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Reisen mit dem Fernbus: Mörderischer Preiskampf unter den Fernbus-Linien

Bustickets sind billig wie noch nie. Mit Kampfpreisen buhlen die Linien um Kunden. Nicht jeder Anbieter wird die Schlacht überleben, doch Reisende können noch lange mit Billigtickets rechnen.

Von Gernot Kramper

Am Hamburger Busbahnhof ZOB sieht man jeden Tag wie der Fernbusmarkt boomt, seitdem die Regierung zum Januar 2013 das Personenbeförderungsgesetz lockerte und die bisherigen Restriktionen zugunsten der Deutschen Bahn kippte. Selbst diese großzügige Anlage platzt seitdem aus allen Nähten, alle Parkbuchten sind belegt, teilweise fahren die Busse im 15-Minuten-Takt.

Busfahren ist vielleicht nicht gerade "in", aber es hat sich als günstige Reisevariante vor allem bei privaten Reisenden durchgesetzt. Eine Analyse des IGES Instituts in Kooperation mit dem Fernbus-Vergleichsportal Fahrtenfuchs zeigt, welche Kunden die günstige aber relativ langsame Busfahrt lockt und wen nicht: Dienstreisende machen nur sechs Prozent der Kunden aus, Pendler nur zwei, Reisende auf dem Weg zum Studien- oder Ausbildungsort immerhin sechs Prozent. Der Bus dient überwiegend privaten Fahrten (Besuche bei Freunden und Verwandten 63 Prozent, Tourismus 20 Prozent und Konzerte und Shopping drei). Fast drei Millionen Fahrgäste wurden im letzten Jahr gezählt.

Der Fernbus wird beiben

Der Schlüssel zum Erfolg sind die günstigen Preise, mit denen etwa ein Dutzend Anbieter miteinander konkurrieren. Damit locken sie die Kunden von Pkw und Bahn weg. Vor allem für die Bahn ist das ein Problem, denn 44 Prozent der Buskunden waren vorher im Zug unterwegs. Es fragt sich allerdings, wie lange die Goldgräberstimmung anhält. Das IGES Institut hat bei den regulären Preisen der Fernbusse einen Durchschnittspreis von neun Cent pro Kilometer errechnet, verbilligte Karten und Sonderangebote unterbieten sogar die Schwelle von fünf Cent. Gewinn kann man so nicht machen.

Im Kampf um Marktanteile wird derzeit viel Geld verbrannt, weil ein Zukunftsmarkt lockt. Derzeit liegt der Umsatz bei etwa 150 Millionen Euro im Jahr, Prognosen rechnen in der Zukunft mit einem Volumen von mindestens einer halben Milliarde Euro - je nach Entwicklung könnte der Bus-Markt aber noch weit mehr wachsen.

Fragt sich nur, welche Anbieter überleben werden? Dass nicht alle die Durststrecke durchstehen, gilt als ausgemacht. Die Kooperation zwischen Post und ADAC könnte bereits in diesem Jahr vor dem Aus stehen, eine Entscheidung, die aber auch mit einem Richtungswechsel in der Geschäftspolitik des ADAC zu tun hätte. Kritik wegen hoher Verluste im Busgeschäft könnte der krisengeplagte Verein im Moment wenig gebrauchen.

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Wie offen der Markt für Newcomer ist, zeigt der Erfolg von Meinfernbus. 2011 als Startup gegründet gehört Meinfernbus zu den bekannten Marken und ist mit 38 Prozent klarer Marktführer. Derzeit wächst das Fernbusnetz unaufhörlich, jede Woche kommen neue Linien hinzu. Und selbst wenn Anbieter aufgeben werden, wird das Netz nicht wieder schrumpfen. Die Busse werden dann unter einer anderen Fahne fahren. Denn letztlich bestehen die Linien nur aus einem Hauptquartier, die Busse werden allesamt von Subunternehmen gestellt.

Die Ära der Niedrigstpreise dürfte noch ein paar Jahre anhalten, bis der Markt sich bereinigt hat. Solange können Busreisende mit Preisschnappern rechnen, die sie für zehn Euro quer durch Deutschland bringen. Irgendwann wird die Billigphase enden, ein Blick ins europäische Ausland zeigt, dass dort das Preisniveau generell höher ist.

Verschwinden werden die Fernbusse nicht. Dass sich der Fernbusmarkt etabliert hat, weiß auch die Deutsche Bahn. Das Unternehmen hat den jahrzehntelangen Abwehrkampf gegen die Buslinien aufgegeben. Die neue Strategie lautet, selbst ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Anstatt sich in eine ruinöse Preisschlacht zu stürzen, hat die Bahn eine bessere Geschäftsidee: Sie will in der Nähe von Zug-Bahnhöfen in Bus-Bahnhöfe investieren. Die Grundstücke besitzt die Bahn bereits. Sie will in Zukunft an Ladenmieten und den Anlegegebühren für die Busse verdienen - ganz ohne Risiko.

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