Raus aus dem Hindukusch Niederländische Soldaten verlassen Afghanistan

Nach vierjährigem Einsatz in der südafghanischen Provinz Urusgan hat die niederländische Armee am Sonntag mit ihrem Abzug vom Hindukusch begonnen. "Die niederländischen Kräfte haben sich in Urusgan ausgezeichnet", erklärte die NATO-Truppe ISAF anlässlich der Übergabe des Kommandos.

Die Niederlande haben am Sonntag als erstes westliches Land mit dem schrittweisen Rückzug ihrer Truppen aus Afghanistan begonnen. Auf der Militärbasis Kamp Holland in Südafghanistan wurde das Kommando an die gemeinsame Truppe der USA und Australiens übergeben. Seit 2006 waren in der Provinz Urusgan rund 1950 niederländische Soldaten stationiert. Sie waren dort für die Sicherheit in der Provinz verantwortlich. Das niederländische Kontingent soll das Land bis Ende September komplett verlassen haben.

Der Truppenabzug war in den Niederlanden sehr umstritten, darüber war im Februar die Regierung von Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende zerbrochen. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hatte die Niederländer gebeten, bis August 2011 in Afghanistan zu bleiben, um einheimische Sicherheitskräfte auszubilden. Die Sozialdemokraten verließen die Koalitionsregierung, weil sie das Afghanistan-Mandat nicht über 2010 hinaus ausweiten wollen. Balkenendes Christdemokraten waren für die Verlängerung.

Der Einsatz wurde letztlich nicht ausgeweitet, weil nach der Auflösung des Parlaments das Kabinett laut Verfassung keine weitreichenden Beschlüsse mehr fassen durfte. Die Bildung einer neuen Regierung zieht sich auch sieben Wochen nach den Wahlen noch hin.

Laut niederländischen Medienberichten "gratulierten" die radikalislamischen Taliban den Niederlanden zum Rückzug. In der Region Urusgan wächst der Einfluss der Taliban.

Im Laufe des vierjährigen Einsatzes am Hindukusch wurden nach Angaben des Außenministeriums 24 niederländische Soldaten getötet und rund 140 verletzt. "Die Sicherheitslage hat sich in den vergangenen vier Jahren erheblich verbessert", schrieb das Ministerium. Es gebe jetzt 1600 einheimische Polizisten in der Provinz Urusgan, während im Jahr 2006 kaum professionelle Polizisten im Einsatz gewesen seien. Die Zahl der Schulen dort habe sich seitdem verdoppelt und die Einwohner hätten Zugang zur Gesundheitsversorgung bekommen.

Als nächste Land will Kanada bis 2011 seine 2800 Soldaten aus Afghanistan zurückziehen. Großbritannien und die USA wollen im selben Jahr einen Teil ihrer Soldaten nach Hause holen.

AFP/DPA DPA

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