MÜNSTER Akademische Stadionwelt


Architekturstudent entwirft Pläne für die neue Preußen-Arena

Architekturstudent entwirft Pläne für die neue Preußen-Arena

Sich an der Alma Mater als Fußballfan erkennen zu geben, ist ja in der Regel schon ein sehr mutiger Schritt. Morgens Wissenschaft, nachmittags Bolzplatz - undenkbar. Ralf van der Kamp geht da aber sogar noch einen Schritt weiter. Und wird so zum Exoten unter seinen Kommilitonen. »Ich bin halt Fußballfan«, verteidigt sich der 29-Jährige, der sein Architekturstudium in Kürze mit einer Studie für ein neues Fußballstadion in Münster abschließen wird. Und deshalb sei die Idee für ihn »die perfekte Verbindung von beruflichen und privaten Interessen.«

Schon seit Anfang der Neunziger Jahre plant die Stadt Münster den Neubau eines Stadions - das marode Preußen-Rund an der Hammer Straße ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Nach langjähriger Planung wurde jedoch die Idee des Preußenparks, eine Kombination aus Einkaufszentrum und Stadion, durch das Oberverwaltungsgericht abgeschmettert. Auch die Suche nach einem neuen Standort blieb erfolglos. Ein Zustand, der für den Preußen-Anhänger van der Kamp kaum zu ertragen ist: »Ich habe das Gefühl, dass jede Idee kaputt diskutiert und damit jeglicher Ansatz im Keim erstickt wird.« Es fehle in den Köpfen der Verantwortlichen einfach an der nötigen Euphorie. Dass der Architekturstudent diese auf jeden Fall besitzt, wird an seinem Modell für die Preußen-Arena deutlich - von allen Seiten hagelt es positive Reaktionen. Und so hat van der Kamp schon vor seinem eigentlichen Abschluss einen Kantersieg gelandet: Die Verantwortlichen von Preußen Münster wollen ihm seine Pläne abkaufen.

Sensationeller Plan

Doch was ist eigentlich das besondere am Entwurf, das der Vereinsvorstand gar als »sensationell« betitelt? Das bundesligataugliche Stadion mit 24.000 Sitzplätzen würde zunächst einmal am alten Standort bleiben. Durch einige bautechnische Raffinessen ließe sich die Lärmbelästigung für die Anwohner am benachbarten Berg Fidel reduzieren. Das Stadion selbst setzt sich nach van der Kamps Plänen aus zwei Komponenten zusammen: Ein in die Topographie eingelassener Unterrang und ein über dem Gelände schwebender Oberrang, der einem gelandeten Ufo gleicht. Der Platz zwischen den Rängen ermöglicht eine Korrespondenz zwischen Innen und Außen - schon vor dem Stadion kann man die Atmosphäre spüren. Rund um das Stadion plant der angehende Architekt eine verglaste Stadionpromenade. Atmosphärisch soll die neue Preußen-Arena damit den englischen Stadien gleichen. Ein reines Fußballstadion mit dichtem Kessel um das Spielfeld. Anders als bei multifunktionalen Stadien sitzt der Zuschauer damit nur ein paar Meter vom Geschehen entfernt.

Wie es mit dem Entwurf weitergehen wird, ist derzeit noch offen. Van der Kamp selbst beschäftigt sich zur Zeit mit den baurechtlichen Problemen und den verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten - nicht ganz unwichtig bei einem Investitionsvolumen von rund 30 Millionen Euro. Aber auch hier hat er schon eine Idee: Ein befreundeter BWL-Student schreibt zur Zeit seine Diplomarbeit über ein Finanzierungskonzept. Bleibt bei alledem nur die große Frage, ob man in der schicken Arena auch wirklich das sehen kann, was dazu gehören sollte: ansehnlicher Fußball. Den haben die Regionalligisten von Preußen Münster nämlich in den letzten Jahren eher selten geboten. Aber vielleicht hat van der Kamp dafür ja auch noch einen Plan in der Schublade? (mk)


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