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Gutes aus dem Küchengarten: Schlaraffenland für Nacktschnecken

Der natürliche Feind des Küchengärtners sind Nackschnecken, die sich im Komposthaufen offenbar pudelwohl fühlen und vermehren. Angelika Wohofsky erzählt, wie sie sich ihrer entledigt.

Wir Küchengärtner widmen dem Kompost unsere besondere Aufmerksamkeit. Denn er ist Dünger, Nährstoffreservoir und, manchmal auch der Geburtsort jener Nachkommen, die wir lieber nicht im Garten finden wollen. Nacktschnecken legen ihre Eier gerne in den Komposthaufen. Das ist wie Schlaraffenland für sie: Fressen, Schlafen, Wachsen. Alles von einem Platz aus.

Gerade diese lustigen Gesellen, die immer wieder in die falsche Richtung während ihrer Wanderschaft abbiegen, nämlich in Richtung meines Gartens, legen jetzt ihre Eier ab. Es sind das diese weißen Dinger, die falls von Weinbergschnecken stammend, sogar als Schneckenkaviar in der gehobenen Gastronomie verehrt werden. Aber Eier von Nacktschnecken, nein die brauche ich nicht am Teller. Die von den Weinberg-Kollegen übrigens auch nicht.

Im Küchengarten haben die Schneckeneier nichts zu suchen. Ich sammle sie, indem ich den Schnecken Platz zum laichen (sagt man das eigentlich so bei Schnecken?) biete. Das sind größere Tonscherben oder Holzbretter. Die lege ich neben den Komposthaufen. Und darunter kriechen Nacktschnecken, um sich dort zu paaren und ihre Eier abzulegen. Unter den Tonscherben und dem Holz ist es feucht. Das ideale Paarungsklima für die Schnecke.

In regelmäßigen Abständen drehe ich dann die Tonscherben und Bretter um, sammle die Eier ein und zerdrücke sie dann einfach. Würde ich sie dort belassen, könnten daraus junge Schnecken schlüpfen. Ganz besonders dann, wenn der Winter wieder mild wird und tiefe Temperaturen fehlen. Die Eier nicht erfrieren. Dann ist Schnecken-Schwemme im kommenden Frühjahr angesagt.

Übrigens, auch in zugekaufter Bio-Erde fand ich heuer im Frühjahr Schneckeneier. Ich dachte, mich trifft der Schlag. Aber gegen deren Ablage sind auch Bio-Erde Produzenten wohl nicht gefeit. Umso mehr müssen wir Küchengärtner darauf achten, nicht zur Schneckenzucht-Station zu werden.

Um im Komposthaufen die Schneckenbrut unter Kontrolle zu haben, grabe ich diesen im Herbst um. Denn auch innerhalb des Haufens legen Schnecken ihre Brut ab. Ich überstelle den Haufen von einem Platz zum andern. So kommen dann auch die Eier zum Vorschein, die man dann entnimmt und zerdrückt.

Im Tierreich gibt es aber auch Liebhaber von Schneckeneiern. Das sind Igel, Salamander und Kröten, ja und auch die Weinbergschnecke frisst die Brut der spanischen Wegschnecke. Wer keinen Teich im Küchengarten hat, in dem sich Kröten tummeln können, der kann für Igel einen Unterschlupf zur Überwinterung bereit stellen. Das ist ein Haufen Laub, Reisig, Strauchschnitt. Schön üppig neben dem Komposthaufen platziert, ist dann auch Schlaraffenland für Igel angesagt. So ist beiden gedient: Der Igel kann überwintern, und wir Küchengärtner freuen uns, dass der Schneckenkaviar überschaubar bleibt.

  • Angelika Wohofsky
    Angelika Wohofsky