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Schule: Schuluniformen gegen Markenfetischismus

Der Vorstoß für Schuluniformen in Deutschland findet immer mehr Fürsprecher. Nach dem Bremer Bildungssenator Willi Lemke sprachen sich auch die bildungspolitischen Sprecherinnen von Grünen und CDU dafür aus.

Der Vorstoß für Schuluniformen in Deutschland findet immer mehr Fürsprecher. Nach dem Bremer Bildungssenator Willi Lemke sprachen sich am Wochenende auch die bildungspolitischen Sprecherinnen von Grünen und CDU, Grietje Bettin und Katherina Reiche, für eine einheitliche Schulkleidung aus, um den Markenzwang zu bekämpfen. Die bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier und der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus glauben dagegen nicht an einen entsprechenden Erfolg von Schuluniformen.

"Die Schule wird zunehmend zum Laufsteg. Markenterror und soziale Ausgrenzung sind oft die Folge", argumentierte Bettin in der "Welt am Sonntag". Deshalb müsse geprüft werden, ob das Markendiktat durch eine einheitliche Bekleidung ersetzt werden könne. Reiche glaubt ebenfalls, dass "Schuluniformen die Aufmerksamkeit wieder auf den Unterricht lenken würden". Sie würden ein Gefühl der Zusammengehörigkeit vermitteln und Eltern wie Kindern soziale Entlastung bringen.

Bettin verwies auf eine online-Umfrage des deutschen Kinderhilfswerks, an der bisher knapp 4.100 Betroffene teilnahmen. Das Umfrageergebnis sei zwar nicht repräsentativ, habe sich aber in den letzten Wochen stabilisiert. Demnach sind 44 der Schüler gegen Schuluniformen, 33 Prozent dafür und weitere 15 Prozent würden sie ebenfalls tragen, wenn sie modisch genug sind.

"Immer mehr Kinder und Jugendliche sind offenbar bereit Schuluniformen zu tragen", sagte Bettin. Daher könnten an ausgewählten Modellschulen schicke Schuluniformen unter realen Bedingungen ausprobiert werden, um Vor- und Nachteile im Alltag zu analysieren. Theoretisch könnten später alle 12,5 Millionen Schüler in Deutschland mitmachen.

Hohlmeier glaubt dagegen nicht an den Erfolg derartiger Vorschläge. "Ich denke nicht, dass Schuluniformen den Wettbewerb um Markenkleidung stoppen können. Das Marken-Unwesen wird sich eben dann auf den Nachmittag oder auf andere Äußerlichkeiten übertragen", sagte die CSU-Politikerin. Beispiele aus England oder Frankreich zeigten, dass Schuluniformen Mobbing im Klassenzimmer nicht verhinderten.

Kraus verwies darauf, dass Schuluniformen in Großbritannien eine andere Tradition hätten. Dort gebe es sie an Privatschule mit einer eigenen Corporate Identity. In Deutschland wolle er Schüler nicht uniformieren, außerdem sehe er ganz praktische Probleme: Es gebe keine Möglichkeit, Schüler zum Tragen der Uniform zu zwingen, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.

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