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Universität: Studiengebühren lassen Studenten abspringen

Die zu Beginn des Sommersemesters fälligen Gebühren für Langzeitstudenten in Nordrhein-Westfalen überfluten die Unis mit Widerspruchsanträgen. Schon jetzt brechen mehr ihr Studium ab als je zuvor.

Die zu Beginn des Sommersemesters fälligen Studiengebühren für Langzeitstudenten in Nordrhein-Westfalen überfluten die Universitäten mit tausenden Widerspruchsanträgen. Und schon jetzt zeichnet sich ab, dass mehr Studierende ihr Studium abbrechen werden als je zuvor.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland werden vom Sommer an Studenten, die die Regelstudienzeit um mehr als vier Semester überschreiten, mit 650 Euro pro Semester zur Kasse gebeten. Gleiches gilt für Zweitstudierende, so weit sie ein erstes berufsqualifizierendes Studium bereits erfolgreich abgeschlossen haben, sowie für Studenten über 60 Jahre, so weit sie einen Studienabschluss anstreben.

Köln hat bereits 11.000 Studenten angemahnt

An der Universität Köln laufen die Vorbereitungen für das neue Semester auf Hochtouren: 20.000 Gebührenbescheide sind in den vergangenen Wochen verschickt worden, erklärte Jens Kuck, Dezernent für Studienangelegenheiten, auf AP-Nachfrage. Über 3.700 betroffene Studenten legten Widerspruch ein. "Das sind eine ganze Menge und werden wohl auch noch mehr", schätzt Kuck. Bis zu 20-seitige handschriftliche Erklärungen reichen die Studenten ein, um zu erklären, warum sie aus finanzieller Not als Härtefälle anerkannt werden wollen oder Anträge auf Bonussemester stellen. "Wir kommen kaum nach. Vor allem die Härtefallanträge müssen langwierig und individuell geprüft werden", sagt der Dezernent. Mittlerweile warnt das Sekretariat vor "Wartezeiten von zwei bis drei Stunden".

Gleichzeitig steigt jedoch auch die Zahl derer, die erst gar nicht mehr versuchen, sich von der Last der nun fälligen 650 Euro pro Semester zu befreien: Die Zahl der freiwilligen Abmeldungen liege in Köln schon bei 7.000, so Kuck. "Und sie wird wohl mindestens noch auf 10.000 klettern", ist sich der Dezernent sicher. Rund 11.000 Studenten seien bereits angemahnt worden, weil sie die Gebühr noch nicht bezahlt hätten.

"Exmatrikulationswelle" in Bochum

Ähnliche Zahlen meldet auch die Ruhr-Universität Bochum. Statt der üblichen 700 habe man in diesem Wintersemester bislang 2.000 Exmatrikulationen verzeichnen müssen, resümiert Sprecher Josef König. "Das liegt mit Sicherheit an den Gebühren", erklärt er. Insgesamt rechnet man in Bochum damit, in zwei Jahren rund 10.000 Studenten zu verlieren.

Anders als an den meisten Hochschulen Nordrhein-Westfalens hatten die Bochumer Studierenden über das Internet und ein Passwort die Möglichkeit, ihr Konto zunächst selbst zu überprüfen und eventuelle Bonussemester oder Härtefälle anzugeben. Einer Antragsflut von Widersprüchen, wie sie auch in Bonn oder Dortmund eingegangen sind, hofft König dadurch zu entgehen.

Zweifel am Geldsegen für die Unis

Das aber ändert nichts daran, dass sich die Bochumer Universität als "Gebühreneinzugszentrale für das Ministerium" sieht. "Wir haben nur mehr Arbeit, aber bekommen dafür kein Geld", sagt der Pressesprecher. So fließen die laut Wissenschaftsministerium erwarteten 90 Millionen Euro zunächst in die Landeskassen. Haushaltslöcher gilt es zu stopfen, bevor den Universitäten ab 2005 die Hälfte des Geldes zusteht. Ab 2006 sind es schließlich 100 Prozent. Doch ob die Universitäten dann überhaupt noch genug Langzeitstudenten verzeichnen, die den erhofften Geldsegen bringen, zweifeln viele Hochschulen an. "Ich glaube jedenfalls nicht, dass da noch viel übrig bleiben wird", zeigt sich der Kölner Dezernent wenig optimistisch.

Daniela Pegna, AP

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