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Chefin von Bouvet Ladubay Sie sorgt dafür, dass die Schampus-Korken knallen: Juliette Monmousseau über die Zukunft des Schaumweins

Juliette Monmousseau von Bouvet Ladubay
Juliette Monmousseau ist die Chefin hinter den Schaumweinen von Bouvet-Ladubay.
© L. Carlsson
Sie tauschte die Weinberge mit dem Pariser Stadtleben, machte Karriere. Doch die Reben riefen sie zurück. Heute führt Juliette Monmousseau das Unternehmen der Familie, die Maison Bouvet Ladubay. Ein Gespräch über das Schampus-Business, Klimawandel und Planänderungen.

Frau Monmousseau, Sie haben Grafikdesign studiert, in einer Werbeagentur gearbeitet, später in einer Filmverleihfirma. Mit Schaumwein hatte das alles nichts zu tun. Am Ende haben Sie doch das Zepter von Ihrem Vater übernommen und sind in den Chefsessel der Maison Bouvet Ladubay gestiegen. Warum?

Anfangs kam ich nicht zu Bouvet Ladubay, um die Führung zu übernehmen, sondern um das Haus zu repräsentieren und unsere Weine in der ganzen Welt zu verkaufen. Das konnte ich, weil ich mehrere Sprachen spreche, denn mein Vater ist halb Engländer und meine Mutter Schwedin. Mit meiner Schwester lebten wir von klein auf in einer kosmopolitischen Kultur, wir bedienten amerikanische Freunde oder englische Kunden am Tisch, wir trafen Japaner oder Australier - das war und ist immer noch so. Als dann allmählich beschlossen wurde, dass ich die Leitung übernehmen sollte, habe ich mich selbst eingearbeitet und lerne so, wie alle anderen auch, jeden Tag etwas Neues. Dieses Jahr ist das 12. Jahr seit meiner Rückkehr nach Saumur.

Die Weinbranche ist eine exklusive. Sie haben keine klassische Ausbildung in dem Metier. Wie wurden Sie in der Branche aufgenommen?

Das ist nicht so außergewöhnlich, heutzutage verlaufen Karrieren immer weniger linear. Ich bin hier geboren und kannte mich schon ein bisschen mit Wein aus und auch mit der Herstellung, da ich schon sehr früh jeden Sommer oder in den Ferien in den Weinkellern gearbeitet habe, um mir mein Taschengeld zu verdienen. Die Fähigkeiten, die ich mir im Bereich Kino, Akquisition, Rechtliches, Verkauf, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Marketing angeeignet habe, helfen mir jeden Tag bei der Arbeit. Natürlich musste ich auch Fähigkeiten ausbauen, unter anderem meine Kenntnisse im Finanzwesen.

Bringen Sie durch Ihren Werdegang eine andere Perspektive ins Haus?

Jetzt kommen wir also an den Punkt, an dem ich antworten muss: "Ich bin die erste Frau an der Spitze des Hauses". Aber nein, eigentlich ist die Maison Bouvet Ladubay nach Etienne Bouvet und Célestine Ladubay benannt. Sie brachte die Keller von St. Florent als Mitgift mit. Nach den Herausforderungen, die mein Vater bewältigen musste, um den Betrieb in eine Spitzenposition zu bringen, besteht meine Herausforderung heute darin, das Weingut zu bewahren und nachhaltig weiterzuentwickeln. Und wissen Sie, der Konsum von Schaumweinen nimmt weltweit zu.

Das Schampusgeschäft ist durch den Klimawandel gefährdet. Die Pflanzen wachsen und reifen schneller, die Ernte findet immer früher statt. Hat Schaumwein überhaupt noch eine Zukunft?

Ist es wirklich nur das Schampusgeschäft, das durch den Klimawandel bedroht ist? Nein, das ist ein täglich wiederkehrendes Thema für alle, auf allen Ebenen. Was unsere Region betrifft, die ein gemäßigtes Klima hat und nahe am Meer liegt, hat der Klimawandel, wie überall, Auswirkungen auf den Alkoholgehalt der Weine. Aber auch die Qualität ist gestiegen. Wussten Sie, dass die Weine vor 40 Jahren chaptalisiert wurden, das heißt, dass Zucker in die Fässer gegeben wurde, damit sie nach der Gärung den erwarteten Alkoholgehalt erhielten? Heute ist das nicht mehr der Fall. Auch beim Weinbau geht es auf globaler und lokaler Ebene voran. 

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Und wie konkret?

Nachhaltigkeit ist mir sehr wichtig, schließlich muss ich die Maison an zukünftige Generationen weitergeben. Dafür wird alles getan. Das beginnt bei der Zusammenarbeit mit Winzern, die umweltbewusst arbeiten. Außerdem engagieren wir uns für die grüne Schifffahrt, denn über diesen Weg bringen wir unsere Flaschen in die Welt. Wir sind Partner eines energieautarken Mehrrumpfbootes mit null Emissionen. Und wir setzen uns für den Erhalt lokaler Wälder ein. Nächstes Jahr werden wir endlich als Unternehmen, das sich der sozialen und ökologischen Verantwortung verpflichtet, zertifiziert, was einzigartig in unserer Region ist.

Die Maison ist stolz auf ihre Tradition. Aber wie viele dieser Werte stecken noch im Haus, wenn doch moderne Weinproduktion immer wichtiger für die Zukunftsfähigkeit wird? 

Bouvet Ladubay hat Tradition, ja, aber vor allem hat es eine Geschichte. In diesem Jahr feiern wir das 170-jährige Bestehen des Hauses. Der Großteil unserer Produktionsprozesse wurde inzwischen mechanisiert. Das erspart Zeit, die wir nutzen können, um uns unter anderem technisch und ökologisch zu verbessern. Was sich nicht geändert hat, und was sich auch nie ändern wird, ist unsere Fähigkeit Cuvées zu komponieren.

Bouvet Ladubay ist einer der größten Produzenten des französischen Loire-Tals und gehört auch zu den wichtigsten Schaumwein-Lieferanten für Deutschland. Ihre Flaschen sind hierzulande gar im Einzelhandel zu finden. Was ist Ihr Erfolgsrezept?  

Der deutsche Markt ist in Bezug auf zwei Faktoren sensibel: die Qualität und den Preis. Unsere Cuvées-Kollektion konnte diesen Erwartungen gerecht werden. Deutschland ist unser wichtigster Kunde. Wir lieben zum Beispiel die Tatsache, dass es in deutschen Hotels möglich ist, ein Glas Schaumwein zum Frühstück zu trinken! Ernsthaft, das zeugt von der Sektkultur in Deutschland.

Die Zeiten waren nicht immer so glänzend. Das Familienunternehmen gehörte zeitweise zu Taittinger, dann zur United Breweries Group eines indischen Multimillionärs. Seit 2015 ist das Unternehmen wieder in den Händen der Familie. Was lief schief?

Die Zeiten waren eigentlich immer glänzend. Das Vertrauen von Claude Taittinger und Vijay Mallya haben dies möglich gemacht! Sie waren beide wunderbare Eigentümer für Bouvet Ladubay und haben die Maison geschützt, indem sie meinen Vater alles machen ließen. Sie wussten, dass er so arbeitet, als wäre es sein eigenes Unternehmen, dasselbe würde ich auch über unsere Mitarbeiter sagen. Manche von ihnen haben mehr als 30 Jahre Karriere bei uns hinter sich, oder gar ihre ganze Karriere hier gemacht. Manchmal folgt eine Generation auf die andere, so als wäre es auch ihr Weingut. Das ist das Geheimnis von Unternehmen mit familiärem Charakter. Bei uns sprechen wir nicht nur von unserer Familie, sondern eher von der Bouvet-Familie.

Chefin von Bouvet Ladubay: Sie sorgt dafür, dass die Schampus-Korken knallen: Juliette Monmousseau über die Zukunft des Schaumweins

Normalerweise verkaufen Sie etwa sechs Millionen Flaschen jährlich. Dann kam die Pandemie. Die Restaurants waren geschlossen, es gab wenig Anlass und Möglichkeiten für ausschweifende Feste – hat überhaupt noch jemand zu Schaumwein gegriffen?

Ja. Ich denke, jeder von uns hat sich beispielsweise zu den sogenannten Video/Zoom-Aperitifs mit Freunden oder Familie getroffen und musste sich sogar mehr als in jedem anderen Jahr Weine für zu Hause besorgen. Als die Restaurants geschlossen wurden, kam es auch bei uns zu einer Verschiebung in Richtung Weinhändler und Online Weinhandel. Diese zusätzlichen Verkäufe haben einen Teil der Verluste kompensiert.

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