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Gutes aus dem Küchengarten: Ernten, Samen und viel neues Leben

So ein Garten kann einen zum Philosophieren anregen. Denn schauen wir genau hin, entdecken wir im Küchengarten einen Hort der Fülle. Diese offenbart sich uns erst während der Erntezeit. Dann nämlich, wenn wir Samen gewinnen, Obst und Gemüse ernten, und erkennen müssen, wieviel Potenzial in nur einer Frucht stecken kann. Die Ernte ist nur das scheinbare Ende der Pflanze.

Ich besuchte diese Woche einen Bekannten. Auch er pflegt einen Gemüsegarten und hat alte Obstsorten wie Schafnasen (eine alte steirische Apfelsorte) in ihm stehen. Dazu einen Platz mit Tomaten, einen Schwimmteich, viele Trauben, Hochbeet mit Gemüse. Toll.

Als ich bei meinem Bekannten eintraf, standen Einmachgläser, gefüllt mit Apfelmus und Marmeladen in der Küche. Und er ging, währenddessen der Kaffee zubereitet wurde, kurz mal ums Eck. Um Weintrauben zu schneiden. Wow. Soviel Frucht auf nur einem Stock.

Wein am Laubengang. Foto: Wohofsky-Images

Danach saßen wir plaudernd im Garten, oben an einem Tisch mit Bank und betrachteten Haus und Weinlaube, die hinauf an diesen kleinen stillen Ort führt. Nun will er Ziersträucher ausgraben, der Bekannte, und sie mit Johannisbeeren ersetzen. Und er erzählt mir, gleich mal in der Nähe hätten ein paar junge Leute den alten Minigolfplatz in einen Urban Garden verwandelt.

Das hat was, wenn der Garten größer als 12 Quadratmeter ist. Ich denke, ich werde nächstes Jahr erweitern. Muss mir dazu einen Plan zurechtlegen, denn ein Grundstück in der Nachbarschaft lacht mich dazu schon seit ein paar Wochen an. Als wolle es sagen: Ich bin dein Garten, nächstes Jahr!

Wieder daheim besorgte ich mir einen Hokkaido-Kürbis. Er wurde geschlachtet und zu einem Kürbis-Gulasch verarbeitet. Die Kerne nahm ich heraus und legte sie zum Trocknen auf.

Samen für 33 Familien in nur einem Kürbis. Foto: Wohofsky-Images

Wenn man überlegt, dann genügen zehn Kerne für eine Familie. In herkömmlichen Samenpackungen finden sich gerade für Kürbisse und Gurken auch nie mehr als zehn Stück je Packung. Also zählte ich meine Kürbissamen, die da so vor mir zum Trocknen lagen. Und ich staunte, denn 33 Familien könnten von diesem einen Kürbis im kommenden Gartenjahr ausreichend Kürbispflanzen ziehen. Ein Kürbis für 33 Familien. Was für eine Fülle.

Es gibt das Sprichwort, dass man mit dem Kürbis eine Welternte in Händen hält. Und man sagt, dass alles, was wir hervorbringen auch sein Ende schon in sich trägt. Dass das Ende aber auch wieder den Neuanfang in sich birgt.

Ich will das mal mit meinem Kürbis sehen. Sein Ende war das Kürbisgulasch. Sein Samen, der 33 Familien im kommenden Jahr ausreichend versorgen könnte, birgt seinen Neuanfang wieder in sich. Was für ein Potenzial.