Praxistag Hauptschüler proben die Arbeitswelt


Niedersachsen will als erstes Bundesland alle Hauptschüler der Klassen acht und neun jede Woche einen Tag lang in die Arbeitswelt schicken.

Niedersachsen will als erstes Bundesland alle Hauptschüler der Klassen acht und neun jede Woche einen Tag lang in die Arbeitswelt schicken. Ab Sommer 2004 werde es von der achten Klasse an für Hauptschüler einmal pro Woche einen Betriebstag geben, der in Ausbildungsbetrieben oder Lernwerkstätten stattfinden solle, sagte Kultusminister Bernd Busemann in Hannover. Für den Betriebstag werde die Wochenstundenzahl von 30 auf 24 Stunden gekürzt. "Ein Tag Praxis in einem Betrieb kann wertvoller sein, als ein Tag Unterricht", betonte der CDU-Politiker.

Der Betriebstag soll nach den Worten von Busemann "zu einer engen verpflichtenden Zusammenarbeit zwischen Schulen und Wirtschaft" führen. Einen wöchentlichen Praxistag gebe es in Ansätzen bereits in Baden-Württemberg. Über einen neuen Hauptschulerlass, dessen Entwurf in der kommenden Woche vorgestellt werde, wolle Niedersachsen als erstes Bundesland den Betriebstag flächendeckend einführen. Nur wo der Praxistag nicht in Betrieben organisiert werden könne, wolle man in Werkstätten der Berufsschulen ausweichen. Mit Blick auf die ehemalige DDR, in der die Schüler ab der achten Klasse ebenfalls einen Wochentag in der Produktion verbringen mussten, sagte der CDU-Politiker: "Es gibt in der Bildungspolitik nicht rechts und links, sondern nur richtig oder falsch."

Geeigneten Nachwuchs finden

Nach Angaben des Kultusministers erfüllt Niedersachsen mit dem Betriebstag eine Forderung der Handwerker und Unternehmer des Landes. In einer ersten Vereinbarung auf kommunaler Ebene habe sich die Handwerkerschaft des Kreises Emsland bereits verpflichtet, in ausreichender Zahl Praktikumsplätze für den Betriebstag zur Verfügung zu stellen. Die Betreuung der Praktikanten sei für Betriebe zwar eine gewisse Belastung, biete aber auch die Chance, geeigneten Nachwuchs zu gewinnen.

Der neue Hauptschulerlass, der in der kommenden Woche in die Anhörung gehe, nehme den Unterricht in Deutsch und Mathematik von den Kürzungen aus, die für den Betriebstag notwendig würden, erklärte Busemann. In den beiden Fächern werde die Wochenstundenzahl wie geplant von vier auf fünf erhöht. Busemann kündigte außerdem an, dass bis zum Jahr 2008 an allen rund 500 Hauptschulstandorten des Landes Sozialarbeiter eingestellt würden.


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