HOME

Vorsicht vor dem Wort "Typ": Neuer Trick der Lebensmittelindustrie: In diesem Joghurt sind keine Pistazien drin

Eigentlich könnte man davon ausgehen, wenn "Pistazie" drauf steht, sollten die Früchte auch drin sein. Von wegen! Die Sendung "Marktcheck" deckt auf: Wie die Industrie uns Verbraucher in die Irre führt.

Pistazien-Joghurt? Von wegen. Hier sind nur Aromastoffe und Farbstoff drin.

Pistazien-Joghurt? Von wegen. Hier sind nur Aromastoffe und Farbstoff drin.

Ein Joghurt "Typ Pistazie" oder ein Kuchen "Typ Eierlikör" klingen erstmal verlockend. Was der Verbraucher denkt? Im Joghurt wurden frische Pistazien verarbeitet, genauso wie im Kuchen, der mit Eierlikör verfeinert wurde. Schließlich sind auf dem Etikett des Pistazien-Joghurts echte Pistazien abgebildet. Von wegen!

Die SWR-Sendung "Marktcheck" hat sich die Zutatenliste der Produkte etwas genauer angesehen – und die ist ernüchternd. Weder im Joghurt, noch im Kuchen, ist wirklich das drin, was drauf steht. Im Gegenteil: Hauptsächlich finden die Tester Aromen und Farbstoffe. Beispielsweise beim Joghurt "Typ Pistazie" der Firma Müller, der wird mit künstlichem Pistazien-Aroma und grünem Farbstoff anstelle von echten Pistazien zubereitet wird. Grenzt das nicht an Verbrauchertäuschung?

Die Industrie trickst mit einem Wörtchen

Nicht ganz, denn die Industrie trickst: Beim kleinen Wörtchen "Typ" auf Lebensmitteln ist Vorsicht geboten. Das sei "ein beliebter Trick", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Hier wird ganz bewusst versucht, die Verbraucher auszutricksen und nicht offensiv zu informieren, was das Produkt tatsächlich beinhaltet." Oft ist das Wort "Typ", das für den Verbraucher als Information wichtig ist, sehr klein und zum Teil sogar unleserlich (zum Beispiel auf dem Kopf stehend) drauf gedruckt.

Auf Nachfrage von "Marktcheck" bei der Molkerei Müller weist die den Vorwurf zurück, dass Verbraucher mit dem Etikett getäuscht werden: "Die Kennzeichnung 'Typ Pistazien-Joghurt' […] stellt rechtlich zutreffend dar, dass vorliegend keine Bestandteile von Pistazien enthalten sind bzw. solche zur Geschmacksgebung beigegeben wurden."

Verbraucherschützern sei das aber nicht genug. Es gebe sogar einen Artikel in der Lebensmittelinformationsverordnung, der besagt, dass Verbraucher nicht getäuscht werden dürfen, so Armin Valet von der Verbraucherzentrale.

Etiketten wecken falsche Erwartungen  

Auch der Europäische Gerichtshof hat 2015 entschieden, dass die Industrie keine falschen Erwartungen mit Etikett und Bildern beim Verbraucher wecken dürfen. Die Firma Teekanne beispielsweise musste aufgrund dieses Urteils einen Tee vom Markt nehmen, dessen Verpackung Himbeeren und Vanille versprach, im Tee war davon aber nichts enthalten.

Derzeit läuft ein Prozess um eine Himbeer-Rhabarber-Schorle des Discounters Netto. In der Schorle sind nur je 0,1 Prozent von Rhabarber und Himbeeren zu finden. Der größte Anteil fällt auf Apfelsaft. Das Oberlandesgericht Nürnberg entschied: Das sei eine Irreführung des Verbrauchers. Bislang ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, es wird sich aber auf die ganze Branche auswirken. Hersteller würden daraufhin häufig ihre Etiketten ändern, weiß Valet von der Verbraucherzentrale.

Für den Verbraucher gilt: Etiketten und Zutatenliste genau studieren, um von der Lebensmittelindustrie nicht ausgetrickst zu werden.

Die ganze Sendung können Sie hier sehen!

Lebensmittel im Kühlschrank