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muenchen: Vorschusslorbeeren

Zukunftsmusik: Der virtuelle Campus der LMU spart später einmal viel Geld und Nerven. Vom Bund der Steuerzahler gab's dafür schon mal einen Kreativ-Preis.

Zukunftsmusik: Der virtuelle Campus der LMU spart später einmal viel Geld und Nerven. Vom Bund der Steuerzahler gab's dafür schon mal einen Kreativ-Preis.

Es geht um den bürokratischen Spießrutenlauf. Immatrikulation, Uniwahlen, zentnerweise gedruckte, veraltete Vorlesungsverzeichnisse. Denn das nervt. Aber: Mit Internet wäre doch alles viel besser.

Deshalb versucht Münchens LMU diesen unerfreulichen Teil des Unilebens ins Netz zu verlegen. Der Student bekommt eine virtuelle Parallel-Identität. Und alle 43 000 verlinkten Studenten bilden zusammen den CampusLMU, die virtuelle Hochschule. Die Einschreibung passiert dann per Mausklick (keine »genervten Uni-Mitarbeiter« mehr, wie Uni-Rektor Heldrich mit Augenzwinkern sagt), bei Wahlen machen die Studenten ein elektronisches Kreuzchen (»kein Wahllokal mit schläfrigen Mitarbeitern«), das Vorlesungsverzeichnis ist immer aktuell.

Die Basis ist da, unter www.campus.lmu.de kann sich der Student mit persönlicher Kennung in das Zukunftsprojekt einloggen. Der Einlogg-Vorgang, ja, aber viel mehr kann er da nicht erleben. Noch funktioniert von den hehren Projekten nämlich wenig. Das Vorlesungsverzeichnis darf wegen urheberrechtlicher Probleme mit Verlagen erst verspätet ins Netz gestellt werden, die Wahlen finden wegen juristischer Kniffligkeiten auch nicht im Internet statt, die Einschreibung übers Netz ist erst recht Zukunftsmusik. Was definitiv ab dem kommenden Semester funktionieren wird, sind die virtuellen Seminarräume, wo Dozenten Infos zum Download niederlegen und Studenten mit den Professoren in Kontakt treten können. Einen persönlichen Terminkalender kann man sich auch zusammenstellen, ein Tausch-Basar existiert ebenso.

Nur die großen Projekte, all jene, die Arbeitserleichterung bringen, fehlen. Noch hat das Projekt »seine Kinderkrankheiten nicht überwunden - und so manches muss noch geschehen«, wie auch Rektor Andreas Heldrich zugibt. Aber wenn es dann erst einmal so weit sein sollte, spart die virtuelle Hochschule jede Menge Nerven bei Mitarbeitern sowie Studenten - und vor allem viel Geld.

Das hat der Bund der Steuerzahler in Bayern erkannt. Und verlieh der Universität dafür seinen Kreativpreis. Als Anerkennung für dieses »technologisch erfolgversprechende« Projekt, das »inhaltlich und finanziell völlig neue Wege geht«. In der Universität zelebrierte der Bund der Steuerzahler eine große Preisverleihung. Der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser hielt eine Laudatio, in der er sich zum »gemeinsamen Kampf« um die Steuergelder bekennt und logischerweise stolz ist, dass hier künftig so viel Geld gespart wird. Der virtuelle Campus mache die Uni für Studenten »kompakter und attraktiver«. Gut ersichtlich sei es, dass diese traditionelle Institution nicht den sprichwörtlichen »Muff unter den Talaren« habe. Eine unglaublich dynamische Wirkung strahle das Projekt aus: »Das schiebt an«.

Rektor Heldrich bedankte sich für die »Vorschusslorbeeren«. Bei der Übergabe reckte Uni-Rektor Andreas Heldrich die Trophäe der Steuerzahler in seiner rechten Hand gen Aula-Decke. Wie ein Boxer. Er weiß aber bestimmt, dass der eigentliche Kampf um den CampusLMU noch bevorsteht. (af)

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