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Sido, Haiyti und Co: Eine Frage des guten Geschmacks: Das essen die Stars der Rap-Szene

Curry-Wurst oder Sterneküche - was verstehen Rapper vom Kochen? Für das Kochbuch "Rap Kitchen" haben sich die Größen der Deutsch-Rap-Szene in die Rezepte schauen lassen und aus dem Nähkästchen geplaudert. Wir verraten zwei Lieblingsrezepte von Haiyti und Sido.

Sido

Nudeln mit Bratensoße standen viele Jahre auf Sidos Speiseplan.

Sie sind Meister des gereimten Wortes, aber verstehen sie sich auch in der hohen Kunst des Kochens? Johann Voigt hat sich mit 20 Größen der Deutsch-Rap-Szene getroffen, hat mit ihnen geschnackt und gesnackt. Von Marvin Games hat er gelernt, dass Brokkoli-Pizza das beste Essen nach dem Sex ist und Eunique die heftigsten kulinarischen Erlebnisse aus Ghana entlockt.

Entstanden ist das Kochbuch "Rap Kitchen. Wenn Rapper kochen", mit Rezepten und Porträts übers Leben und die Kulinarik. Es geht um die Fleischmafia auf Kuba, paradiesische Inseln in Thailand oder geköpfte Hühner in Ghana. Es geht um Leibspeisen und kulinarische Erfahrungen zum Vergessen.

Die deutsche Rap-Szene, das zeigt das Buch, isst und kocht so divers, wie ihre Musik klingt. Zwei Rapper plus Lieblingsrezept aus dem Buch stellen wir vor. 

Sido, der Rouladen-Kenner

Sido und Fast Food sind dicke Freunde, aber Rouladen liebt er auch. Als er noch nicht "Meine Straße, mein Zuhause, mein Block"-Sido war, sondern einfach nur Paul Hartmut Würdig, als "Aggro Berlin" noch nicht erfunden war und sein Gesicht noch keine Maske bedeckte, da war Sido einfach ein Junge, der zum ersten Mal in einen Döner biss. Neun Jahre alt, habe er fast geweint, "so geil war das", erzählt er im Interview mit Voigt.

Von Haute Cuisine konnte auch später lange keine Rede sein. Weil es dauerte, bis der Rapper mit seiner Musik kommerziellen Erfolg hatte - inzwischen hat er mehr als 5,7 Millionen Tonträger verkauft - blieb auch die Ernährung auf der Strecke. Pommes aus der Fritteuse mit Uraltfett und Nudeln mit Bratensoße waren Evergreens bei Sido und seinem damaligen Mitbewohner B-Tight

Mit dem Geld in den Taschen kamen auch die Kilos auf Sidos Knochen. Er begann zu kochen. Eine Liebe, die Bestand hat. Nach der Musik soll das eigene Restaurant kommen, so sein Plan. Mit Rezepten der deutschen Hausmannskost aus eigener Feder. Eines seiner Lieblingsgerichte: Rouladen.

Die Einkaufsliste für Sidos Rouladen (4 Portionen)

4 eingelegte Knoblauchgurken
2 Zwiebeln
4 Rouladen (je ca. 250-300 g)
4 TL süßer Senf
8 Scheiben Serrano Schinken
Salz und Pfeffer

Für die Soße:

100 g Möhren
100 g Knollensellerie
80 g Lauch
100 g Zwiebeln
5 EL Öl
2 Lorbeerblätter
1 Zweig Thymian
1 EL Tomatenmark
250 ml Rotwein
Salz und Pfeffer 

So geht's

Für die Rouladen die Knoblauchgurken längs vierteln. Zwiebeln schälen, halbieren und in dünne Streifen schneiden. Das Fleisch flach klopfen, falls die Scheiben dicker als ein halber Zentimeter sind. Fleischscheiben nebeneinander legen, salzen, pfeffern, mit süßem Senf bestreichen und mit je zwei Scheiben Serrano-Schinken belegen. Die Knoblauchgurken auf dem breiten Ende der Rouladen verteilen; die Rouladen dann mit den Zwiebelstreifen belegen, die Längsseiten darüberklappen und die Rouladen vom breiten Ende aus aufrollen. Das Fleisch wenn möglich mit Rouladennadeln feststecken.

Für die Soße Möhren und Sellerie schälen und in etwa ein Zentimeter große Würfel schneiden. Den Lauch putzen und genau wie die Zwiebeln schneiden.

Die Rouladen von allen Seiten mit Salz und Pfeffer würzen. Drei Esslöffel Öl in einem Bräter erhitzen und die Rouladen darin rundum anbraten. Das restliche Öl im Bräter erhitzen und das Gemüse darin anrösten. Lorbeerblätter, Thymian und Tomatenmark dazugeben und etwa fünf Minuten mitrösten. Mit Rotwein ablöschen und kurz einkochen lassen.

Die Rouladen in den Soßensatz geben, mit Wasser aufgießen und im vorgeheizten Ofen bei 160 Grad auf der untersten Schiene 90 Minuten zugedeckt garen. Ab und zu wenden.

Die Rouladen nach Ablauf der Garzeit herausnehmen und die Soße durch ein Sieb in einen Topf streichen. Die Soße zur Hälfte einkochen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Rouladen zum Schluss noch einmal acht bis zehn Minuten bei milder Hitze in der Soße ziehen lassen. Am besten mit Kartoffeln und Rotkohl servieren. 

Rapperin Haiyti

Haiyti liebt Trüffel - vor allem, wenn sie aus Istrien kommen.

Picture Alliance

Abstecher nach Westafrika mit Haiyti

Eigentlich müsse sie, meint Haiyti, in Berlin einen Croque-Laden aufmachen, damit auch dort endlich jeder weiß, wie die Hamburger Version des Croques mit Weißkraut schmeckt, erzählt sie in "Rap Kitchen". Bevor Haiyti 2018 beim Major-Label Universal ihr erstes Album veröffentlichte, galt sie als Geheimtipp der Szene. Tracks von ihr kursierten zwar im Internet und wurden in der Szene entsprechend gefeiert, ansonsten machte sie ihre Musik aber noch ausschließlich im Untergrund. Das ist heute anders. Von Musikkritikern wurde ihr bereits die Krone als beste deutsche Rapperin aufgesetzt. 

Noch unbekannt, verdiente sich Haiyti, die Kunst studiert, ihre Brötchen mit dem Kellnern. Gegessen wurde, erzählt sie, in illegalen Thai-Küchen, die eigentlich "für die thailändischen Prostituierten" waren. Geschmeckt habe es da aber wie es nur in Thailand tut - "das gab es sonst nirgendwo".

Haiyti, deren Vater aus Kroatien stimmt, liebt die internationale Küche, das Besondere. Ob Croque mit Weißkraut, authentisches Thai-Food oder eben gebratene Kochbanane, bestrichen mit Honig, karamellisiert. 

Bananen ind Bananenkiste

Die Einkaufsliste für Haiytis gebratene Kochbanane (4 Portionen) 

4 Kochbananen
Butter zum Braten
Honig (nach Belieben)
1 EL Orangensaft
200 g Crème fraîche
verschiedene Beeren als Topping (nach Belieben)

So geht's 

Die Kochbananen zunächst schälen und leicht schräg in Scheiben schneiden. Butter in einer Pfanne erhitzen und die Bananenscheiben darin goldbraun anbraten.

Die Temperatur reduzieren, die Bananenscheiben nach Belieben mit Honig bestreichen und vorsichtig weiter braten. Nach ein bis zwei Minuten mit einem Esslöffel Orangensaft ablöschen und sofort auf Tellern anrichten. Die karamellisierten Bananen zum Schluss mit Crème fraîche und Beeren garnieren und servieren.

Das Kochbuch "Rap Kitchen. Rapper kochen" von Johann Voigt und Emil Levy Z. Schramm ist im Callwey Verlag erschienen.


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tpo