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Öffnungszeiten: Weihnachts-Shopping ohne Ladenschluss

Ob ein langer Einkaufsbummel am Samstag oder Besorgungen bis nach 20 Uhr: Die Ladenöffnungszeiten haben unsere Lebensgewohnheiten verändert. Nun wollen die Handelsriesen eine Freigabe schon vor Weihnachten durchboxen.

Einkaufen rund um die Uhr - in den meisten Bundesländern soll dies spätestens Anfang 2007 möglich sein. Einige Landesparlamente wollen die fast völlige Freigabe der Ladenöffnungszeiten noch zum Weihnachtsgeschäft durchboxen. Vor genau zehn Jahren war dazu schon ein erster wichtiger Schritt gemacht, als am 1. November die Öffnung der Geschäfte wochentags von 06.00 bis 20.00 Uhr eingeführt wurde. Die Umsatzerwartungen der Branche wurden aber nur bedingt erfüllt. Dennoch setzen die meisten Händler jetzt auf eine weitere Liberalisierung - auch gegen den heftigen Protest von Gewerkschaften, Arbeitnehmervertretern und Kirchen.

Heutige Öffnungszeiten nicht mehr wegzudenken

Die längeren Öffnungszeiten bis 20.00 Uhr haben schon vor zehn Jahren den veränderten Lebensgewohnheiten der Menschen entsprochen, heißt es in der Branche unisono. "Heute kann sich keiner vorstellen, dass das Einkaufen mal nur bis 18.30 Uhr möglich war", betont Albrecht von Truchseß vom Handelsriesen Metro, zu dem auch Kaufhof, Real, Media Markt und Saturn gehören. Auch der Einkaufsbummel am Samstagnachmittag sei aus dem Alltagsleben nicht mehr wegzudenken. "Die völlige Freigabe der Ladenöffungszeiten begrüßen wir sehr, schließlich hat sich die Metro seit Jahren dafür eingesetzt", so der Unternehmenssprecher.

Auch Deutschlands zweitgrößter Handelskonzern Rewe zieht mit seinen mittlerweile rund 8900 Märkten eine positive Bilanz und setzt auf die weitere Freigabe des Ladenschlusses. "Wir wollen die Geschäfte dann aufmachen, wann es die Kunden wünschen", heißt es aus der Konzernzentrale. Gute Erfahrungen seien bereits mit den verlängerten Öffnungszeiten während der Fußball-Weltmeisterschaft gemacht worden.

Große Erwartungen ans Weihnachtsgeschäft

Die Läden bis 20.00 Uhr zu öffnen, war vor zehn Jahren zwingend notwendig, heißt es bei KarstadtQuelle. Die reisefreudigen Deutschen hatten bereits im Ausland das Einkaufen zu ganz anderen Öffnungszeiten schätzen gelernt. Jetzt setzt der Essener Warenhauskonzern auf eine weitere Liberalisierung bereits zum Weihnachtsgeschäft. "Wir hoffen auf Grund der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung im kommenden Jahr auf einen zusätzlichen Umsatzimpuls", sagt Konzernsprecher Jörg Howe.

Das im November 1956 verabschiedete "Gesetz über den Ladenschluss" sah noch eine Öffnung der Geschäfte wochentags von 07.00 bis 18.30 und samstags bis 14.00 Uhr vor. Von Juli 1957 an konnte man zusätzlich am ersten Samstag im Monat bis 18.00 Uhr einkaufen, erweitert wurde diese Regelung mit der Ladenöffnung an den vier Adventssamstagen von 1960 an. Erst im Oktober 1989 kam der "Lange Donnerstag" hinzu, an dem die Geschäfte bis 20.30 Uhr öffnen durften. Dieser entfiel dann mit der neuen Regelung vom 1. November 1996, als die Ladenöffnung erneut gelockert und der Einkauf unter der Woche von 06.00 bis 20.00 Uhr und samstags bis 16.00 möglich wurde. Von 2003 an konnten die Geschäfte am Samstag dann sogar bis 20.00 Uhr offen haben.

Gewerkschaften fürchten Nachteile

Das schleichende Ende der bundesweit einheitlichen Öffnungszeiten leitete im Sommer 2004 das Bundesverfassungsgericht ein, als die Karlsruher Richter die Entscheidung über eine Grundsatzreform in die Hände der Länder legten. Sie ebneten damit auch den Weg zu einer weiteren Liberalisierung. Endgültig auf die Länder übertragen wurde die Gesetzgebungskompetenz dann mit der Verabschiedung der Föderalismusreform im Juni dieses Jahres.

Die Gewerkschaften befürchten durch die Freigabe der Ladenöffnungszeiten nicht nur Folgen für die rund 2,7 Millionen Einzelhandelsbeschäftigten, sondern auch eine Veränderung des gesellschaftlichen Lebens. Außerdem würde eine Liberalisierung im ohnehin scharfen Verdrängungswettbewerb zu Lasten der mittelständischen Firmen gehen. Kirchen und Arbeitnehmervertreter sind zudem strikt gegen das Shoppen an den Sonntagen. Dies war in Deutschland zuletzt Anfang des vergangenen Jahrhunderts möglich, bis 1919 dann die Sonntagsruhe eingeführt wurde.

Maren Martell/DPA / DPA

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