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zu hart zum Streichen Buttergate: Kanadier beschweren sich über zu hartes Streichfett

Eine Kuh schaut aus einem Pferch auf einem Futterplatz in der Nähe von Airdrie, Alberta, Kanada
Auslöser für Buttergate könnte die Corona-Pandemie sein
© Jeff McIntosh / AP
Watergate, Nipplegate – und jetzt Buttergate. Viele Kanadier beschweren sich darüber, dass ihre Butter plötzlich zu hart zum Streichen sei. Laut Milchindustrie hat sich jedoch nichts geändert. Wer hat nun recht?

Ein "Skandal" erschüttert Kanada. Seit Wochen beschweren sich viele Kanadier über ihre Butter – die sei nämlich auf einmal zu hart und werde bei Zimmertemperatur auch nicht weicher. Unter dem Hashtag "Buttergate" haben Tausende in den sozialen Netzen ihrem Unmut darüber Luft gemacht. Das Merkwürdige: Laut dem Interessensverband der Milchviehhalter hat sich rein gar nichts geändert.

"Ich dachte, es geht nur mit so!"

Los ging es wohl Anfang Februar mit einem Tweet der kanadischen Kochbuchautorin Julie Van Rosendaal: "Irgendetwas ist mit unserer Butterversorgung los und ich werde der Sache auf den Grund gehen. Habt ihr bemerkt, dass sie bei Zimmertemperatur nicht mehr weich ist? Wässrig? Gummiartig?", twitterte sie. 

Sie war nicht allein mit ihrer Beobachtung. "Jeder sagte: Ich dachte, es geht nur mir so!", so Van Rosendaal in einem Video von "CBC". Weil sich "Buttergate" rasend schnell verbreitete und zahlreiche nationale und internationale Medien das Thema aufgriffen, sah sich der Verband der kanadischen Milchviehhalter, die "Dairy Farmers of Canada" (DFC) zu einer Erklärung gezwungen. Die fiel schlicht aus: Die Butter sei ihres Wissens nach streichzart wie immer: "Es gibt keine neueren Daten, die zeigen, dass sich die Konsistenz von Butter verändert hat, und uns sind keine wesentlichen Änderungen in der Milchproduktion oder -verarbeitung bekannt", heißt es dort. Wenn die Butter denn nun doch härter geworden sei, könne das mehrere Gründe haben: Die Ernährung der Kühe unterscheide sich schließlich je nach Region und Jahreszeit.

Corona schuld am Buttergate?

In einer Kolumne für die Tageszeitung "Globe and Mail" äußerte Van Rosendaal die Vermutung, dass Corona die Schuld am Butterproblem trägt. Um die in der Pandemie gestiegene Nachfrage zu decken, hätten die Bauern den Speiseplan der Kühe geändert.Die Kanadier seien wirklich Butter-hungriger geworden. Da mehr Menschen wegen Corona zu Hause blieben, ist die Nachfrage nach Butter laut DFC im Jahr 2020 um mehr als zwölf Prozent gestiegen.

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Laut dem DFC ändern die Bauern bei erhöhtem Bedarf tatsächlich die Zusammensetzung des Futters. Dabei würden die Kühe manchmal in begrenzten Mengen mit energiereichen Palmprodukten gefüttert. Der Anstieg von Palmitinsäure in der Milch betrage in solchen Fällen jedoch weniger als drei Prozent. Palmitinsäure sei ohnehin nicht mit Palmfett gleichzusetzen: Sie sei ein natürlicher Bestandteil in vielen pflanzlichen und tierischen Fett. Trotzdem schlägt der DFC die Gründung einer Arbeitsgruppe aus Interessensvertretern und Experten vor, die sich "mit Fragen beschäftigen soll, die von Verbrauchern aufgeworfen wurden" – sprich: mit Buttergate.

Der "BBC" zufolge machen auch Lebensmittelexperten einen erhöhten Anteil von Palmfett im Futter für die plötzliche Erhärtung des Streichfetts verantwortlich. Bisher gebe es zwar nur wenige Untersuchungen über die Auswirkungen von Palmöl in Milchprodukten. Doch Agrarexperten glaubten, dass Butter von Kühen, die mit Palmöl gefüttert wurden, einen höheren Schmelzpunkt hat und daher bei Raumtemperatur schwieriger zu streichen sein könnte.

Ob die Zugabe von Palmöl im Viehfutter nun für Mensch und Tier gesundheitsschädigend ist, da gehen die Meinungen auseinander – genau wie bei der angeblich härter gewordenen Butter. Da hilft wohl erstmal nur die Mikrowelle.

Quellen: "BBC"; "Dairy Farmers of Canada"; "CBC"


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