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TV-Kritik

"Ready to beef": Tim Mälzers neue Show: Die zweitbeste Kochsendung nach "Kitchen Impossible"

Vier geheime Zutaten, drei Kochrunden und zwei gestandene Köche. Tim Mälzer geht zurück zur normalen Kochsendung, hält sich aber ans "Kitchen Impossible"-Konzept: Die Kochkunst steht im Mittelpunkt.

Tim Mälzer Ready to beef

Tim Mälzer (links) und Tim Raue sind die Gastgeber der neuen Kochsendung "Ready to beef"

Das Konzept der neuen Kochshow von Tim Mälzer als Moderator und Tim Raue in der Genuss-Jury hat man in dieser Form im deutschen Fernsehen schon etliche Male gesehen. Bei "Ready to beef" treten zwei Spitzenköche mit ihren Teams (also insgesamt immer zu Dritt) gegeneinander in drei Runden an. Sie müssen unter Zeitdruck kochen. Die Zutaten sind ihnen nur teilweise bekannt. Tim Raue bewertet den besten Teller. Der Gewinner bekommt einen schicken Award und das Team erhält 5000 Euro Preisgeld - zum Verprassen, wie Tim Mälzer in der ersten Folge betont.

Klingt eigentlich unspektakulär. Trotzdem hat man während der 50 Minuten keinen Drang dazu, umzuschalten. Woran liegt das? Natürlich unter anderem an Tim Mälzer, der es versteht, die Zuschauer zu entertainen. Aber auch an der Kombination aus Tim Mälzer und Tim Raue. Zwischen denen stimmt einfach die Chemie - sie necken sich permanent. Sie nennen sich gegenseitig "der Dicke", lästern über die Kochkünste des anderen. Das ist immer recht amüsant.

Aber der Fokus liegt bei dieser Kochsendung natürlich nicht nur auf dem Moderator und dem Juror, sondern auf den Köchen und Köchinnen - den eigentlichen Stars der Show. Und das sind sie wahrlich. Das erste Duell bestreiten zwei Spitzenköche, "Kitchen Impossible"-Fans müssten beide kennen: Mario Lohninger ist Gastrokind, hat jahrelang in den USA gekocht, mittlerweile führt er ein Restaurant in der Frankfurter Innenstadt, das einen Michelin-Stern trägt. Sein Kontrahent ist Max Strohe. Er kocht in Berlin, sein Restaurant hat ebenfalls einen Michelin-Stern, er hat als Jungkoch die Foodszene in Deutschland maßgeblich umgekrempelt. 

Das Duell 

Dass Tim Raue mal eben ein neues Gericht aus dem Ärmel schüttelt, kommt so gut wie nie vor. Er braucht für die Entwicklung gute zwei bis drei Monate. Bei "Ready to beef" haben die Spitzenköche nur 10 bzw. 20 Minuten Zeit für einen Teller. Und genau darin liegt die Stärke der Show: die Kochkunst der Spitzenköche.

In der ersten Runde sollen die Köche eine Zutat vordergründig verarbeiten. Die hat Mario Lohninger für sich und seinen Kontrahenten ausgesucht: Lammkeule. Sie haben dafür zehn Minuten Zeit. Lohninger zaubert aus der Lammkeule ein Stir-Fry mit Pflaumenwein, Sojasauce und Reisessig und kreiert dazu mit seinem Team (das aus seinem Vater und seinem Souschef besteht) einen Karotten-Daikon-Salat. Strohe macht ein Lammkeulen-Tatar, geräuchert über Fichte, mit einem Sud aus Salbei, Chili und Rinderfond mit Blaubeeren, Daikon-Kresse, Crème fraîche und gerösteten Haselnüssen. Auch er ist mit seinem Souschef und einer weiteren Kollegin im Studio.

Tim Raue ist begeistert. Lohningers Teller riecht gewissermaßen nach "Straße", was positiv gemeint ist. "Sein Gericht hat Wumms und Kraft", so Raue. Von Strohes Teller ist der Sternekoch "berührt". Die erste Runde geht an den Jungkoch. 

Für die nächste Runde gibt Max Strohe die Geheimzutat vor: Seeigel. Die hat er ausgesucht, weil sie so aromatisch und sehr intensiv schmeckt. Lohninger nimmt den Mund schon zu Anfang voll und nennt sich selbst den "Seeigel-Guru". Und das soll sich bewahrheiten. Er kreiert einen puristischen Seeigel, der nur im eigenem Saft liegt, dazu Zitrone und einen asiatischen Pilz. Raue findet das Gericht auf den Punkt, "es ist mehr Kaschmir als Seide, es umarmt dich, es nimmt dich mit." Wenig Chancen auf den Gewinn für Max Strohe: Der setzt nicht den Seeigel in den Mittelpunkt, sondern einen Steinbutt mit japanischen Aromen. Raue mag zwar die Aromenwelt, findet aber, dass der Seeigel zu wenig im Vordergrund steht.

Der Punkt der zweiten Runde geht an Mario Lohninger.

Tim Mälzer will Aal und Sanddornbeeren serviert sehen

In der letzten Runde macht sich Tim Mälzer den Spaß, die Zutaten für die beiden Spitzenköche auszusuchen. Dabei macht er es ihnen keinesfalls leicht: Aal, frisch und geräuchert und Sanddorn. Die Köche haben dafür 20 Minuten Zeit. Und keine Ahnung, was sie mit den Zutaten anstellen können. Aber auch hier zeigt sich deren Professionalität: Sie probieren die Zutaten und legen einfach los. Am Ende steht das im Fokus, worauf es in der Sendung ankommt: Die Teller sind auf dem allerhöchsten Niveau. Tim Raue zieht gar den symbolischen Hut vor den beiden Köchen.

Nach 20 Minuten erzählt Lohninger mit seinem Gericht eine Geschichte über seine Reise nach Japan: Der frische Aal wurde in Miso, Honig und Sake gegart, der geräucherte in Teriyaki-Sauce gehüllt, dazu gibt's einen japanischen Gurkensalat und Rettich-Cannelloni mit Sanddorn. Raues Fazit: "Ich habe pures Japan gerochen".Trotzdem ist er von Max Strohes Teller noch mehr angetan: "Deine Teller leben davon, dass ich sie direkt abschlecken will", sagt Raue. Strohe zaubert zweierlei vom Aal, mit karamellisierten Sandornbeeren, der Räucheraal mit French-Toast und Dill, den frischen Aal hat er gegrillt mit karamellisiertem Chicoree, Dill-Öl und frittiertem Lauch. Strohe gewinnt.

Großes Kino, findet Raue. Die zweitbeste Kochshow nach "Kitchen Impossible", findet Mälzer.