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TEIL 10: Von Reisen und Reden

Was ist einer der wenigen Vorteile von Besuchern, die morgens um 5:45 Uhr am Busbahnhof ankommen und von einer völlig übernächtigten, mauligen Marlies abgeholt werden?

Was ist einer der wenigen Vorteile von Besuchern, die morgens um 5:45 Uhr am Busbahnhof ankommen und von einer völlig übernächtigten, mauligen Marlies abgeholt werden?

Was ist einer der wenigen Vorteile von Besuchern, die morgens um 5:45 Uhr am Busbahnhof ankommen und von einer völlig übernächtigten, mauligen Marlies (»Och, macht doch nichts, bin doch Frühaufsteherin«) abgeholt werden? Man bekommt die einmalige Chance, sich einmal die Touri-Highlights in der Morgendämmerung anzuschauen. Die Karlsbrücke fußgängerfrei und ohne Slalomrennen macht alle Leiden wieder wett. Die bunten Fenster des Veitsdoms im Morgensonnenlicht. Hach: Wunderschön.

Zweimal hab ich diese morgendlichen Wanderungen schon gemacht - jetzt ist erst einmal Schluss. Erste Tat nach Besuchsmarathon: Zimmer aufräumen.

Meine hausfraulichen Pflichten hab ich in letzter Zeit ein wenig schludern lassen. Und das kam so: Zum einen war ich eigentlich nie zu Hause, da ich meine Präsentation im Public-Choice-Kurs vorbereiten musste. Meine Präsentation - auf Englisch wohlgemerkt - war OK, behaupte ich mal. Ich hielt meinen Vortrag vor einem deutschen und sechs tschechischen Studenten, die genauso gelangweilt waren von dem Thema wie ich - Tschechisches Steuersystem und der Vorschlag der ODS Partei, eine Flatrate von 15 Prozent einzuführen.

Vorgestern lief übrigens Günther »Lippe« Verheugen an unserer Fakultät auf. In annehmbarem Englisch (ich kann das »th« auch nicht wirklich lässig aussprechen) las er vor rund 300 Studenten und dem tschechischen Außenminister eine Rede ab. Viel »EU-Veranwortungs-Blabla«. Uum Glück übersprang er einige Absätze, was allerdings die Übersetzerin ein wenig aus dem Konzept brachte.

Zum anderen war ich viel unterwegs. Mit meiner Kommilitonin Anja hab ich mich spontan in den Zug gesetzt. Wir sind rund anderthalb Stunden nach Pardubice gefahren - dem Baedeker zufolge bekannt für Lebkuchen und Pferderennen. Weder das eine noch das andere haben wir mitbekommen. Laut Lonely Planet (irgendwie skurril, dass es eine Tschechien-Ausgabe dieses Survival-Guides gibt) soll es mindestens einen Tagesausflug wert sein. Wir entschieden nach drei Stunden, dass wir eigentlich alles gesehen hatten.

In den nächsten Wochen zieht es mich aber erst mal weiter gen Osten. Anja und ich wollen den 1. Mai in Budapest verbringen. Und wenn es denn klappt, kann ich vielleicht bei einer Studienfahrt nach Ungarn und in die Ukraine mitfahren, organisiert vom einem Uni-Professor. Also muss ich mich jetzt auch um ein Visum bemühen. Als privilegierte EU-Bürgerin wird es allerdings nicht ganz so schwer sein. Hoffentlich.

Soweit die Reisepläne. Noch was zum Status Quo meiner Sprachfähigkeiten? Eher stagnierend. Hier vielleicht noch einmal ein beeindruckendes Detail aus meinem Sprachkurs: Zählen in Tschechien. Ab Anzahl 5 folgt nämlich der Genitiv. Trotzdem bleibt das Verb im Singular. Wörtlich übersetzt lautet dann ein Satz wie »Da sind 6 Studenten (To je sest studentu) : Da ist des sechsten Studenten.

Was für eine Sprache!

Alles Liebe und Ahoj v Praze

Marlies

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