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TV-Kritik "Game of Chefs": Messer, Emotionen und eine Prise Herz

Vox startet mit einer neuen Kochsendung. Die erinnert jedoch stark an "The Taste". Nur ohne prominente Köche. Dafür mit schönen Food-Aufnahmen und Sterneköchen. Aber reicht das für eine gute Kochshow?

Von Denise Wachter

Die Chefs: (von links) Christian Lohse, Christian Jürgens und Holger Bodendorf

Die Chefs: (von links) Christian Lohse, Christian Jürgens und Holger Bodendorf

Kochsendungen gibt es im deutschen Fernsehen im Überfluss - schön wäre es dennoch, wenn sie sich bei Zeiten neu und auch anders erfinden würden, aber vielleicht wäre das einfach zu viel verlangt. Zwar behauptet Vox, sie hätten mit "Game of Chefs" ein komplett neues Konzept geboren, aber eigentlich wirkt es nur wie ein nicht allzu prominenter Abklatsch von "The Taste" mit Tim Mälzer, Frank Rosin, Lea Linster und Alexander Herrmann - alles Köche, die bereits mehrfach vor der TV-Linse zu sehen waren.

Nicht aber die Köche bei "Game of Chefs", wobei sie weitaus qualifizierter sind als die Köche bei "The Taste": Christian Jürgens, ausgezeichnet mit drei Michelin-Sternen, Christian Lohse, zwei Sterne und Holger Bodendorf, ein Stern, sind die Chefköche - und suchen Deutschlands bestes Kochtalent. Egal ob Hobbykoch oder Profi. Der Sieger erhält nicht nur Ehr' und Ruhm, sondern auch 100.000 Euro auf die Kralle. Trotzdem handelt es sich hier wieder nur um eine weitere Castingshow. Ein weiterer Kochwettbewerb - nur ohne die Löffel wie bei "The Taste". Bei "Game of Chefs" wird gekocht. Die Gerichte werden auf Tellern serviert, die drei Juroren wissen nicht, wer das Gericht zubereitet hat und verkennen oft die Person, die hinter einer Speise steht. So tippen sie auf eine Frau als ein Berliner Koch-Rocker ein Gemüsebouquet mit Goldstaub serviert. "Das ist aber eine schöne Frau", sagt Christian Jürgens und lacht.

Heute gibt es leider kein Messer

Vox hat mit dieser Kochsendung auf alle Fälle in die Typologisierungskiste gegriffen, denn die Zuschauer werden sich zumindest mit einem der Kandidaten identifizieren können. Da ist die junge "Nine", die wissen möchte, ob sie gut kochen kann und behauptet sie hätte einen guten Geschmack. Die Juroren stimmen ihr dabei sogar zu. Ihre Kalbsbäckchen hat sie in 60 Minuten im Schnellkochtopf geschmort, die Juroren waren von so viel Oldschool-Kochtechnik schlichtweg begeistert und geben ihr zwei Messer, das Symbol für die vermeintlichen Talente, dass sie eine Runde weiter sind - aber auch nur, wenn die Juroren mindestens zwei davon vergeben.

Natürlich geht es den Chefköchen nicht nur um gute Techniken, sondern vor allem auch um die Leidenschaft. Es muss Herz im Essen sein. Nein, nicht die Innerei, sondern das Gefühl. Das gelingt gleich dem nächsten Kandidaten, der sich mit seinem schweren Familienschicksal und viel Emotionalität in die Herzen der Juroren kocht. Auch eine bayerische Mutter von drei Kindern (31 Jahre!) ist im Spiel, sie hat einfach nur Spaß am Kochen, das schmecken auch die drei Juroren und belohnen sie gleich mit drei Messern. Ein hyperaktiver Kandidat sorgt zwar für Wirbel mit seinen schnellen, hüpfenden Bewegungen in der Küche, versalzt dennoch sein Gericht. Und die Juroren? Haben leider heute kein Foto, ähm, pardon, Messer für ihn.

Tolle Food-Aufnahmen, fehlende Innovation

Auch die junge, schöne Chaotin darf nicht fehlen. Die zwar zeigen möchte, dass sie gut kochen kann, aber scheitert, weil sie mehr Chaos in die Küche als Ordnung auf ihre Teller bringt - Pasta mit Pestosauce und eigentlich Gambas, die waren aber noch nicht fertig. Ooops. Für zweifelhafte Blicke sorgt die bayerische Inderin, die zwar keine echte Inderin ist, aber ihre Liebe zu Indien - im Essen und auch in der Kleidung gefunden hat. Sie wirkt leicht abwesend und zerstreut, die ungewohnten Aromen überzeugen jedoch die Chefköche. Genauso wie der ältere Mann, der zum König der Saucen avancieren könnte. Sternekoch Bodendorf fragt sogleich nach seinem Rezept und schickt ihn mit "Pipi in den Augen" in die nächste Runde.

Insgesamt liegt der Fokus im Vergleich zu "The Taste" viel mehr auf den Kandidaten - was der Kochshow auf Sat.1 fehlt, denn hier konzentriert man sich eher auf die TV-Köche und ihre inszenierten Kabbeleien. "Game of Chefs" überzeugt hingegen mit wunderschönen Food-Aufnahmen, wie gebratenem Rehrücken, frischen Kräutern, feingewürfelten Schalotten. Nicht auf Löffelchen, sondern auf großen Tellern mit ordentlichen Portionen - zumindest teilweise. Trotzdem startete die erste Folge von "Game of Chefs" recht träge, und wer sich nicht unbedingt mit Begeisterung fürs Kochen und Essen interessiert, und vor allem für das teils arrogante "Geschwätz" der Sterneköche, der wird sich mit dieser Sendung schwertun. Mal wieder. Mal sehen, was die nächste Folge bringt. Wann kommt noch einmal die Innovation?