ständige Ausstellung, die in Sonderräumen die Entwicklung des Buchwesens ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts eindrucksvoll dokumentiert. Besonders am Herzen liegen Spencker die Bücher, die momentan noch nicht in Besitz der Bibliothek sind. »Es gibt noch Bestände deutscher Exilliteratur, die nicht in der Bundesrepublik ist, sondern noch von den Siegermächten unter Verschluss gehalten wird.« Ein erster Schritt in Richtung Zusammenarbeit und Austausch sei eine Ausstellung der russischen Staatsbibliothek gewesen, in der erstmals auch deutsche »Schätze« gezeigt worden seien. Neben der ständigen Ausstellung sind wechselnde Themenausstellungen geplant. Doch bis es soweit ist, muss nicht nur an den Köpfen von Bismarck und Goethe an der Außenfront, sondern auch noch viel im Inneren renoviert werden. »Dafür haben wir dann wieder dreißig Jahre Ruhe«, hofft Irmgard Spencker und wirft einen zweifelnden Blick auf die fleißigen Bauarbeiter, die überall an und in der Bibliothek herumwerkeln. So soll die Deutsche Bücherei auch im nächsten Jahrtausend zahlreichen Studenten zur zweiten Heimat während der Diplomarbeit werden. (sh)

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.