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muenchen: Reform oder Nicht-Reform - das ist hier die Frage

Lagerkämpfe in der Professoren-Elite - man wittert gar Putsch

Lagerkämpfe in der Professoren-Elite - man wittert gar Putsch

Ein kleiner Griff in die Floskel-Kiste, und wir fischen diesen Spruch heraus: Die Hochschulen müssen reformiert werden. Immer wieder gern zitiert. Doch in München sorgt die simple Binsenweisheit endlich mal für einen handfesten Streit. Reform nämlich brauche auch die Ludwig-Maximilians-Universität - und genau dazu sei ihr Rektor Prof. Dr. Andreas Heldrich (Foto) völlig unfähig. Zwei seiner Stellvertreter, die Prorektoren Prof. Wilhelm Vossenkuhl und Prof. Axel Schenzle, wollen deshalb einfach nicht mehr für ihre Posten kandidieren - opfern einfach ihre Karriere. Sozusagen der Reform zuliebe. Sie lassen Rektor Heldrich allein zu Haus - mit all dem alten Muff, der sich in der Uni angesammelt hat. Die beiden reformwilligen Professoren erklären der Süddeutschen Zeitung, dass sie der Rektor »nie unterstützt hat«. »Wir wollen nicht mehr.« Er, der eher für seinen »bewahrend-konservativen Führungsstil« bekannt ist, solle doch allein weiter wurschteln, hört man sie fast leise lästern.

An der gesamten Hochschule mehren sich daraufhin Rücktrittsforderungen an die Adresse von Rektor Heldrich. Der will aber nicht, schlug statt dessen frische Kandidaten für die Stellvertreterposten vor. Am 9. Februar würden die dann demokratisch gewählt. Oder abgelehnt - was allerdings eine echte Blamage für Heldrich wäre. Vielleicht der endgültige Todesstoß.

An der Universität herrscht allgemeine Unruhe, keine gute Stimmung unter der Professoren-Elite. Die Süddeutsche Zeitung wittert investigativ einen »Professoren-Putsch« gegen den Rektor. Nach vermeintlichen Meinungsumfragen der Zeitung sei die Professorenschaft »entzweit« und niemand wisse, wie es mit Heldrich nun weitergehe. Das lässt der Rektor natürlich nicht auf sich sitzen - und schießt scharf gegen das Blatt: »Diese Aussagen sind nebulös. Da die Informationsquelle im Dunkeln bleiben, habe ich Zweifel, ob sie überhaupt stimmen«.

Wie sie weitergeht, diese Geschichte um Kabale und Rektoren-Posten? Wir werden lesen. Rektor Heldrich jedenfalls vermeldet in Treue fest: »Ich bin entschlossen, meine Arbeitskraft weiterhin voll und ganz dem Wohl der Universität München zu widmen«. Reformen hin - oder her. (af)

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