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Mälzer vs. Elverfeld "Kitchen Impossible" ist, wenn ein Dampfplauderer aus Pinneberg einen Drei-Sterne-Koch abzieht

Mälzer vs. Elverfeld
Die "Küchenmaschine" Tim Mälzer im Duell mit Drei-Sterne-Koch Sven Elverfeld.
© TVNOW / Ruprecht Stempell / The Ritz-Carlton Wolfsburg / dpa / Picture Alliance
Tim Mälzer hatte in der neuen Staffel Anlaufschwierigkeiten, doch jetzt ist der Motor warmgelaufen. Gegen Spitzenkoch Sven Elverfeld kannte die "Küchenmaschine" kein Vertun. Die Köche lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zur letzten Punktekarte.

Was soll ein Sternekoch bei der Kochshow "Kitchen Impossible"? Ob ein, zwei oder gar drei Michelin-Sterne - bei "Kitchen Impossible" beginnen alle bei Null. So mancher Spitzenkoch hatte in den Duellen gegen Mälzer schon das Nachsehen. Denn bei der Kochshow geht es eben nicht nur darum, wer am besten kocht, sondern darum, wer unter den speziellen Bedingungen das bestmögliche Ergebnis abliefert. Kein Wunder also, dass sich so mancher dagegen sträubt, überhaupt anzutreten.

Es geht immerhin um den guten Ruf. Einer, der kulinarisch nun wirklich gar nichts mehr beweisen muss, ist Sven Elverfeld. Der Drei-Sterne-Koch zählt seit Jahren zu den allerbesten Köchen Deutschlands. Oder, wie Tim Mälzer es ausdrückte, ist "eine weitere Kerbe auf meinem Gürtel".  Elverfeld stellte sich der Herausforderung und merkte schnell, dass die Challenge kein Spaziergang wird.

Das waren die Highlights der neuen Folge "Kitchen Impossible"

Das Konzept von "Kitchen Impossible" geht so: Tim Mälzer duelliert sich mit einem Koch oder einer Köchin, es müssen vier Aufgaben an vier verschiedenen Orten mit jeweils vier Originalköchen (deren Gerichte die Kontrahenten nachkochen müssen) bestritten werden. Eine Jury verkostet das Ergebnis und verteilt Punkte. Der Gewinner des Duells ist der- oder diejenige mit den meisten Punkten.

Diese Köche mussten sich beweisen:

Diesmal wagte sich Tim Mälzer in den kulinarischen Ring mit einem absoluten Schwergewicht der Gastro-Szene. Sein Kontrahent war der hochdekorierte und vielfach ausgezeichnete Drei-Sterne-Koch Sven Elverfeld. Elverfeld ist seit 20 Jahren Küchenchef des renommierten Restaurants "Aqua" im Wolfsburger Ritz Carlton. Und hat, wie Mälzer so schön sagte, "ein Abo auf Spitzenklasse".  

Hier wurde gekocht:

In der Vergangenheit schickten sich die Köche gegenseitig rund um die Welt. Staffel sechs ist eine Heimatstaffel, gekocht wird ausschließlich im deutschsprachigen Raum und coronakonform. In Folge fünf stellen sich Tim Mälzer und Sven Elverfeld ihren Aufgaben in Frankfurt, Schorndorf, Rottach-Egern und Feldberg-Bärental.

Das wurde gekocht:

Tim Mälzer in Frankfurt: Vogelsberger Lamm
Sven Elverfeld in Schorndorf: Vietnamesische Reissuppe mit Huhn und Reisrollen mit Dip
Tim Mälzer in Rottach-Egern: "Die Kiste" – ein Trüffelgericht
Sven Elverfeld in Feldberg-Bärental: Schwarzwälder Kirschtorte

Dampfplauderer gegen Superkoch

Tim Mälzer ist ein Schnacker. Er kann Sprüche am laufenden Band kloppen, kennt sich mit Trash-Talk aus und frotzelt gern. Bei Sven Elverfeld war er damit allerdings an der falschen Adresse. Der Sternekoch gab sich distanziert, ließ sich nicht aus der Reserve locken. Auf die Sprüche Mälzers reagierte er, wenn überhaupt, nur mit einem milden Lächeln. Das ist neu. So richtig wollte der Funke zwischen den beiden nicht überspringen - ein Novum in dieser Staffel. Hatte es dort doch vor Harmonie zuletzt regelrecht getrieft. Mälzer ließ sich davon nicht die Stimmung verderben und zog seinen Stiefel durch: "Wenn du hier nachher mit geschwollenen Tränensäcken sitzt, weil du gegen den Dampfplauderer aus Pinneberg verloren hast - du wärst nicht der erste", sagte Mälzer und läutete damit das Duell ein. Elverfeld zuckte mit keiner Wimper, setzte das Pokerface auf.

Ayurveda versus Asia-Lädle

"Kitchen Impossible" ist auch ein Strategiespiel. Es geht darum, die Schwächen des Gegners vorab zu erkennen, mit den ausgewählten Aufgaben den Kontrahenten so weit aufs Glatteis zu führen, dass er bestenfalls einbricht. Denn das Kochen allein, das wäre zu einfach - Grenzen sollen überwunden werden, es soll über den Tellerrand geschaut werden. Die beiden Köche setzten dabei aufs gleiche Pferd: Exotik. Elverfeld schickte Mälzer ins Sternerestaurant  Français im Steigenberger Frankfurter Hof, wo der sich mit der ayurvedischen Kochkunst auseinandersetzen musste. Mälzer hingegen schickte Elverfeld in eine Privatküche nach Schorndorf, um traditionelle vietnamesische Speisen zuzubereiten. Beide ließen keinen Stolperstein aus.

Während sich der eine durchs umfassende Gewürzsortiment der ayurvedischen Küche zu schmecken versuchte, kämpfte der andere mit den Schubladen. Der eine verzagte an den diversen Geschmacksnuancen, der andere am selbstgemachten Reisteig. Aus dem Nichts der Unwissenheit einen Teller zu kreieren, ist für Mälzer kein Neuland. Er ist Meister der Improvisation und lässt sich von den eigenen Wissenslücken nicht ausbremsen. So auch in Frankfurt. Dort rückte er mit einer großen Ladung Gewürze an, die er dann fast gänzlich links liegen ließ und erkochte sich die Selbstverständlichkeit zurück. Der Originalkoch war zwar von dem, was Mälzer ablieferte wenig angetan, doch der trällerte: "It's the kind of magic" und feierte sich in bekannter Manier selbst: "Das kann doch nicht sein. Ich habe Angst vor mir selber. Ich bin motherfucking brillant". 

Ein anderes Bild zeigte sich in Schorndorf. Dort wühlte sich fahriger Elverfeld durch die Schubladen und die Notizen und stellte sich mit der eigenen Nervosität ein Bein. Irgendwann war er gänzlich konfus. "Ich bin ein bisschen in der Sackgasse, ich weiß nicht mehr, was drin war, was nicht drin war", sagte er, fegte durch die Mini-Küche, verzweifelte am Reisteig, der sich nicht dämpfen ließ. "Ich habe komplett gelost", ärgerte er sich. Das Handtuch aber warf er nicht. Die Sommerrollen bekamen eine Art Crêpes-Ummantelung, die Gerichte konnten aufgetischt werden. "Stolz ist was anderes", sagte auch Elverfeld danach, "aber ich hab's immerhin zuende gebracht".

Nach dem ersten Schlagabtausch lieferten sich Mälzer und Elverfeld ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Nur 0,2 Punkte trennten die beiden nach der Auszählung - und Mälzer grinste, er hatte Elverfeld den ersten Dämpfer verpasst.

Von Kisten, Torten und anderen Desastern

In allen bisherigen Folgen von "Kitchen Impossible" musste Tim Mälzer erst zweimal einen Teller eines Drei-Sterne-Kochs nachkochen. Dass es sich Sven Elverfeld nicht nehmen lassen würde, ihn zu einem hochrangigen Kollegen zu schicken, ahnte Mälzer schon vorab. "Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass ich bei Jürgens koche", unkte er und bangte, "hoffentlich ist es nicht Jürgens, das wäre echt zu viel des Guten." Doch es war Jürgens, noch dazu eines seiner Signature Dishes - namentlich "Die Kiste", ein Trüffel-Gericht in filigran ausgearbeiteten Kartoffelquader. Eingeschüchtert war Mälzer davon aber nicht. "Bei aller Liebe, ich habe das Gefühl, ich kann das", sagte er. Es handele sich dabei schließlich nur um Kartoffel, Trüffel, Ei und nicht viel mehr. "Ich sitze hier aus einem traurigen Grund, weil es mir nicht gebührt Denkmäler zu stürzen." 

Wiederum war es Elverfeld, der sich die Haare raufte. Im schönen Schwarzwald durfte er zeigen, was er von seiner einstigen Konditorausbildung noch erinnern konnte. Er musste die preisgekrönte Schwarzwälder Kirschtorte nachbacken. "Darf ich so eine Aufgabe stellen, wenn ich weiterhin meinen Ruf als hinterfotzig zementieren will? Ja. Nein, wenn ich sowas wie Fairness empfände", schmunzelte Mälzer. Elverfeld wunderte sich. Warum nur ließ ihn Mälzer backen?  Die Analyse war dann auch druckreif. Nur an der Ausführung, an der haperte es mal wieder. Wieder waren es die Notizen und das eigene Lampenfieber, die Elverfeld ins Straucheln brachten.

"Ich habe komplett den Faden verloren und wenn ich denn Faden verliere, werde ich nervös", sagte er. Zweimal landete der Biscuit-Teig in der Tonne, erst beim dritten Versuch glückte er. Es war ein kurzes Glück. Weil Elverfeld den Ofen während des Backens öffnete, sackte der Teig in sich zusammen. Zum Schluss ging es nur noch um Schadensbegrenzung. Dem Ergebnis war das zumindest nicht anzusehen, die Torte war eine Augenweide. "Geil. Ich feiere dich gerade. Also ich kotze innerlich, aber ich feiere dich gerade", musste sogar Mälzer zugeben.

Entscheidung mit der letzten Karte

In den letzten Folgen hatte Mälzer einiges einstecken müssen. Die ersten drei Matches verlor er klar, erst das vierte konnte er für sich entscheiden. Ausgerechnet mit dem absoluten Vorzeigekoch des Fine Dinings lieferte sich Mälzer nun ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Nach der ersten Runde lag er sogar eine Nasenspitze vor Elverfeld. Bis zur letzten Karte blieb es spannend. Die aber hatte es in sich. Einem der Juroren hatte die Torte wohl so gar nicht geschmeckt - das Resultat war diesem nur ein Punkt wert. Dieser eine Punkt sollte das Zünglein an der Waage werden. Mit einem hauchdünnen Vorsprung von 10,6 zu 10,2 Punkten siegte Mälzer letztlich über Elverfeld. 


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