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privatunis: European College of Liberal Arts (ECLA)

Humanistische Bildungstradition statt Reformblendwerk

Unruhestifter wollen sie sein im deutschen Hochschuldschungel. Während die staatlichen deutschen Hochschulen qualitativ längst nicht mehr mit den besten Adressen der USA und England mithalten können und private deutsche Universitäten hauptsächlich Spezialgebiete anbieten, deren Inhalte sich aus den Bereichen Wirtschaft und Informatik speisen, schlägt das ECLA einen ganz eigenen Weg ein. Zurück zu den Ursprüngen heißt es da: Platon, Seneca, Humboldt und Goethe sind nur ein paar der großen Denkernamen, die bei der Schaffung der ECLA-Philosophie Pate standen. Das Motto: Humanistische Bildungstradition statt Reformblendwerk. Generalisten statt Experten. Überblick ersetzt die Scheuklappen. Die ECLA-Studenten sollen dazu ausgebildet werden, sich schnell und effizient in immer wieder neue Wissensgebiete einarbeiten zu können. In einer Zeit sich ständig wandelnder Berufsbilder eine Ausbildung von hoher Bedeutung. Dabei werden die Absolventen gezielt auf europäische Karrieren vorbereitet.

Geleitet und gelenkt werden die Geschicke der Universität von jungen deutschen Nachwuchswissenschaftlern, ausgebildet an namhaften amerikanischen und englischen Colleges wie Stanford oder Harvard, zusammen mit jungen promovierten Führungskräften aus der deutschen Wirtschafts- und Unternehmensberatung. Aufgenommen werden all diejenigen, die sich bis dato unterfordert fühlten. Leistungswille ist gefragt, Ellenbogen verpönt. Auf Teamfähigkeit, Kreativität und Führungskompetenz kommt es an. Jeder soll seine Fähigkeiten möglichst individuell entwickeln können.

Der reguläre Universitätsbetrieb beginnt im Herbst 2002. Das Studienangebot reicht dann von Life Sciences (Molekularbiologie, Biochemie, Bioethik), Foundations and Applications of Mathematics (Mathematik, Logik, Anwendungen in Finanzwirtschaft und Informatik) über Symbolic Systems (Informatik, Medienwissenschaft, Kybernetik), Modern Thought and Literature (komparatistische Literaturwissenschaft und Ideengeschichte der Moderne) bis hin zu Politics, Philosophy and Economics (Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre, praktische Philosophie). Bis es soweit ist, bietet das ECLA regelmäßig eine Sommeruniversität in Berlin an. Über den endgültigen Standort des ECLA wird im Laufe des Jahres entschieden.

Karower Str. 11 Haus 214 D-13125 Berlin Telefon: 030-9401 2968 Fax: 030-9401 2928 E-Mail:info@ecla.deURL:http:/www.ecla.de/

»Liberal arts« nach Deutschland re-importieren

Stephan Gutzeit, 31, geboren in Hamburg, studierte Chemie und Philosophie in Palo Alto (Stanford) und Cambridge (Harvard), sammelte dort auch Lehrerfahrung als Tutor und Assistent. Abschlüsse: BA with honors, MA. Er war Stipendiat der Universitäten Stanford und Harvard, National Science Foundation Research Scholar und sammelte Erfahrung als Unternehmensberater bei McKinsey & Co., Inc., Berlin. Derzeit ist Stephan Gutzeit Provost (Kanzler) der ECLA.

Eine Eliteuniversität in Deutschland zu gründen, die sich nicht nur auf »Wirtschaftsfächer« beziehungsweise Spezialfächer beschränkt, ist mutig. Wie reagieren Politik und Wirtschaft in Deutschland auf eine solche Gründungsinitiative beziehungsweise -offensive?

Mit großer Sympathie - gerade auch deshalb, weil das ECLA nicht von Säulen des Establishments, sondern von ambitionierten jungen Menschen aus Wissenschaft und Wirtschaft gegründet wurde. So haben inzwischen sechs Stiftungen entschieden uns zu fördern: Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft, die Nixdorf Stiftung, die Stiftung Mercator, die Thyssen Stiftung, die Haniel Stiftung und die Bosch Stiftung.

Das ECLA hat als Symbol die Fackel. Sie soll den »Vorgang der ?kreativen Zerstörung'« symbolisieren. »Verbrauchte Ideen, überlebte Institutionen und verhärtete Einstellungen« sollen abgebaut werden, um »aus der Asche Neues entstehen« zu lassen. Sieht sich das ECLA als Unruhestifter in der etablierten deutschen Universitätswelt?

Sicher. Es stecken noch immer zu viel Beharrungsvermögen und Selbstzufriedenheit im System. Wohl gibt es seit Jahren private Hochschulen in Deutschland, aber die bieten in der Regel nur Wirtschaft und Informatik an und werden deshalb von den staatlichen Universitäten wenig beachtet. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, das klassische universitäre Fächerspektrum zu reformieren, und zwar grundlegend, ohne Reformkosmetik - das macht Leute hellhörig.

Was war die Motivation, ein Projekt wie ECLA ins Leben zu rufen?

Viele der ECLA-Gründer haben in den USA oder in England studiert. Wir wollten nicht einsehen, warum ein Studium in der Qualität, wie wir es von Stanford, Harvard, oder Oxford kannten, nicht auch in Deutschland angeboten werden sollte. Darum haben wir die Ärmel hochgekrempelt und uns ans Werk gemacht.

Was ist die Philosophie hinter ECLA und wie wichtig ist dabei der europäische Gedanke?

Die Philosophie des ECLA entstammt, anders als manche glauben, nicht der neuesten Mode aus Amerika, sondern der ältesten Bildungsauffassung überhaupt: Der humanistischen Bildungstradition. Die geht davon aus, dass Bildung, auch Hochschulbildung, nicht auf Expertentum und eng begrenzte Berufsfelder ausgerichtet sein sollte, sondern auf ein breites Studium zum wissenschaftlich gebildeten Generalisten. Dieser Generalist hat wohl ein Spezialgebiet, aber auch viel mehr als das: Er hat einen Überblick über dessen wissenschaftlichen Kontext; er kann sich schnell und effizient in immer wieder neue Wissensgebiete einarbeiten; er kann nicht nur Ideen entwickeln, sondern sie auch umsetzen und andere dazu motivieren, ihn dabei zu unterstützen. Diese Auffassung der »artes liberales« findet man bei Platon, bei Seneca und bei Cicero; auch bei den Brüdern Humboldt, bei Goethe und Fichte. Heute trifft man sie an jedem guten amerikanischen College. Wir sind dabei, sie unter dem Namen »liberal arts« nach Deutschland zu re-importieren.

Unsere Studenten kommen mehrheitlich nicht aus Deutschland, sondern aus Europa (Ost und West) und Übersee, weil wir aus eigener Erfahrung wissen, wie sehr ein multikulturelles Umfeld soziales Lernen beflügeln kann. Außerdem wollen wir die europäische Öffentlichkeit, die es trotz des Euro in den Mitgliedsstaaten immer noch nicht gibt, auf unserem Campus als Mikrokosmos herstellen. Die europäische Einigung ist ein Schwerpunkt in Lehre und Forschung; ECLA-Studenten werden gezielt auf europäische Karrieren vorbereitet.

Das ECLA versucht einen goldenen Mittelweg zwischen dem theoretisch gut ausgebildeten Akademiker und dem versierten »Manager der Praxis«. Besteht dabei nicht die Gefahr das beides zu kurz kommt?

Dann nicht, wenn effizient studiert wird. Darunter verstehen wir ein Trimestersystem, zeitnahe Prüfungen in jedem Kurs, und vor allem intensive Lehre in Tutorials, in denen Studenten wöchentlich in Vieraugengesprächen mit Professoren zeigen müssen, was sie können. Herumgammeln oder in der studentischen Masse verschwinden kann man bei uns nicht. Unsere Praxis-Module liegen oft in den Sommermonaten, so dass auch diese zum Sammeln von »credits« genutzt werden.

Das ECLA ist eine Privatuniversität. Abgängern von Einrichtungen, die sich Privatuniversitäten nennen wird oft »Snobismus« vorgeworfen. Den Abgängern fehle es an den sogenannten »Soft Skills« - wie Teamfähigkeit und Integrationsfähigkeit.

Um das zu verhindern, ist an einem College Vielfalt wichtig: Vielfalt nach Fachgebieten, nach Interessen der Studenten, deren Temperamenten, aber auch nach ihrer sozio-ökonomischen Herkunft. Im Sommer haben am ECLA bulgarische Studenten aus Familien mit einem Jahreseinkommen von 2000 Euro gemeinsam mit amerikanischen Studenten aus dem Silicon Valley studiert. Dabei sind Freundschaften entstanden, die ein Leben lang halten werden - auch weil bei uns Studenten und Dozenten gemeinsam auf einem Campus wohnen.

Studenten bei ECLA sollen einen sogenannten Social service durchlaufen. Also den Dienst am Mitmenschen. Wie sieht dieser »Sozialunterricht« konkret aus?

Das ist kein Unterricht, sondern dort organisieren Studenten selbstständig karitative Projekte. Für Behinderte, Obdachlose, misshandelte Ausländer und andere in unserer Gesellschaft Benachteiligte. Beispielsweise habe ich in meiner Studienzeit in den USA einmal Sozialhilfeempfängern dabei geholfen, ihre Wohnung zu renovieren. Wir haben zunächst Geld für das Material gesammelt, dann Kommilitonen als Helfer angeworben, den Ablauf organisiert und schließlich selbst die Pinsel in die Hand genommen.

Der erste »Probedurchlauf« - die Sommeruniversität - ist bereits abgeschlossen. Wie waren die Erfahrungen mit dem ersten Jahrgang?

Wir haben gerade die detaillierten Evaluationsbögen unserer Studenten ausgewertet. Die Frage: »Würden Sie wieder am ECLA studieren?« erzielte das fast stalinistische Ergebnis von 98 Prozent Ja-Stimmen. Unser größtes Problem am Ende war, dass die Studenten nicht mehr an ihre Heimatuniversitäten zurück wollten. Wir haben ihnen daraufhin Wege gezeigt, wie man - im Rahmen der unvermeidlichen Einschränkungen - auch an einer Massenuniversität auf hohem Niveau und mit Spaß lernen kann. Inzwischen besteht ein florierender Ehemaligenverband, der bereits eigene »liberal arts«-Projekte konzipiert, zum Beispiel ein internationales Sommerseminar in Pristina.

Es wird wieder eine Sommeruniversität geben. Welche Voraussetzungen sollte ein Student erfüllen, um daran teilnehmen zu können (außer dem Abitur)?

Bewerber sollte die Aussicht, intensiv zu studieren während ihre Kommilitonen in der Sonne liegen oder Geld für den nächsten Urlaub verdienen, nicht abschrecken sondern magisch anziehen. Gute Noten und sehr gutes Englisch sehen wir auch gern. Informationen zu unserem Programm im Jahr 2001 werden auf unserer Homepage www.ecla.de abrufbar sein.

Das ECLA ist der Generalist unter den Privatuniversitäten. Welche vier Bücher sollte man in seinem Studentenleben unbedingt gelesen haben?

Auf diese Frage werden sie von drei Menschen vier Antworten erhalten. Hier also mein ganz persönliches literarisches Quartett:

Platon: Das Gastmahl

Shakespeare: Der Sturm

Wilhelm von Humboldt: Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen

Leo Tolstoi: Krieg und Frieden

Claus von Wagner

Ziel der Ausbildung

Wissenschaftliche gebildete Generalisten mit exemplarischem Schwerpunkt. Angestrebtes Profil der Absolventen: 40% als Führungsnachwuchs in die Wirtschaft, 40% als Forschungsnachwuchs an die Universitäten, 20% in andere Bereiche (Politik, NGOs, Journalismus etc.)

Fachrichtung, Abschlüsse

Als Studien- und Forschungsschwerpunkte (concentrations) bietet das ECLA ab Herbst 2002 zunächst fünf Fächerkombinationen an:

- Life Sciences (Molekularbiologie, Biochemie, Bioethik)

- Foundations and Applications of Mathematics (Mathematik, Logik, Anwendungen in Finanzwirtschaft und Informatik)

- Symbolic Systems (Informatik, Medienwissenschaft, Kybernetik)

- Modern Thought and Literature (komparatistische Literaturwissenschaft und Ideengeschichte der Moderne)

- Politics, Philosophy and Economics (Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre, praktische Philosophie)

in der zweiten Ausbaustufe (ab Herbst 2007) kommen sechs neue Schwerpunkte dazu:

- Environmental Sciences (Umweltnaturwissenschaften)

- Engineering-Economic-Systems (technische Systemtheorie und -analyse, angewandte Mathematik, analytische Ökonomie)

- Physics and Philosophy (theoretische und experimentelle Physik; Wissenschaftstheorie und -geschichte; Erkenntnistheorie)

- Cultural Studies (Anthropologie, Geschichte, Soziologie)

- Art, Architecture and Aesthetics (Kunst- und Architekturgeschichte, Ästhetik)

- Classical Culture and Thought (klassische Philologie, Geschichte und Philosophie)

Studiengänge können aber auch komplett selbst kombiniert werden (self-designed concentrations).

Studiendauer

Bachelor of Arts oder Bachelor of Science nach drei Jahren.

Master of Arts oder Master of Science nach vier Jahren.

Auslandssemester

Zwei Drittel der Studenten und Dozenten stammen aus dem Ausland. Außerdem arbeitet das ECLA eng mit ausländischen Partneruniversitäten zusammen.

Praktika

- Praktika in Wirtschaft, Politik oder Wissenschaft

- Ein Mini-MBA, organisiert in Zusammenarbeit mit führenden europäischen Wirtschaftshochschulen

- Ein Unternehmensberatungspraktikum, organisiert in Zusammenarbeit mit international operierenden Beratungsfirmen

- Grundkurse in Informationstechnologie, Rhetorik und Dialektik und kreativem Schreiben

- Social service, also Dienst an bedürftigen Mitmenschen, in Obdachlosenunterkünften, Krankenhäusern, Frauenhäusern, Asylbewerberheimen

Besonderheiten des Studiums

International, mit Fokus auf Europa (Ost und West). Interdisziplinär: Alle Studiengänge bestehen aus interdisziplinären Fächerkombinationen. Hauptsächlich englischsprachig, organisiert nach dem Vorbild angelsächsischer Colleges. Lehre in Form von Tutorials, also in individuellen Lehrgesprächen eines Studenten mit einem Dozenten. Die Studenten leben und arbeiten gemeinsam auf dem Campus.

Größe der Universität

70 Studenten und 25 Professoren

Studiengebühren

9.900 Euro pro Jahr; Stipendien bei Bedürftigkeit.

Aufnahmebedingungen, Voraussetzungen (für Haupt-Unibetrieb)

Die Zielgruppe des ECLA sind besonders begabte und motivierte Studienanfänger. Die meisten der Bewerber können sehr gute Schulnoten vorweisen, aber es werden auch Abiturienten berücksichtigt, die auf andere Weise herausragen, zum Beispiel durch außergewöhnliche musische oder soziale Fähigkeiten.

Ein komplettes Bewerbungs-Dossier umfasst: Bewerbungsformblatt, TOEFL-Test, SAT-Test, Schul- und ggf. Universitätszeugnisse, Empfehlungsschreiben von Schullehrern, Bewerbungsaufsätze. Außerdem werden persönliche Interviews durchgeführt.

Standort

Derzeit Sommeruniversität in Berlin. Endgültiger Standort wird Anfang 2001 bekanntgegeben.

Wer dahinter steckt

Unter anderem sechs deutsche Stiftungen: Stifterverband für die deutsche Wissenschaft, Nixdorf Stiftung, Stiftung Mercator, Thyssen Stiftung, Haniel Stiftung, Bosch Stiftung.

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