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Kanada Während der Pandemie werden sogar die Gänse schneller fett

Schneegans im Landeanflug
Schneegans im Landeanflug
© ps50ace / Getty Images
Mehr Ackerland führte in Kanada zu einer Überpopulation von Schneegänsen, die ökologische Schäden hinterließ. Forscher untersuchten, was dagegen wirken könnte. Die Pandemie half ihnen dabei.

Als die Welt angehalten wurde und wir uns wegen der Corona-Pandemie zu Hause eingeschlossen haben, nutzten Kanadas Schneegänse die Gelegenheit, sich mit Getreide vollzufressen. Was zunächst nicht allzu besorgniserregend klingt, zeigt sich allerdings langfristig als Problem für das fragile Ökosystem der Arktis, wo die Schneegänse brüten. "Es war eine Menge Fett an den Vögel", zitiert "ABC News" den Biologen und Promotionsstudenten der Laval University in Quebec Frédéric LeTourneux. Dessen Forschungsarbeit widmet sich der Frage, wie sich die Veränderungen der Jagdregulationen auf die Population der Schneegänse auswirkt. Auf beide Unterarten, um genau zu sein: die Große Schneegans (Anser caerulescens atlanticus), die ihre Sommer weiter im Norden auf den arktischen kanadischen Inseln wie Ellesmere und Baffin verbringt, und die Kleine Schneegans (Anser caerulescens caerulescens), die zu der Zeit etwas weiter südlich in Kanada und anderen arktischen Ländern zu finden ist.

Die Zahl der Kleinen Schneegänse explodierte in den vergangenen Jahrzehnten förmlich, als Wälder in Ackerland umgewandelt worden waren. Die durch den stets mit Korn und Mais gedeckten Tisch groß gewordene Menge an Gänsen führte zu einer ökologischen Verschlechterung der Sommer-Brutgebiete in der Arktis. Kanadische Wildhüter befürchteten ein ähnliches Ergebnis für die Große Schneegans und gaben die Jagd auf die Wasservögel frei, um deren Zahl zu regulieren. Der Biologe LeTourneux erklärte, das habe auch gut funktioniert – bis die Jäger wegen der Pandemie im Frühjahr 2020 zu Hause blieben.

Pandemie-Ergebnisse bestätigen die Freigabe zur Gänse-Jagd 

Der Forscher publizierte mit ein paar Kollegen eine Studie in dem Fachmagazin "Biological Conservation", die ergeben hatte, dass im Mai 2020 die Zahl der Jäger sowie die Anzahl der zur Jagd freigegebenen Tage sanken und somit die erwartbare Menge erlegter Vögel. Die Forscher führen das auf die starken Reisebeschränkungen in der Zeit zurück. Die Forscher bewerteten die körperliche Verfassung der Tiere, indem sie sie mit Ferngläsern auf der kleinen Insel Île aux Oies beobachteten, der "Gänseinsel", auf der zehntausende Vögel im Frühling auf ihrem Weg nach Norden halt machen.

Dabei kam heraus, dass die Gänse, die sie 2020 sahen, in puncto Körperfett vergleichbar mit den Tieren aus 2019 waren, was schon ein gutes Jahr für die Gänse gewesen war. Allerdings zeigte sich auch, dass die Tiere während ihrer Flugpause deutlich schneller zunahmen als im Jahr zuvor. Die Forscher führen das darauf zurück, dass die Reiseunterbrechungen für die Tiere in der Pandemie durch die geringere Jagd deutlich stressfreier war: Je weniger die Tiere aufgrund von Schüssen aufflogen, desto mehr Zeit hatten sie zum Fressen. "Sie konnten wahrscheinlich viel Zeit ungestört auf den Feldern verbringen", so LeTourneux. Die Kondition der Tiere liefere eine weitere Bestätigung dafür, das die Jagd in nicht pandemischen Zeiten der richtige Weg sei, die Anzahl der Gänse zu regulieren.

Quelle:"ABC News"

bal

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