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Restaurant Dudu: Die Küchengeheimnisse von Papaya und Banane

Wie eine vietnamesische Familie die Berliner Gastro-Szene aufmischt und nach zehn Jahren "Dudu" die besten Rezepte des Restaurants veröffentlicht.

Chi und Nam betreiben heute gemeinsam das Dudu

Chi und Nam betreiben heute gemeinsam das Dudu

"Dudu, was soll das eigentlich heißen?" Fragt da jemand beim zehn-jährigen Jubiläum des gleichnamigen vietnamesischen In-Lokals an der Berliner Torstraße. Und Nam, einer der Inhaber des Familienbetriebs, seufzt ein wenig, er wurde schon oft gefragt, es ist eine alte Geschichte, aber nun: "Als Kind hatte ich so einen riesigen Kopf, alle nannten mich Dudu. Es ist mein Spitzname – und bedeutet Papaya."

Dieses innige Verhältnis zu Früchten und Gemüse, es liegt in der Familie. Chi, seine Schwester, sagt: "Ich nenne mich gern Banane, außen gelb, innen weiß." Nam und Chi sind die Kinder von Dang. Dang Thi Tuyen kam 1988 als Arbeiterin aus Hanoi in die DDR, so wie rund 60.000 weitere Nord-Vietnamesen vor der Wende. Auf dem Arm trug sie ihre Tochter Chi, damals eineinhalb Jahre. Nam folgt den beiden ein Jahr später. Ihre Geschichte steht beispielhaft für das, was viele Einwanderer in Berlin erlebt und erlitten haben – und wie sie ihr Schicksal in die Hand genommen haben. 

Vietnam-Soap im Plattenbau

Nach der Wende, als die vietnamesischen Arbeiter keine Verträge und auch keinen offiziellen Status mehr haben, kauft Dang einen VW-Bus und versorgt ihre Landsleute in den Plattenbauten von Lichtenberg mit vietnamesischem Essen und VHS-Kassetten mit chinesischen TV-Soaps. All ihr Erspartes steckt sie Anfang der Neunziger in ihr erstes Restaurant. Es gibt chinesisches Essen, eine Speisekarte mit Gerichten von 1A bis 300B. 1998 stellt sie um, Sushi und Thaigerichte sind nun angesagt. 2002 schließlich sind alle Kräfte ausgereizt: Unzuverlässige Köche, kaputtes Equipment, das undurchdringliche deutsche Steuersystem und zuhause zwei Schulkinder – Dang kapituliert zum ersten und letzten Mal in ihrem Leben.

Im August 2008 wagt die Familie einen Neustart: In der Torstraße eröffnen sie gemeinsam das "Dudu". "Ich habe die ersten Wochen im Laden geschlafen, im Personalraum geduscht. Chi hat die Bar gemacht, Mutter die Küche", erinnert sich Nam. In ihren Gerichten verschmelzen nun viele neue Einflüsse: Nam ist mittlerweile ausgebildeter Sushi-Koch, seine damalige Lebensgefährtin bringt ihre chilenischen Wurzeln ein, Dang mischt die Aromen und Rezepte Indochinas unter. Und Chi, die zwischenzeitlich einen Blitzerfolg als Modedesignerin hingelegt hat, bringt ihre Freunde aus der Berliner Kreativ- und Clubszene ins Haus. mit  Das spricht sich herum. Nach eineinhalb Jahren schreiben sie schwarze Zahlen. Das Dudu hebt ab.

Hollywood im Dudu

2013, während der Dreharbeiten zum Film "Monuments Men", gehen George Clooney und Bill Murray ein und aus. Hollywood liebt Dudu, die Stars aus der Traumfabrik lassen sich vom wahr gewordenen Traum der vietnamesischen Familie verzaubern. Das macht Mut: Nam eröffnet 2015 im Westteil der Stadt das "Dudu 31". Es ist ihr Projekt 2.0. Erkennbar Dudu, aber exklusiver, eine neue Stufe, das Publikum gern auch etwas gediegener. Während es in der Torstraße wie immer familiär und wuselig zugeht, in den Abendstunden gern mal die Bässe bis auf die Straße wummern und man sich die Ellenbogen mit dem Volk aus Prenzlauer Berg und Mitte reibt.

Zehn Jahre geht das nun schon so, und nun steht Dang in der Tür zu ihrem Lokal, schüchtern aber stolz, und bedankt sich bei ihren Kindern Chi und Nam, bei ihren Mitarbeitern und eigentlich bei der ganzen Welt. Mit dem Brandstätter Verlag hat Chi zum Jubiläum ein fantastisches Kochbuch herausgebracht, das Rezepte vieler Klassiker aus dem Lokal verrät und die Geschichte der Familie dokumentiert. Doch so anregend und verführerisch all die Anleitungen für Suppen und Salate, Sushi und Sashimi, Ceviche, Carpaccio und Desserts auch sein mögen: Einen Besuch in der Torstraße können sie nur aufschieben, niemals ersetzen.

Chi Cao Hanh: Dudu Kitchen. Brand-stätter Verlag, Hardcover, 35 Euro

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