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Restaurantkritiker Jürgen Dollase über unsere Essgewohnheiten: "Schlecht essen ist wie sich nicht waschen"

Currywürste sind für ihn "darmgepresste Fleischabfälle". Er sagt, den Deutschen sei es egal, was im Kochtopf landet. Restaurantkritiker Dollase über die katastrophalen Essgewohnheiten der Deutschen.

"Schlecht essen ist wie sich nicht waschen", sagt Jürgen Dollase und echauffiert sich über die Essgewohnheiten der Deutschen.

"Schlecht essen ist wie sich nicht waschen", sagt Jürgen Dollase und echauffiert sich über die Essgewohnheiten der Deutschen.

Jürgen Dollase befasst sich mit Essen. Tag für Tag, schon seit Jahren. Er ist Restaurantkritiker, und zwar einer der gefürchtetsten in der Gastronomie-Szene. In den 80er Jahren entdeckte der ehemalige Musiker sein Faible für gutes Essen, für das Kochen und Genießen. Seitdem verfasst er für verschiedene Medien Artikel und Kolumnen zu kulinarischen Themen, etwa für die die Frankfurter Allgemeine (Kochbuch-Kolumne "Esspapier"), den Feinschmecker und einige Online-Medien. Er ist auch Autor mehrerer Bücher. Dabei nahm und nimmt er nie ein Blatt vor den Mund.

Auch in einem Gespräch mit der aktuellen GALA MEN echauffiert sich Dollase über die Essgewohnheiten der Deutschen: "Leider ist kulinarischer Analpabetismus gesellschaftlich nicht geächtet. Für viel zu viele gehört Essen in den Bereich ordinärer Verrichtungen, fast wie Verdauen", kritisiert der Feinschmecker. Dollase testet pro Jahr ungefähr 150 Restaurants, er appeliert an den Verbraucher: "Essen ist keine Privatsache, sondern hat gesellschaftliche Rückkopplungen. Aggressiv formuliert: Schlecht essen ist wie sich nicht waschen. Genießen ist eine Wahrnehmungsfertigkeit, die man entwickeln kann."

Currywurst besteht aus darmgepressten Fleischabfällen

Vor allem mit dem Lieblingsessen der Deutschen geht der Gastrokritiker hart ins Gericht. Denn Currywurst bestehe aus "darmgepressten Fleischabfällen", die nur "dank einer absurd stark gewürzten Sauce genießbar" seien. Dollase sieht sich als kulinarischer Kämpfer, denn er führe gerade einen "Feldzug gegen Salz und Pfeffer" und werbe für eine "aromatische Abrüstung". Was auch immer er damit meint, bleibt offen - und ob es den Geschmack des Einzelnen verändert, ist fraglich.

dsw
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