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Krebserregende Pflanzenschutzmittel: Giftiger als Glyphosat – warum gefährliche Pestizide nicht verboten sind

Eigentlich dürften die Stoffe überhaupt nicht mehr verwendet werden, warnen Toxikologen. Laut Recherchen des ARD-Magazins "Monitor" sind nach wie vor Pestizide auf unseren Feldern im Einsatz, die im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen. Der Grund dafür ist erschreckend.

In Deutschland ist jedes vierte Pestizid, das im Einsatz ist, hochgiftig

In Deutschland ist jedes vierte Pestizid, das im Einsatz ist, hochgiftig

Getty Images

Pestizide und auch der Einsatz des Pflanzenschutzmittels Glyphosat stehen stark in der Kritik. Zu Recht. Schließlich gelten die Stoffe als gesundheitsgefährdend für den Menschen. Erschreckend ist daher die Recherche des ARD-Magazins "Monitor": Die Redakteure haben herausgefunden, dass auf dem Markt Pestizide im Umlauf sind, die hochgiftig sind.

Fast jedes vierte Pestizid wird in der EU per Ausnahmegenehmigung zugelassen. Darunter befinden sich hochtoxische Stoffe, die unter Verdacht stehen, das Nervensystem des Menschen anzugreifen und auch krebserzeugend zu sein. Diese Stoffe werden sowohl in der Landwirtschaft, in Gärtnereibetrieben, als auch in Privathaushalten verwendet.

Der Toxikologe Hermann Kruse (ehemals Uni Kiel) bestätigt gegenüber "Monitor", dass einige Stoffe toxischer als Glyphosat seien. Aber wieso sind die Pestizide dann noch auf dem Markt? 

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Kartoffeln sollte man waschen, nicht nur, weil sie aus konventionellem Anbau mit Pestiziden belastet sind, sondern auch, weil sie direkt aus der Erde gegraben werden und daher noch viel Dreck an ihnen klebt.

Kartoffeln sollte man waschen, nicht nur, weil sie aus konventionellem Anbau mit Pestiziden belastet sind, sondern auch, weil sie direkt aus der Erde gegraben werden und daher noch viel Dreck an ihnen klebt.

Hochgiftige Pestizide auf dem Markt, weil Behörden zu langsam arbeiten

Die Antwort ist so banal wie erschreckend: Die Behörden arbeiten einfach zu langsam. 112 von insgesamt 489 Stoffen sind aktuell nur mit Zulassungsverlängerung, also ohne die sonst vorgeschriebene abgeschlossene Neuprüfung zu Wirkung und möglicher Giftigkeit des Stoffes auf dem Markt. Das ist nur mit Ausnahmeregelung möglich. Arbeiten die Behörden zu langsam, sieht die EU-Verordnung eine Verlängerung vor, bis der Wirkstoff neu geprüft werden kann.

Dass die Behörden in Deutschland so ineffizient arbeiten, liegt daran, dass sich um den Zulassungsprozess ganze vier Behörden kümmern. Kein Wunder, dass hochgiftige Pestizide im Behördendschungel durchrutschen. Von der EU wurde Deutschland bereits dafür kritisiert. Im Durchschnitt brauchen deutsche Behörden sechs Mal länger für Zulassungsverfahren als in der EU-Verordnung vorgesehen.

Auf Anfrage von "Monitor" erklärte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, dass die "Verfristungsproblematik" bereits gelöst sei. Trotzdem: Seit 2016 wurden 22 Wirkstoffe ohne Begründung verlängert. Laut Experten befinden sich darunter mindestens neun Stoffe, die aufgrund ihrer Giftigkeit nicht mehr zugelassen werden dürften.

Die ganze "Monitor"-Sendung können Sie hier sehen 

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