VG-Wort Pixel

Mälzer vs. Schellhorn Ein "Kitchen Impossible"-Duell wie eine griechische Tragödie — von Strebertellern und fliegenden Adiletten

Kitchen Impossible
Die Ruhe vor dem Sturm:: Sepp Schellhorn (links) und Tim Mälzer beim Angeln vor dem Koch-Duell.
© TVNOW / Endemol Shine
In der neuen Staffel "Kitchen Impossible" zeigte sich Tim Mälzer zuletzt ungewöhnlich harmoniebedürftig — und verlor Duell um Duell. Gegen Sepp Schellhorn packte der Koch wieder "die Drecksau" aus. 

Inhaltsverzeichnis

Zuletzt war bei Tim Mälzer ordentlich der Wurm drin. Er kochte und kochte, schwitzte und fluchte und gewann gegen seine Kontrahenten bei "Kitchen Impossible" keinen Blumentopf. Lucki Maurer gratulierte er von Herzen, in Daniel Gottschlich war er "schockverliebt" und als es gegen Alexander Wulf ging, ahnte er schon vorab, dass der ihn "fulminant" abziehen würde. Mälzer begnügte sich mit kleinen Brötchen, gab sich außergewöhnlich generös, beinahe sanftmütig. Hat die "Küchenmaschine" etwa den Biss verloren? "Ich bin so bescheiden geworden, so liebesbedürftig, ein kulinarischer Gandhi", sagte er selbst, bevor es ins vierte Match ging. Gegen Sepp Schellhorn sollte es einen Kurswechsel geben. "Ich habe seit langer Zeit das Gefühl, es könnte ein richtig dreckiger Kampf werden."

Das waren die Highlights der neuen Folge "Kitchen Impossible"

Diese Köche mussten sich beweisen:

Im vierten Duell ging's für "Mister Kitchen Impossible", Tim Mälzer, gegen den österreichischen Haubenkoch Sepp Schellhorn. Schellhorn führt das Hotel Seehof im Salzburgerland. Das dazugehörige Restaurant "Hecht" ist vom Gault&Millau mit zwei Hauben ausgezeichnet - seit Jahren. "Ich bin der totale Außenseiter und das bin ich wahnsinnig gern", sagt Schellhorn. Er steht für bodenständige, traditionelle Küche. Das ist nicht das einzige, was die beiden Köche verbindet. Sie seien, so Tim Mälzer in der Koch-Show, beinahe wie "vor langer Zeit getrennte Zwillinge".

Hier wurde gekocht:

In der sechsten Staffel von Kitchen Impossible ist Vieles neu. So reisen die Köche im Rahmen der Koch-Show nicht rund um die Welt, sie absolvieren die Duelle ausschließlich auf deutschsprachigem Boden in Deutschland und Österreich. Diesmal wurde in Neufelden, Salzburg, Berlin und auf Usedom gekocht.

Das wurde gekocht:

Tim Mälzer in Neufelden, Österreich: Blunzenschädl und Leberschädel
Sepp Schellhorn auf Usedom, Deutschland: Fischsoljanka
Tim Mälzer in Salzburg, Österreich: Grammelknödel mit Veltinerkraut
Sepp Schellhorn in Berlin, Deutschland: Pilzlebercreme

"Wie ein Schlauchboot im Ozean"

Tim Mälzer mag es handfest. Handwerkliche, bodenständige Küche ist sein Terrain. Moderne Klein-klein-Küche hingegen ist nicht sein Ding. Das hat er oft genug betont, das weiß inzwischen auch die Konkurrenz. Die nimmt das gern als gefundenes Fressen, um ihm im Kampf um die Punkte ein Bein zu stellen. So wundert es nicht, dass die Augenringe Mälzers beim Anblick des ersten Tellers in der schwarzen Box sekündlich dunkler wurden, die Laune driftete ins Bodenlose. Schellhorn ließ Mälzer ein Gericht von Philip Rachinger nachkochen. Rachinger ist nicht nur der beste Freund von Schellhorns Sohn, sondern einer, der traditionelle Küche in die Moderne hievt und das auf kulinarischem Spitzenniveau. Mälzers Motivation war dahin. "Ich bin so ein bisschen müde gerade", sagt er. Selten sei er in der Analyse so aufgeschmissen gewesen wie bei diesem Gericht - "ach Gott, oh Gott, oh Gott".

Rachinger gehöre zu einer Riege junger Köche, die "sehr avantgardistisch im Denken" seien. Beim Gedanken das nachkochen zu müssen, wurde der sonst so laute Mälzer beinahe kleinlaut. Er fühle sich "wie ein Schlauchboot im Ozean". Was dann passierte, bezeichnete er selbst als "kulinarischen Blindflug". Er improvisierte, er trickste. Sein Ziel: Das Gericht zumindest so aussehen zu lassen wie das Original. Mälzers Improvisationskunst ist eine seiner größten Stärken. Und auch wenn er mal wieder wenig so zubereitete, wie es das Original-Rezept verlangt hätte, das Gericht glückte. Der Leberschädel, das musste selbst Rachinger zugeben, war zwar nicht wie das Vorbild, aber "super gut. Ein Mälzer-Royal-Leberschädel". Und die Jury? Die bewertete wohlwollend, sogar einmal mit Bestnote.

Sepp Schnellhorn
"Keine Pinzettenprinzessin": Sepp Schellhorns Restaurant ist vom Gault&MIllau mit zwei Hauben ausgezeichnet.
© TVNOW / Endemol Shine

Von Trabis und Beschäftigungstherapie

Wer die Koch-Show "Kitchen Impossible" kennt, weiß, dass die Aufgaben auch bei absoluten Meistern ihres Fachs zuweilen Angstschweiß auslösen können. Nicht so bei Sepp Schellhorn. Der cruiste erst einmal mit einem Trabi  über Usedom, bevor es ans Eingemachte ging. Schellhorn war so glücklich über seine erste Prüfung, dass er sich erst einmal entspannt zurücklehnte. "Ich habe fast Tränen in den Augen, das taugt mir. Eine Suppe voller Rührung", sagte er und konnte kaum glauben, dass das die ganze Aufgabe sein sollte. Die größte Herausforderung dabei sei es, die Aufgabe nicht zu locker zu nehmen. So ganz schien das nicht klappen zu wollen.

Schellhorn kennt sich mit Fisch aus, er fühlte sich sicher, gar "pudelwohl". Bezeichnete das Zubereiten als "Beschäftigungstherapie", von Anspannung keine Spur. Doch die Usedomer Fischsoljanka ist eben keine typische Fischsuppe. Eine Erkenntnis, die dem Koch beim ersten Verkosten wie Schuppen von den Augen fiel. Er musste nachjustieren, tüfteln. Am Ende reckte er die Arme in Siegerpose in die Höhe - und Konkurrent Mälzer amüsierte sich in der Rückschau köstlich. Die Jury hingegen war weniger angetan. Eins zu null für Mälzer.

"Wenn ich so kochen könnte ..."

So frustriert Mälzer vom ersten Gericht war, so begeistert war er vom zweiten. Sepp Schellhorn meinte es gut mit ihm und  prognostizierte vorab: "Er wird es lieben. Er wird mich danach küssen". Beim Verkosten überkam Mälzer eine regelrechte Euphorie, die Augen strahlten. In sechs Jahren Kitchen Impossible habe ihn selten ein Gericht nicht nur begeistert, sondern in andere Sphären gehievt, das Gericht sei brillant. "Das ist bestes Kochhandwerk, aber nicht weil's so schwer ist, weil's einzigartig ist", sagte er. "Wenn ich so kochen könnte, würde ich kein Fernsehen machen."

Mälzer war Fan des Gerichts, beeindruckt von der Geschmacksexplosion, die er beim Essen erlebte. Aber Mälzer ist auch faul. Er versuchte die Aufgabe mit Effizienz zu meistern und stellte sich dabei selbst ein Bein. Am Ende musste er zugeben: "Ich hab's verkackt". Seine Variante des Gerichts schmeckte zwar, aber eben nicht so wie das Original - dieser Widerspruch spiegelte sich dann auch in der Jury-Bewertung wider. Wo ein Juror nur zwei Punkte vergab, wertete ein anderer mit sieben Punkten. Einigkeit sieht anders aus. "Dieses Gericht wird für immer auf meiner Zunge bleiben", sagte Mälzer. "Irgendwann in zehn Jahren werde ich ein Interview geben, indem ich die zehn besten Gerichte aufzählen muss, die ich je gegessen habe. Dieses wird sicher dabei sein."

Ein "Streberteller" für den Grobmotoriker

Das Duell Mälzer gegen Schellhorn war ein friedliches - bis zur letzten Aufgabe. Dass die Köche sich wohlgesonnen sind, war offensichtlich. Aber ein Tim Mälzer, der in allen drei vorhergegangenen Matches der Staffel als Verlierer vom Herd gehen musste, ist heiß auf den Sieg und macht auf dem Weg dahin keine Gefangenen. "Ich war zu weich gebürstet, ich hau wieder die Drecksau raus", sagte er. So sollte es sein. Er schickte Schellhorn - "das Landei", wie er sich selbst nannte - nach Berlin und das "reißt dir das Hirn auf", sagte er. Aber mit der Überforderung der Großstadt nicht genug, es sollte für ihn eine Irritation nach der nächsten folgen.

Erst musste Schellhorn mit Adiletten aufs Fahrrad steigen, dann bekam er eine Box voller griechischer Gerichte, die ihn strahlen ließ, denn er hatte befürchtet, bei Tim Raue kochen zu müssen. "Es ist kein Streberteller. Tim Mälzer, ich liebe dich", sagte er. Falsch gedacht. Die Box war ein Witz, die wahre Aufgabe hingegen kam erst noch - und war eben doch genau das: ein Streberteller. Und Schellhorn? Der schäumte vor Wut und knallte die Adilette auf den Tisch: "Das ist eine Arschlochgeschichte". 

RTL-Reporterin Elena Rosemeyer hat vor ihr auf dem Tisch verschiedene vegane Lebensmittel

"Wenn ich zaubern will, geh ich in den Zirkus"

Schellhorn musste eine Pilzlebercreme in Pralinenform nachbauen, eine die schmeckt wie Leber, aber eben keine Leber ist. Diese Klippe meisterte der Koch. War aber dennoch emotional aufgeladen. Er sei keine "Pinzetten-Prinzessin", er sei Grobmotoriker, Mälzer wisse das genau - "wenn ich zaubern will, geh ich in den Zirkus". Die größte Herausforderung: "Ich muss mit mir selbst fertig werden, über meinen Schatten springen und es schaffen, meine innere Aversion abzulegen. Ich muss mich selbst besiegen".

Der souveräne Schellhorn zeigte Nerven: "Jetzt wird's dramatisch: Griechische Tragödie, Vorhang auf." Was er in der Küche des österreichischen Sternekochs Sebastian Frank ablieferte, bezeichnete er selbst als "Jugend forscht". Das filigrane Gericht war in der Schellhorn-Ausführung grobschlächtiger, schlampiger. Die Pralinen wollten nicht aus der Form, das Gel rutschte von den Kugeln. "Mein Leberschädel war royal, du bist da echt Pöbel unterwegs", lachte Mälzer, als er die Szene sah. Und auch die Berliner Jury, die für besonders harte Wertungen bekannt ist, kannte mal wieder keine Gnade. 

Pat und Patachon: Es kann nur einen Sieger geben

Tim Mälzer nahm es vorweg, bezeichnete sich und Schellhorn als Pat und Patachon. Die beiden Köche haben ähnliche kulinarische Ansätze, mögen traditionelle Gerichte und eine Küche, in der kräftig zugepackt wird. Im Duell hatte letztlich Tim Mälzer den härteren Punch. Wieder einmal lieferte  er den stärksten, aber auch den schwächsten Teller, rettete aber den Vorsprung, den ihm die wohlwollende Jury in Neufelden mit auf den Weg gegeben hatte, ins Ziel. Er besiegte Schellhorn mit 12,2 zu 11,6 Punkten und beendete seine Negativserie. In der nächsten Folge muss sich Mälzer neu beweisen, dann tritt er gegen Sven Elverfeld an.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker