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Kitchen Impossible Drei zu null für die Konkurrenz: Das Orakel Tim Mälzer ist in Bestform, der Koch Mälzer weniger

Tim Mälzer und Alexander Wulf
In der dritten Folge der sechsten Staffel von "Kitchen Impossible" duelliert sich Tim Mälzer mit Sternekoch Alexander Wulf.
© TVNOW / Pervin Inan-Serttas
Tim Mälzer liebt es, Sterneköche im Duell bei "Kitchen Impossible" ins Wanken zu bringen. Doch die haben aus den vergangenen Staffeln gelernt. 

Verlieren, das ist nicht die Sache Tim Mälzers. Noch dazu auf seinem Heimatrasen, der Koch-Show "Kitchen Impossible". Um die Konkurrenz in die Schranken zu weisen, wird daher auch gern mal mit harten Bandagen gekämpft, mit Psychotricks und fiesen Winkelzügen. Doch in Sachen Ehrgeiz hat Mälzer jetzt seinen Lehrmeister gefunden. In Folge drei der sechsten Staffel bekam es der Hamburger mit Alexander Wulf zu tun. Der Sternekoch kann nicht nur kochen, sondern ist auch außerordentlich verbissen. Das Kämpfen hat Wulf von der Pike auf gelernt. Schon bevor es richtig losgeht, schwant Mälzer Böses - sein Bauchgefühl sollte ihn nicht trügen.

Das waren die Highlights der neuen Folge "Kitchen Impossible"

Das Konzept von "Kitchen Impossible" geht so: Tim Mälzer duelliert sich mit einem Koch oder einer Köchin, es müssen vier Aufgaben an vier verschiedenen Orten mit jeweils vier Originalköchen (deren Gerichte die Kontrahenten nachkochen müssen) bestritten werden. Eine Jury verkostet das Ergebnis und verteilt Punkte. Der Gewinner des Duells ist der- oder diejenige mit den meisten Punkten.

Diese Köche mussten sich beweisen:

Wieder einmal misst sich Tim Mälzer mit der hochkarätigen Konkurrenz. Sein Herausforderer diesmal: Alexander Wulf. Der ist russischer Herkunft und hat sich im wahrsten Sinne des Wortes nach oben gekocht. Wulf hätte möglicherweise auch Karriere im Fußball machen können, kochen konnte er aber noch besser. Mittlerweile ist der "kleine Russe", wie er sich selbst bezeichnet, nicht nur mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet, sondern auch der einzige russische Sternekoch. Sein Restaurant ist das "Troyka" in Erkelenz-Immerath.

Hier wurde gekocht:

In der Vergangenheit schickten sich die Köche gegenseitig rund um die Welt. In Staffel sechs spielt sich alles auf deutschsprachigem Terrain und coronakonform ab. In Folge drei kochte Tim Mälzer in Düsseldorf und Erkelenz, Alexander Wulf in Hamburg und auf Sylt.

Das wurde gekocht:

Tim Mälzer in ErkelenzBeshbarmak und Baursaki
Alexander Wulf in Hamburg: Tortellini alla Carbonara
Tim Mälzer in Düsseldorf: Schweinshaxe mit Bratkartoffeln
Alexander Wulf auf Sylt: Salzwiesenlamm

Family first

Alexander Wulf ist ein Kämpfer, einer, der gelernt hat, sich durchzubeißen. Er war neun, als seine Familie, sie sind Russlanddeutsche, aus Kasachstan nach Deutschland kam. Seinen Erfolg hat er sich hart erarbeitet. Wulf ist stolz auf seine Herkunft, auf das, was er erreicht hat. Bei "Kitchen Impossible" nahm er die Zuschauer mit nach Hause, zu seiner Familie. Tim Mälzer musste im engsten Familienkreis von Wulf ein kasachisches Nationalgericht nach traditioneller Art zubereiten. Dass er diese Aufgabe wählte, ist auch als Liebeserklärung an seine Familie zu verstehen.

Kein Tüdelü, kein Schnickschnack. Die Gerichte, die Wulf ausgewählt hatte, waren ganz nach dem Geschmack Mälzers. Er geriet bei der Verkostung des Bersbarmak regelrecht ins Schwärmen. "Extrem geil. Das ist menschliche Wärme auf dem Teller. Das ist kulinarische Heimat", sagte er und freute sich über die Aufgabe, auch wenn sie ihm beinahe zu leicht vorkam.

"Jetzt soll ich scheitern an Nudeln, Brühe und Fleisch. Das ist eine Unverschämtheit vom Wulf", sagte er, wohlweislich, dass kleine Fehler bei vermeintlich simplen Gerichten umso schwerer ins Gewicht fallen können. "Bäm, bäm anderthalb Stunden – bestell schon mal den Flieger vor", gab er sich dennoch siegessicher. Allerdings wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht, welche Hürde auf ihn wartete. Gekocht wurde bei der Frau von Wulfs Cousin – unter freiem Himmel, über Feuer und mit nur einem Topf.

Tim Mälzer
Tim Mälzer wollte eigentlich kochen und musste stattdessen mit sehr speziellen Arbeitsgeräten kämpfen.
© TVNOW / Endemol Shine

Simple Gerichte mit gehörigem Haken

Wulf hatte für seine Aufgaben in die Trickkiste gegriffen. Anstelle Mälzer mit Sterneküche-Spielereien herauszufordern, hatte er Gerichte gewählt, die nicht konventionell, sondern unter speziellen Bedingungen zubereitet werden mussten. Für die Umsetzung beider Gerichte musste Mälzer sich mit Arbeitsmaterial auseinandersetzen, dass nicht zur Standard-Ausrüstung in der Restaurantküche gehört.

So ging auch sein Konzept, dass er sich für die zweite Challenge, Schweinshaxe mit Bratkartoffeln, zurechtgelegt hatte, nicht auf. Anstelle mit dem Ofen musste er mit einem Grill hantieren, dessen Funktionsweise er sich selbst erklären musste – und das Gerät hatte es in sich. Entsprechend groß war Mälzers Frust. "Ich bin an der Maschine gescheitert", sagte er danach. Die Haxe war nicht durch, das Gericht alles andere als optimal. "Eine absolute Drecksau-Aufgabe", urteilte er.

"Richtig eins aufs Maul"

Was Wulf kann, kann Mälzer schon lange, auch er ist ein Schlitzohr. Die erste Überraschungsbox überreichte er dem Kontrahenten gleich persönlich, suggerierte, dass er der Koch hinter dem Gericht sei und führte Wulf aufs Glatteis. Der, ohnehin nervös, weil Mälzer ihm bei der Analyse schelmisch grinsend beobachtete, war sichtlich angespannt: "Wenn der Tim da sitzt, kriegt man schon Muffensausen".

Und Mälzer traf ins Schwarze. Er packte den Kontrahenten beim eigenen Ehrgeiz und schickte ihn zweimal zu Köchen, die noch einen Stern mehr aufweisen können als Wulf. Als der dem Originalkoch Matteo Ferrantino in Hamburg gegenübersteht, ist er geschockt: "Das ist ein Dirigent, das merkst du sofort." Nicht nur musste Wulf italienisch kochen, was er, wie er sagte, nicht kann. Er musste es auf Zwei-Sterne-Niveau und vor den Augen eines Meisters seines Fachs. "Ich bin ich die Küche reingekommen und hab mir in die Hose geschissen", erzählte er. "Mälzer ist ein Arsch – ernsthaft. Ich finde, er hat ein bisschen übertrieben."

Doch die wahre Herausforderung sollte erst noch kommen. Denn für Runde zwei schickte Mälzer ihn nach Sylt, wo er in der Küche von Jan-Philipp Berner zeigen musste, was er kann. Berner ist nicht nur ein guter Freund von Wulf, sondern wurde 2019 vom Gault-Millau zum Koch des Jahres gekürt. Als Wulf das Gericht in der schwarzen Box sah, wusste er, was ihm blüht: "Momentan fühlt es sich an wie: Ich geb' dem Alex mal richtig eins aufs Maul, dem kleinen Russen aus Heinsberg."

Alexander Wulf
Mit italienischer Küche hat Alexander Wulf eigentlich wenig am Hut. In Hamburg musste er die Tortellini händisch zubereiten. 
© TVNOW / Endemol Shine

Von Tränen und Ehrgeiz

"Ich hasse es zu verlieren. Ich hasse, hasse, hasse das. Wirklich, ich kann das nicht" – Alexander Wulf will, er kann nicht verlieren, das machte er immer wieder deutlich. Sein Ehrgeiz ist riesig. Dass es dabei auch darum geht, seine Familie stolz zu machen, wurde im Verlauf der Sendung offenbar. Seine Mutter schaue die Sendung, das sporne ihn besonders an. "Ich habe meiner Mutter versprochen, das Ding nach Hause zu holen", erzählte er.

Vor der ersten Aufgabe habe er kaum geschlafen, kein Auge zugemacht. Für die zweite stellte er sich schon einen Tag früher in die Küche, um erste Vorbereitungen zu treffen. Wenn etwas misslang, versuchte er es ein zweites, drittes und auch ein sechstes Mal. "Du bist aber auch echt verbissen, leck mich am Arsch", meinte Mälzer im Rückblick. Wulf konnte dazu nur nicken, denn der Ehrgeiz hat auch Schattenseiten.

Auf Sylt übermannten Wulf die Emotionen, es flossen Tränen. Unter seinem Ehrgeiz habe seine Familie schon des Öfteren gelitten. "Ich hoffe, meine Kinder verzeihen mir das irgendwann", erzählte er. Und: "Der zweite Stern, wenn er denn irgendwann mal kommt, geht an meine Kinder".

Mälzers seherische Fähigkeiten

Nach fünf Staffeln Kitchen Impossible riecht Tim Mälzer den Braten schon lange, bevor er im Ofen ist. Das Alexander Wulf ihm gefährlich werden könnte, witterte er schnell. "Ich hab’s im Gefühl, dass er fulminant gewinnen kann – fulminant. Das hab ich noch nie gesagt", prophezeite er schon zu Beginn und sollte recht behalten. Im Nachhinein sagte er: "Ich glaube, ich habe kombiniert noch nie so scheiße gekocht wie in dieser Folge."

Wulf bewies mit seinen Aufgaben an Mälzer nicht nur ein glückliches Händchen, er meisterte die eigenen auch mit Bravour. Der Endstand war entsprechend eindeutig. Wulf holte einen Schnitt von 13,3 Punkten, Mälzer musste sich mit 10 zufrieden geben. "Wir haben wieder einmal gesehen, dass es manchmal das Einfache ist, das uns zum Scheitern bringt", so Mälzer, der dem Konkurrenten noch "einen Tipp fürs Leben" mit auf den Weg gab: "Entspann dich mal!"


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