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"Kitchen Impossible" Zweites Duell, zweite Niederlage: Hat Tim Mälzer das Siegen verlernt?

Daniel Gottschlich und Tim  Mälzer
Zwei-Sterne-Koch Daniel Gottschlich (links) muss sich im Kochduell gegen Tim Mälzer beweisen.
© TVNOW / Frank W. Hempel
Der Frust wächst. In der neuen Staffel von "Kitchen Impossible" liefert Tim Mälzer zwar ordentlich ab, doch es gewinnen immer die anderen.

Es läuft nicht rund für Tim Mälzer. In der neuen Staffel der Koch-Show Kitchen Impossible muss er eine Schlappe nach der nächsten einstecken. Auch gegen Zwei-Sterne-Koch Daniel Gottschlich half das Zaubern nichts - am Ende musste Mälzer schon wieder dem anderen gratulieren.

Das Konzept von "Kitchen Impossible": Tim Mälzer duelliert sich mit einem Koch oder einer Köchin, es müssen vier Aufgaben an vier verschiedenen Orten mit jeweils vier Originalköchen (deren Gerichte die Kontrahenten nachkochen müssen) bestritten werden. Eine Jury bewertet das Ergebnis und verteilt Punkte. Der Gewinner des Duells ist derjenige mit den meisten Punkten.

Das waren die Highlights der neuen Folge "Kitchen Impossible"

Diese Köche mussten sich beweisen:

In der zweiten Folge der sechsten Staffel von Kitchen Impossible bekam es Tim Mälzer mit Daniel Gottschlich zu tun. Der 38-Jährige führt in Köln das Restaurant "Ox & Klee", das 2019 mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde. Gottschlich und das Kochen, das war Liebe auf den zweiten Blick. Gottschlich ist gelernter Energieanlagen-Elektroniker, erst im zweiten Anlauf entschied er sich für die Ausbildung zum Koch. Bei einem sogenannten alten Meister war er nie in der Lehre. Ein gefundenes Fressen für Mälzer, der darin eine Schwäche witterte.

Hier wurde gekocht:

Diesmal geht es nicht rund um die Welt. Auf Grund der Corona-Pandemie wurde Staffel sechs ausschließlich an Orten in Deutschland und Österreich gedreht. In Folge zwei besuchten die Köche die Städte Köln, Aschau, Berlin und Blankenburg.

Das wurde gekocht:

Tim Mälzer in Köln: Türkischer Grillteller mit Bulgur
Daniel Gottschlich in Aschau: Rehrücken in Nudelteig mit Pflaumen
Tim Mälzer in Berlin: Karotte und Kimchi
Daniel Gottschlich in Blankenburg: Möhrensuppe und Tote Oma

"Kein Schlüpferstürmer"

In Folge eins hatte sich Kontrahent Lucki Maurer zum Originalkoch gemacht. Das hatte sich in allen Staffeln zuvor noch kein anderer Koch getraut. Für Mälzer eine harte Nuss, die er direkt zum Auftakt knacken musste. Daniel Gottschlich wählte einen anderen Angang und stapelte erst einmal tief. Er schickte Mälzer in einen türkischen Imbiss. Das fand der überhaupt nicht lustig und war vor allem eines – gekränkt. "Oh, Kacke", sagte er, als er einen ersten Blick in die legendäre schwarze Box geworfen hatte. "Ich sag‘ mal, das ist jetzt kein Schlüpferstümer, das Gericht".

Mälzer fühlte sich unterschätzt, war sichtlich angefressen. Demonstrativ ging er ohne Einkaufsliste einkaufen, musste selbst zugeben "ich glaub, ich bin größenwahnsinnig geworden" und war – man kann es nicht anders sagen – mucksch. Manchmal komme die eigene Arroganz in die Quere, musste er später zugeben. Er habe erst beim Kochen die Schönheit der Aufgabe begriffen.

Alte Schule versus moderne Küche

Mälzer einen Grillteller kochen zu lassen, war nicht der klügste Schachzug Gottschlichs. Denn die "Küchenmaschine" lieferte und legte mit einem "Mörderergebnis" (Mälzer) von 8,4 Punkten vor. Das Mälzer der Konkurrenz keine Punkte schenkt, ist bekannt. Er schickte Gottschlich zu Heinz Winkler. Ein Koch des traditionellen Fine Dinings, bekannt dafür, kulinarische Raffinesse mit Bodenständigkeit zu vereinen. Winkler ist der meist ausgezeichnete Koch Deutschlands und Träger des Bundesverdienstkreuzes. Aber vor allem eines: ein Meister der alten Schule, oder wie Gottschlich sagte, "deutsche Klassik". Damit hat der Koch eigentlich wenig am Hut. Welten prallten aufeinander.

Wohlwissend, dass Mälzer wohl geplant hatte, ihn mit der Wahl Winklers einzuschüchtern, gab sich Gottschlich größte Mühe, souverän zu bleiben. Er fackelte nicht lange, analysierte schnell und achtete erstaunlich wenig auf die Feinheiten. Winkler wunderte sich über den einen oder anderen Handgriff des jungen Kollegen, zeigte sich gänzlich unbeeindruckt von dem, was Gottschlich in seiner Küche werkelte und kommentierte das dann auch trocken. "Er hätte halt wissen müssen, wie man eine Rehsoße macht", sagte er. Es war ein Seitenhieb, der sich gewaschen hatte. Das Gericht selbst aber funktionierte. Es sah dem Original verblüffend ähnlich. Einzig - es schmeckte anders. "Ich hab‘ das nicht hundertprozentig getroffen", wusste auch Gottschlich.

"Mit dem Arsch eingerissen"

In der zweiten Runde drehte Gottschlich den Spieß um und setzte Mälzer einen Teller vor, den der als, "richtigen Daddelteller" einstufte. Eine moderne Karotten-Komposition von Sternekoch Yannic Stockhausen. "Er wird sich mega abfucken über die Materialschlacht", lachte sich Gottschlich ins Fäustchen. "Das ist ein Kokoloresteller allererster Güte", meinte Mälzer und gab zu, dass die Aufgabe ihn aromatisch extrem fordere. Doch – auch das ist bekannt – Mälzer kann schmecken und ist ein Trickser.

Mal wieder machte er zwar wenig so, wie es vom Originalkoch vorgesehen war, der Riecher aber stimmte. Gottschlich war baff. "Hast du dir das Rezept schon mal angesehen?", fragte er beinahe ungläubig. Hatte Mälzer nicht. So war es dann auch nicht das Gericht selbst, das ihm die größten Sorgen machte. Es war die Menge an Arbeit in der Kürze der Zeit. Der Stress war es dann wohl auch, der ihm ein Schnippchen schlug. Beim Auftragen brachte der Koch die Abfolge durcheinander, er musste mehr schlecht als recht korrigieren - ein Lapsus, der sich rächen sollte. Er habe mit dem Arsch eingerissen, was er mit den Händen mühsam aufgebaut habe, sagte er. Und wurde auch prompt bestraft. Die Jury ging hart mit ihm ins Gericht.

Es ging um die Wurst

Der heimliche Star der Folge: Christa Pietsch, die Oma von Sternekoch Robin Pietsch. Zum Grande Finale musste Gottschlich zwei ihrer Spezialgerichte nachkochen und das nicht etwa in einer Restaurantküche, sondern in der Privatwohnung der Dame. Aber das war nicht alles. Denn es ging im wahrsten Sinne des Wortes um die Wurst. Die Grützwurst für die "Tote Oma" durfte Gottschlich nicht etwa kaufen, er musste sie selbst machen. "Das ist doch asozial", schimpfte er. "Ich bin kein Metzger."

Gottschlich war einigermaßen empört, blieb seiner Kochlinie aber treu, machte sich das Leben damit schwerer als nötig. Und das, obwohl Oma Pietsch ihm wohlwollend den einen oder anderen Tipp gab. Mälzer lachte sich kringelig, ob der komplizierten Herangehensweise Gottschlichs, doch sie führte zum gewünschten Ergebnis. "Manchmal ist man als Koch schon ein bisschen selbstverliebt", sagte er beglückt vom eigenen Gericht, "ist schon geil geworden". Doch die Euphorie währte nur kurz, der nächste Schock ließ nicht lange auf sich warten. Serviert werden sollte in einer Gartenanlage. Das hieß für den Koch, der es gewohnt ist, auf den Punkt zu kochen, erst einmal alles wieder einpacken, vor Ort neu erhitzen und das mit Minimalausstattung.  "Was für ein Horror", schimpfte er.

Keine Gnade

Nachdem Mälzer nach der ersten Aufgabe Punkte en masse abgeräumt hatte und sich bereits auf Siegesspur wähnte, folgte in Berlin eine Jury, die keine Gnade kannte. Nach seinen grandiosen 8,4 Punkten in Köln erntete er für das zweite Gericht nur magere 5,3 Punkte. "Das ist eine Frechheit", urteilte er. 5,3 Punkte für eine Interpretation, über die selbst Stockhausen gesagt hatte: "Hut ab, mein Freund!". Somit hatte Mälzer zugleich den besten und den schlechtesten Teller der Folge geliefert. Am Ende schnappte sich Gottschlich souverän den Sieg mit 14,8 zu 13,7 Punkten.Tim Mälzer dürfte mit einer ordentlichen Ladung Frust in die nächste Runde gehen. Herausforderer ist dann Sternekoch Alexander Wulf.


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