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Weg vom traditionellen Essen: Südostasien hat ein Problem: Die Menschen sind zu dick – welche Rolle der Wohlstand darin spielt

Singapur, Malaysia und Vietnam haben ein Problem: mit dem Gewicht ihrer Bewohner. Das ist in den letzten Jahren überproportional gestiegen. Die Gründe sind vielfältig, die Regierungen treffen erste Maßnahmen.

Südostasien Übergewicht

Vor allem die Abkehr vom traditionellen Essen hat die Übergewichtsrate in Südostasien ansteigen lassen

Getty Images

Das Problem wird immer größer: Zwischen 2010 und 2014 ist die Rate der Übergewichtigen in Singapur um 24 Prozent gestiegen, in Malaysia um 27 Prozent und in Vietnam um ganze 38 Prozent. Das berichtet die US-Nachrichtenseite "Bloomberg". Die Regierungen der südostasiatischen Länder sind alarmiert, sie befürchten, dass hohe Gesundheits-Kosten auf die Staaten zukommen werden.

Deshalb reagiert Singapur jetzt als erstes: Zuckerhaltige Getränke wie Coca Cola sollen ab nächstem Jahr so behandelt werden wie Zigaretten in anderen Ländern. Werbungen werden untersagt, ein Label auf den Getränken, wie ungesund sie sind, wird verpflichtend. Singapurs Ziel ist es, den Zuckerkonsum der Bürger drastisch zu reduzieren, um Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen, die vermehrt Südostasien plagen.

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit hatten asiatische Länder eher mit Mangelernährung als mit Übergewicht zu kämpfen. In den letzten 50 Jahren aber haben sich die Länder wirtschaftlich enorm entwickelt und das Einkommen der Bevölkerung wuchs. Ein Grund dafür, warum Asiaten jetzt Zugang zu vielfältigeren und besseren Lebensmitteln haben. Und damit auch die Lebenserwartung anstieg. Das ist die positive Seite. 

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Malaysia: dickste Nation Asiens

Asiaten scheinen aber auch ihre Ernährung geändert zu haben. Sie bevorzugen nicht mehr nur traditionelles Essen, sondern Mahlzeiten, das reich an Fett, Proteinen, Milchprodukten und Zucker ist - also so wie sich viele in westlichen Ländern ernähren. Hinzu kommt, dass Kalorien früher bei landwirtschaftlichen Arbeiten abtrainiert wurden, im Zuge der Verstädterung sammeln sich die Kilos jetzt rund um die Hüften und Bäuche der asiatischen Mittelklasse. Malaysias Streetfood ist vor allem bekannt für seine frittierten Snacks. Kein Wunder, dass Unicef das Land zur "dicksten Nation Asiens" ausgerufen hat.

Die schlechte Ernährung fordert bereits ihren Tribut: Südostasien zählt 20 Prozent der weltweiten Diabetes-Erkrankungen. In keiner anderen Region konnte man einen höheren Anstieg von Todesfällen aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verzeichnen. Bereits heute machen Beschwerden, die auf Übergewicht basieren, 15 Prozent der nationalen Gesundheitsausgaben Indonesiens und 19 Prozent der Gesundheitsausgaben Malaysias aus.

Um dagegen vorzugehen, werden Werbeverbote nicht ausreichen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und Unicef fordern daher weitere Maßnahmen wie beispielsweise eine Zucker-Steuer für besonders süße Getränke einzuführen. Auch wenn das zu höheren Preisen der Lebensmittel führen würde. Am Ende geht's nur um eins: um die Gesundheit der Nation. 

Quellen: "Bloomberg", "Unicef"