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Schimmel, Kohl und Co. Früher war wirklich einiges besser: Was wir von meiner Oma über Foodwaste lernen können

Eine alte Frau steht am Herd und kocht
Diese Frau ist nicht meine Oma, scheint aber auch eine kompetente Köchin zu sein
© jmalov / Getty Images
Wir Deutschen schmeißen jährlich im Schnitt elf Millionen Tonnen Lebensmittel weg. Völlig unnötig, findet meine Oma. Und gibt ein paar Tipps, mit denen wir lernen können, besser mit unseren Lebensmitteln zu haushalten.

"Meine Restmülltonne wird alle vier Wochen abgeholt und sie ist nie voll", erzählt meine Oma und ich glaube es ihr. Ich habe selten jemanden getroffen, der im Haushalt so sehr … na ja … haushaltet wie meine inzwischen 93-jährige Großmutter. Geschenkpapier wird gefaltet und im nächsten Jahr wieder genutzt, über die Krümel, die sich unten in der Brotschneidemaschine sammeln, freuen sich die Vögel und Pullover mit Löchern kann man zumindest im Garten noch prima tragen.

Wer also könnte in Sachen Lebensmittelverschwendung bessere Tipps geben als Frau "Brot wegschmeißen ist für mich eine Sünde"? Richtig, niemand. Deshalb hat nun meine Oma das Wort:

Sechs Haushalts-Tipps, mit denen die Mülltonne bald leer sein sollte

1. "Keine Angst vor Schimmel"

"Schon gar keine hysterische Angst", sagt meine Oma. "Natürlich gibt es Dinge, die man nicht mehr essen sollte, wenn sie verschimmelt sind, aber viele Dinge landen im Mülleimer, obwohl man den Schimmel problemlos herausschneiden könnte." Käse zum Beispiel könne einfach vom Schimmel befreit werden und auch "besonders selbstgekochte" Marmelade könne man einfach mit einem Löffel wieder schimmelfrei machen und den Rest problemlos essen. "Um ehrlich zu sein, esse ich sogar Joghurt noch, wenn da nur oben ein bisschen was drauf ist. Natürlich nicht den Schimmel selbst, aber wenn man den großzügig entfernt, ist das alles kein Problem". Und die Frau hat es bis 93 geschafft, die weiß, wovon sie redet. Nur bei Brot sollte man vorsichtig sein – was uns zu Tipp Nummer Zwei führt.

2. "Brot kann prima im Tiefkühler gelagert werden"

"Wenn ich einen großen Brotlaib habe, dann dauert das ja, bis ich den alleine aufgegessen habe. Also schneide ich mir ein Stück ab und lege den Rest ins Tiefkühlfach. Und wenn ich es brauche, hole ich es raus, lasse es kurz antauen, schneide es und tue es in den Toaster. Das schmeckt ganz prima." So kann vermieden werden, dass Brot aus schierem Mangel an Hunger trocken oder gar schimmelig wird.

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© Markus Spiske / Unsplash

3. "Man sollte gezielt einkaufen gehen und vorher wissen, was man braucht"

"Ich sehe die Leute häufig etwas planlos durch den Supermarkt laufen und mal hier, mal da etwas in ihren Einkaufswagen schmeißen. Dann ist es ja kein Wunder, dass man den Überblick verliert. Am besten setzt man sich vor dem Wocheneinkauf kurz hin und macht sich eine Liste. Was will ich kochen? Was brauche ich dafür? Und wie viel davon? Das ist besonders für Familien sehr hilfreich."

4. "Gemüse nicht in Plastik lagern"

"Ich hatte neulich erst das Problem, dass ich einen großen Beutel frische Karotten gekauft habe. Die waren am darauffolgenden Tag schon alle schwarz. Also habe ich sie mit Mühe und Not alle geschält und ohne Plastik ins Gemüsefach im Kühlschrank getan. Da haben sie sich noch ewig gehalten. Das Gleiche gilt für Brokkoli und viele andere Gemüsesorten. Unverpackt halten sie sich meist länger – wenn man sie in den Kühlschrank tut."

5. "Wofür sie besonders schwärmt, wenn er wieder aufgewärmt." (Wilhelm Busch)

Das Zitat mag zwar von Wilhelm Busch stammen, aber es könnte besonders gut von meiner Oma kommen, so oft habe ich sie das schon sagen hören. Besonders Kohl und Kartoffeln kocht sie meistens einmal in großer Menge vor und isst dann noch Tage oder manchmal sogar wochenlang davon. "Spitzkohl schmeckt besser, wenn man ihn frisch macht, den sollte man also schnell verbrauchen, aber Rotkohl beispielsweise kann man prima einkochen und dann immer und immer wieder aufwärmen."

6. "Man muss Ideen haben"

"Bei uns in der Familie wurde früher nichts weggeworfen. Sonntags beispielsweise gab es Braten. Ein größeres Stück Schweinefleisch und ein kleineres Stück Rind, weil das teurer war. Wenn am Ende noch etwas übrig war, hat meine Mutter daraus am nächsten Tag eine Sülze gemacht. Aus den übrig gebliebenen Kartoffeln wurden Bratkartoffeln gemacht und so weiter. Man muss da einfach ein bisschen kreativ sein."

Wenn meine Oma sich eine Sache wünschen dürfte, dann wäre das übrigens, dass wir den "Wert des Essens" wieder entdecken: "Besonders das gemeinsame Essen scheint überhaupt keine Priorität mehr zu sein. Alle gehen zum Kühlschrank und holen sich raus, worauf sie in dem Moment Lust haben. Das ist ja dann auch völlig unmöglich zu planen. Gemeinsam am Tisch zu sitzen und zu essen – das sollte eine Priorität sein."


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