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Hygienemaßnahmen: Streit bei Lieferando: Schützt das Unternehmen seine Fahrer genug vor Coronaviren?

Um Kuriere vor dem Coronavirus zu schützen, sollen mehrere Maßnahmen getroffen worden sein, sagt der Lieferdienst Lieferando - und zwar flächendeckend. Das treffe jedoch nicht zu, entgegnet der Betriebsrat, der für den Norden Deutschlands zuständig ist. Wir haben nachgefragt.

Lieferando Corona

Lieferando: Sind wirklich alle Kuriere geschützt?

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Vor wenigen Tagen hieß es in einer Pressemitteilung der Lieferando-Mutter Takeaway, dass Lieferungen ab sofort ohne physischen Kontakt stattfinden sollen. Diese neue Maßnahmen gelten für alle Restaurants auf der Plattform und solle in ganz Europa in Kraft treten. Der stern berichtete dazu.

Die Kuriere seien demnach angewiesen zwar beim Kunden zu klingeln und die Lieferung vor der Tür abzustellen, ein Kontakt mit dem Kunden solle aber nicht stattfinden, heißt es in der Erklärung. Wenige Tage nach Veröffentlichung des Artikels erhielt der stern jedoch ein Schreiben des Foodora-Betriebsrats "Nord", der zur Takeaway-Gruppe gehört. Der Betriebsrat ist unter anderem für die Städte Bremen, Hamburg und Kiel zuständig.

Darin heißt es, die Informationen, die Takeaway an die Presse gab, würden stark davon abweichen, was die Lieferfahrer dem Betriebsrat mitteilten. Unter anderem gäbe es zwar die kontaktlose Lieferung, doch die Kunden würden sich das Essen selbst aus der Tasche holen. Sind diese viruzid, könnte der Fahrerrucksack kontaminieren, so die Befürchtung der Fahrer.

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Kunden sollen Essen nicht selbst aus dem Rucksack holen

Auf die Vorwürfe angesprochen, entgegnet Lieferando dem stern: "Die ursprüngliche Anweisung lautete, dass der Kunde die Lebensmittellieferung nicht selbst aus dem Rucksack holen musste, sondern dass der Fahrer die Lieferung auf seinen Rucksack legt, dann zwei Meter zurück tritt, und der Kunde sich den Beutel selbst greifen kann. Es kann jedoch vorkommen, dass der Rucksack hierzu nicht stabil genug ist und dadurch der Kunde aus dem offenen Rucksack das bestellte Essen entnehmen muss", sagt  Lieferando-Sprecher Andreas Engel. Die Anweisung wurde daher geändert - und auf regelmäßiges Händewaschen  verwiesen. So könnte man das Risiko einer Kontamination vermeiden.

Zu den neuen Maßnahmen zähle auch, dass alle Mitarbeiter und Fahrer in den vergangenen Wochen Gesundheits- und Sicherheitsunterweisungen erhalten haben sollen. Zudem soll Hygieneausrüstung, wie etwa antibakterielles Handdesinfektionsmittel, an die Lieferanten verteilt worden sein. So die Aussage von Takeaway.

Die Lieferfahrer im Norden Deutschlands haben andere Erfahrungen gemacht. Sie hätten weder eine Schulung erhalten, noch Desinfektionsmittel, wobei antibakterielles Desinfektionsmittel im Fall von Coronaviren auch hinfällig ist. Die Vorsichtsmaßnahmen, die Takeaway getroffen habe, haben die Kuriere erst aus den Medien erfahren, danach wurden sie auch von Lieferando unterrichtet, so der Foodora-Betriebsrat.

Fahrer sollen per Email und App informiert worden sein

Takeaway jedoch bekräftigt, dass alle Fahrer über die spezifischen Richtlinien der lokalen Behörden informiert worden sind. "Ebenso haben wir unsere Fahrer über die Gesundheits- und Sicherheitsanweisungen unterrichtet. Dies geschah via E-Mail und via unserer Fahrer-App. Zusätzliche Materialien mit Informationen wurden darüber hinaus in unseren Hubs bereitgestellt", so Engel.

"Hubs" sind sogenannte lokale Zentralen für Lieferando-Fahrer, die unter anderem die Koordination der Kuriere regeln. Die Zentralen seien mit Hygieneausrüstung ausgestattet - dazu gehöre Seife und antibakterielles Desinfektionsmittel. Auf Nachfrage des stern, warum keine viruziden Mittel verteilt werden, die auch Coronaviren beseitigen können, haben wir bis zum Erscheinen des Artikels keine Antwort erhalten. 

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Viele Kuriere im Norden Deutschlands sollen indes die Arbeit eingestellt haben, so die Aussage des Betriebsrats. Sie wollen erst wieder fahren, wenn sie besser ausgerüstet seien. Das Takeaway-Unternehmen weiß davon nichts. Andreas Engel sagt: "Natürlich gibt es Fahrer, die um ihre Gesundheit besorgt sind, aber es ist wichtig zu wissen, dass Lieferando alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen trifft, um eine Ansteckung zu vermeiden. Und alle Lieferando-Mitarbeiter sind fest angestellt und halten Lohnfortzahlung im Krankheitsfall."

Die Bestellungen beim Lieferdienst in Deutschland laufen währenddessen weiter ein. So lange die Restaurants offen sind, kann auch geliefert werden.