Kitchen Guerilla im Weltall So schmeckt das Zeugs, das Astronauten essen


Wie schmeckt eigentlich Essen im Weltall? Und wie isst man in absoluter Schwerelosigkeit? Wir haben uns auf den irdischen Weg gemacht, um herauszufinden, wie sich Astronauten wirklich ernähren.
Von Olaf Deharde

Der italienische Koch Stefano Polato kümmert sich um das leibliche Wohl der europäischen Astronauten. In der Laborküche der Firma Argotec in Turin tüftelt er an neuen Rezepten und Gartechniken, um den Aufenthalt im All genussvoller zu machen. Denn zunächst denkt man bei "Spacefood" ja eher an Tabletten und Tuben, als an Hühnerfrikassee oder Lachs-Carpaccio. Weit gefehlt, wie uns der Besuch bei Stefano zeigte:

Echte Zutaten in Bio-Qualität und von anerkannten Slow-Food-Produzenten kommen bei ihm auf den Tisch - und in den Topf. Wie kann es auch in Turin, der Gründungsstadt von Slow Food anders sein. Angenehm überrascht, durften wir ihm dann bei der Herstellung eines Quinoa-Salats mit Gemüse und Makrele über die Schultern schauen. Denn irgendetwas muss doch anders laufen, als bei "normalem" Essen. Sonst wäre es doch kein Spacefood.

Spacefood? Eigentlich ganz lecker

Stefano achtet in erster Linie darauf wenig Salz zu benutzen, da dieser den Knochenschwund der Astronauten im Weltall beschleunigt und somit eigentlich tabu ist. Zudem sollte man alles schonend garen und mit wenig Hitze über einen längeren Zeitraum kochen. Quinoa und Gemüse werden roh in einen Aluminium beschichteten Kochbeutel gegeben und mit frisch gekochter Gemüsebrühe aufgefüllt. Tierische Produkte, in diesem Fall die Makrele, werden vorgegart hinzugegeben, versiegelt und über 24 Stunden in einem 65 Grad warmen Druckverfahren gegart. Das alles passiert natürlich in einem absolut keimfreien Raum, denn Keime sind in einer Raumstation unerwünscht. Das Ergebnis übertrifft unsere Vorstellung bei Weitem. Das bissfeste und leicht nussige Quinoa vereint sich zu einem leckeren, klebrigen Brei mit der Makrele und dem Gemüse. Durch die Brühe bekommt alles einen guten Geschmack, denn Stefano benutzt hierfür Algen, als "geheime Zutat".

Klebrig und kompakt muss es sein, damit beim Öffnen in Schwerelosigkeit nicht alles umherfliegt, sondern direkt aus der Tüte in den Mund gedrückt werden kann. "Bravissimo Stefano, wenn das Weltraum-Essen ist, dann Hut ab", sage ich. Italiener waren kulinarisch ja schon immer einen bis zwei Schritte voraus. So haben die Kollegen von "Argotec" sogar die erste Espresso-Maschine für die Raumstation ISS erfunden. Die ISSpresso… Was soll man dazu noch sagen? Die aktuelle Astronautin der europäischen Fraktion ist übrigens auch Italienerin und hat die Maschine für den ersten Einsatz mit auf die Raumstation gebracht.

Aber wir ernähren sich eigentlich die russischen Astronauten? Die Pioniere der Raumfahrt. Wir fahren nach Moskau zur Sternenstadt, dort werden Kosmo- und Astronauten auf ihren Space-Trip vorbereitet.

Yuri Chebotarev ist ein junger Wissenschaftler, der sich ausschließlich mit dem Thema Weltraumessen auseinandersetzt. Er erklärt uns, dass die russische All-Verpflegung in einem sehr speziellen Verfahren gefriergetrocknet, um anschließend in Pulverform, in noch speziellere Plastik-Beutel verpackt wird. Diese werden dann von den Kosmonauten auf der ISS mit warmen Wasser befüllt und mit einem integrierten Strohhalm ausgesaugt.

Im irdischen Test machte das Essen keine Freude und wenn man weiß, dass auf der ISS meist wieder aufbereiteter Urin für die Zubereitung benutzt wird, dann kann einem der Appetit auf Astronauten-Futter schon wieder schnell vergehen. Wir sind enttäuscht und desillusioniert, was das russische Spacefood angeht. Eins steht für uns jedoch fest. Die europäische Space-Nahrung ist absolut lecker und macht den Alltag der Astronauten auf jeden Fall etwas bunter. Das Rezept von Stefano haben wir übrigens gleich nachgekocht.

Mehr zum Spacefood demnächst auf ZDFinfo:
Freitag, 17.04.2015, 10:45 - 11:28 Uhr


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