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Gutes aus dem Küchengarten: Eigenes Saatgut sichert die Qualität und den Ertrag

Eine Saatgut-Bank sichert nicht nur die Vielfalt von Obst- und Gemüsesorten, sondern auch ihre Robustheit. Angelika Wohofsky erklärt warum und plädiert für eigenes Saatgut.

Vor vielen Jahren wurde ich darauf aufmerksam, dass Obstbäume, die in Gunstlagen gezogen werden, in klimatisch rauen Lagen sich oft nur schwach entwickeln. Es scheint also einen Zusammenhang des Ursprungs einer Pflanze zu ihrer Entwicklung und ihrem Ertrag zu geben. Wo Saatgut gewonnen wird, beenflusst dies die Ernte. So trägt jedes Samenkorn sein Ertragspotenzial und sein Ende schon in sich.

Ich lege diesen Gedankengang nun mal auf den Küchengarten um. Heuer ist ein kühles, regnerisches Gartenjahr. Tomaten entwickelten sich im Freiland oder unter dem Vordach deutlich kleiner als im Vorjahr. Der Geschmack litt aber nicht darunter. Es ist nur alles kleiner und irgendwie robuster, hartschaliger. Und beispielsweise Tomaten, die nicht am Stock zu faulen begannen, tragen mehr Robustheit in sich.

Diese Qualität sollte sich auch auf das Saatgut übertragen lassen. Samen aus rauen Jahren und Samen aus milden Jahren tragen unterschiedliche Informationen und Eigenschaften in sich.

Kürzlich schrieb ich übers Saatgut gewinnen. Denn das erscheint mir angesichts der deutlich zunehmenden Wetterschwankungen wichtig.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir uns nicht auf Saatgut, das in Gunstlagen gezogen wird, verlassen sollten. Allzuoft habe ich es schon erlebt, dass teure Samen, im Tiefland gewonnen, bei mir in einem alpinen Tal auf 650 Meter Seehöhe einfach nicht austreiben.

Außerdem gewöhnen wir unsere Pflanzen im Küchengarten an das vor Ort herrschende Klima. Wenn wir also unser eigenes Saatgut in unseren Küchengärten gewinnen, dann werden wir unabhängig von "Zuchtanstalten" in Gunstlagen. Wir splitten damit das Risiko von Minderertrag und Ausfall auf.

Viele kleine Küchengärten stellen auch viele kleine Saatgut-Inseln dar. Wobei das derart gewonnene Saatgut auch an die vielen kleinen unterschiedlichen Standorte und Anforderungen an das lokale Kleinklima angepasst ist. Das passierte früher auch, in den Küchengärten unserer Großeltern. Und genau dieses Privileg müssen wir uns bewahren.

Legen wir also unsere eigenen Saatgut-Banken an. Wir bewahren damit die Vielfalt der Sorten und ihre Robustheit. Wir werden unabhängiger von Klimaschwankungen, und horten Saatgut, dass an die individuellen Standorte unserer Küchengärten ideal angepasst ist.