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Besuch beim Fernsehkoch: So sieht es hinter den Kulissen von "Grill den Henssler aus"

Im vorherigen Jahr erhielt Steffen Henssler den Publikums-Bambi. "Grill den Henssler" gilt als erfolgreichste Kochshow im deutschen Fernsehen. Warum eigentlich? Ein Blick hinter die Kulissen.

Steffen Hensslers "Grill den Henssler" hinter den Kulissen

Wie sieht es eigentlich bei Steffen Hensslers "Grill den Henssler" hinter den Kulissen aus? Wir haben nachgesehen.

Um eins vorwegzunehmen: Vier Stunden Steffen Henssler, seinen Promis und Reiner Calmund beim Essen zuzusehen, ist nichts für schwache Nerven. Nicht, weil die Aufzeichnung langweilig ist, sondern weil die Gerüche, wenn Butter geschmolzen oder frisches Pesto mit Nudeln vermengt wird, bis in den Zuschauerraum vordringen. Die Optik der Gerichte trägt ihr zusätzliches bei, sodass den 314 Zuschauern das Wasser im Mund zusammenläuft. Vielleicht liegt das auch daran, dass rund ein Drittel der Zuschauer nicht einen, sondern gleich zwei Plätze ausfüllen. Zu Beginn der Sendung kommt es sogar zu einer Zankerei zwischen einem Mann, der nur einen Sitz benötigt und einem, der eben zwei Plätze einnehmen muss. Die Henssler-Crew hat aber alles unter Kontrolle und bietet dem Ein-Sitz-Mann einen anderen Platz an. Aber das nur nebenbei.

In der achten Staffel von "Grill den Henssler" ist alles neu. Das Studio, die Regeln, der Coach und die Jury. Das Format jedoch bleibt gleich: Drei Prominente treten in einem kulinarischen Wettkampf gegen den Fernsehkoch Steffen Henssler an. Wer am Ende die meisten Punkte erkocht hat, gewinnt die Show und spendet sein Preisgeld einem wohltätigen Zweck.

Natürlich ist Reiner Calmund weiterhin Jurymitglied, wobei die Frage offen bleibt, wie viel Verantwortung ein Sender trägt, einen augenscheinlich adipösen gebrechlichen Mann in einer Kochshow vorzuführen. Calmund kann in dieser Aufzeichnung nicht einmal mehr gehen, sondern wird im Rollstuhl von Neu-Jurymitglied und Star-Sommelier Gerhard Retter hineingefahren. Angeblich hat sich Calmund einen Leistenbruch zugezogen. Seinem Appetit hat das keinen Abbruch getan. Wenn er einen Berg Nudeln isst und sich kaum zum Teller lehnen kann – wegen seines Bauchumfangs – möchte man am liebsten schreien: "Nein, nichts mehr essen!" Aber vielleicht ist genau das der Reiz, ihn als Jurymitglied zu behalten.

Steffen Henssler in seinem Element

Eingeheizt wird die Kochshow im Studio 38 Köln-Ossendorf von einem Warm-uper, der soll uns Zuschauer dazu bewegen, an den richtigen Stellen zu klatschen. Es gelingt ihm gut, die Stimmung zu lockern. Wenige Minuten später ist auch Steffen Henssler bereit, die Menge zu begrüßen. Die Kameras sind noch aus. Henssler fetzt in den Saal, quasselt drauflos und ist so überdreht, wie man ihn im Fernsehen sieht. Der Mann weiß, wie man Sympathien gewinnt.

Moderatorin Ruth Moschner hat Anfangsschwierigkeiten, vielleicht sogar Lampenfieber. Bis das Make-Up sitzt, machen Henssler und der Einpeitscher Scherze: "Henssler ist ganz schnell fertig, bei Ruth brauchen sie einen Stuckateur." Moschner wirkt nervös, ihre Begrüßungsmoderation verpatzt sie und muss sie wiederholen. Aber dann ist sie voll da. Keine Spur mehr von Lampenfieber. Die Sendung zieht sie wie ein Vollprofi durch.

Hier ist nichts gescriptet

Jede Sendung lebt natürlich auch von ihren Gästen. Mit dem ruhigen, aber sympathischen Tim Bendzko, der aufgedrehten Mieze Katz, Leadsängerin der Band Mia, und dem Kommentator von "Schlag den Raab" Frank "Buschi" Buschmann ist die Wahl perfekt. Denn jeder einzelne Promi glänzt mit seinen Stärken. "Buschi", der sich für keinen schlechten Witz zu schade ist. Mieze Katz, die mit ihrer sympathischen Art so viel Ehrgeiz beim Kochen entwickelt, dass sie kaum das Juryurteil abwarten kann, ohne auszuflippen. Und Tim Bendzko, der mit seinem außergewöhnlichen Dessert überzeugt. Gecoacht werden die Promis von Stefan Wiertz, der bereits im Kochduell Fernseherfahrung sammeln konnte.

Was sie alle vereint, einschließlich Steffen Henssler, ist ein unglaublicher Ehrgeiz. Die Promis wollen den Henssler mit allen Mitteln grillen und der Gastgeber selbst, will sich keine Niederlage eingestehen. Die Sendung entwickelt in vier Stunden eine Eigendynamik, die keine Langeweile aufkommen lässt. Zu keiner Zeit ist die Sendung gescriptet, außer natürlich Ruth Moschners Moderationskarten. Aber auch sie improvisiert, scherzt und schäkert mit Henssler und den Promis.

Improvisation – Hensslers große Stärke

Tatsächlich wirkt die Show wie ein großartig-aufgezogenes Improvisationstheater. Dazu trägt vor allem auch Steffen Henssler bei. Beispielsweise beim Impro-Gang. Allein die Zutaten sind vorgegeben, die Promis konnten sich vorbereiten: Hühnerherzen, Maiselknödel, Algen, Paprika, Maracujasaft, Mascarpone und Pflaumen. Henssler rastet aus, flucht, schreit und macht das, was er am besten kann: improvisieren. Er kocht aus den Zutaten eine Art Eintopf und überzeugt auch bei der Jury. Während der Jurybeurteilung befinden sich Henssler und der jeweilige Promi-Koch hinter zwei Wänden. So kann die Jury die Gerichte anonym beurteilen.

Was bei Henssler immer wieder auffällt: Er macht einfach, ohne lange nachzudenken. Genau das ist seine Stärke. Er schnippelt, brutzelt, hackt, backt und brät – jedes Mal mit einem ansehnlichen Ergebnis. Oft kommen die Promis an die Leistung von Henssler gar nicht ran.

Henssler zeigt sich in der Aufzeichnung aber auch von seiner ruppigen Seite, wenn er das neue Jurymitgied Hannah Schmitz als "dumme Nuss" bezeichnet, weil sie angeblich sein Gericht nicht versteht. Aber auch das findet Applaus beim Publikum. Der TV-Koch nimmt einfach kein Blatt vor dem Mund. Etwas für das ihn viele schätzen, aber auch für Unmut sorgen kann. Wer weiß, ob die Foodbloggerin Schmitz in der nächsten Staffel weiterhin Jurymitglied bleiben wird.

Vom Essen bleibt für die Zuschauer übrigens nichts übrig. Zwar gibt es nach jedem Gang eine Pause, in der sich die Promis zurückziehen können, die Küchen geputzt, die Nasen neu gepudert werden. Aber fürs Publikum muss Wasser aus dem Tetrapack und ein Müsliriegel reichen. In dieser Aufzeichnung könnte es auch daran liegen, dass "Buschi" all die Reste verschlingt. Er ist schließlich Sportler und muss viel essen.

Erst am Ende der Sendung zeigen sich die eingefleischten Fans, die um ein Autogramm und Selfie von Steffen Henssler buhlen. Henssler genießt es sichtlich und sonnt sich in seinem Ruhm. Sogar jetzt noch – nach vier Stunden Aufzeichnung – unterschreibt er mit vollem Elan. Vielleicht ist genau das das Geheimnis seines Erfolgs.

Steffen Henssler im Videofragebogen: "Ein echter Mann trägt kein Parfum"