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Restaurant "La Maison des Bois": Von drei auf zwei Michelin-Sterne: Küchenchef verfällt in Depressionen und verklagt den Michelin-Führer

Im Februar 2018 wurde das französische Restaurant "La Maison des Bois" mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Die strahlten aber nicht lange. Der dritte Stern wurde dem Lokal 2019 vom Michelin-Führer wieder entzogen. Der Küchenchef war darüber so pikiert, dass er nun vors Gericht zieht.

Marc Veyrat Restaurant "La Maison des Bois"

Dieses Bild entstand im Februar 2018 als Marc Veyrat mit seinem Restaurant "La Maison des Bois" seinen dritten Michelin-Stern erhielt. Der strahlte nicht allzu lange ...

AFP

Es ist der Ritterschlag für jeden Gastronom: mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet zu werden. Oft wächst der Ehrgeiz mit den Sternen, also arbeitet man auf den zweiten, dann auf den dritten hin. Dem französischen Küchenchef Marc Veryrat wurde diese Ehre im Februar 2018 zu teil. Sein Restaurant "La Maison des Bois" (auf deutsch: das Haus des Waldes) in den französischen Alpen war mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Eine höhere Auszeichnung gibt es in der Gastronomie nicht. Jedoch währte der dritte Stern nicht lange. Nur ein Jahr später entzog der Guide Michelin, der renommierteste Restaurantführer der Gastronomie, dem Restaurant seinen dritten Stern und stufte das Lokal auf zwei Sterne herab. Und hier begann das Drama.

"Ich bin in Ungnade gefallen", sagte Veyrat der "BBC" und fügte hinzu, dass die Ankündigung seine Belegschaft "in Tränen aufgelöst" habe. Ein Lebensmittelinspektor soll gesagt haben, dass Veyrat und sein Team Cheddar ins Soufflé geben würden. Die Käsesorten, die für das Gericht verwendet wurden, seien immer französische Käsesorten, verteidigte sich der Küchenchef - und führte Sorten wie Beaufort und Reblochon auf. "Ich habe Safran hineingegeben, und der Herr, der kam, dachte, es sei Cheddar, weil es gelb war", sagte Veyrat gegenüber France Inter Radio. Ob das der springende Punkt für die Herabstufung gewesen ist, ist bislang nicht bekannt.

"Das war's, es ist vorbei"

Veyrat soll die Nachricht im Januar erhalten haben und völlig schockiert gewesen sein: "Dass sie dich eines Abends ohne Vorwarnung anrufen, ohne etwas zu schreiben, ohne alles, nur um zu sagen: 'Das war's, es ist vorbei'".

In einem Interview mit der französischen Nachrichten-Seite "Le Point" sagte Veyrat, dass er an Depressionen gelitten habe, seit sein Restaurant herabgestuft wurde. "Wie können sie es wagen, die Gesundheit von Köchen so aufs Spiel zu setzen?", fragte er.

Der Küchenchef will die Herabstufung nicht auf sich sitzen lassen und geht nun rechtliche Schritte. Er möchte von den Inspektoren des Michelin-Restaurantführers genau wissen, wie es zu dieser Entscheidung kam. Veyrats Rechtsanwalt Emmanuel Ravanas möchte den Guide Michelin dazu zwingen, Dokumente "zur Klärung der genauen Gründe" vorzulegen. Das sagte Ravanas gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Das Restaurant ist nur noch "einen Umweg wert"

Auch der Guide Michelin hat sich bereits geäußert: "Wir verstehen die Enttäuschung von Herrn Veyrat, dessen Talent niemand bestreitet ... wir werden seine Anfragen sorgfältig prüfen und darauf reagieren", heißt es in einer Erklärung.

Im Juli beantragte Veyrat, dass sein Restaurant ganz aus dem Michelin-Führer gestrichen werden soll. Die Direktoren des Führers lehnten die Bitte ab, sie sagten, sie würden "es weiter empfehlen".

Drei Michelin-Sterne bedeuten, dass das Restaurant "eine besondere Reise wert sei". Das "La Maison des Bois" mit seinen zwei Sternen ist "nur" noch "einen Umweg wert". Dafür ist die Küche "ausgezeichnet", schreibt der Michelin-Führer.

Quellen: "BBC", "France Inter", "Le Point", "AFP"