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Interview

TV-Koch: Tim Mälzer, ist "Kitchen Impossible" schuld daran, dass Azubis ihre Lehre abbrechen?

Im vorherigen Jahr hat der Gastronomieverband Tim Mälzer vorgeworfen, dass er schuld daran sei, dass so viele Azubis ihre Lehre nicht beenden würden. Jetzt startet die fünfte Staffel "Kitchen Impossible". Wir haben mit Mälzer darüber gesprochen, wie er die Branche sieht.

Tim Mälzer

Tim Mälzer startet am 9. Februar mit der fünften Staffel "Kitchen Impossible" auf "Vox"

"Kitchen Impossible" ist eine Kochshow, die laut Aussage der Chefin des Gaststättenverbands Dehoga dazu führt, dass so viele Azubis ihre Lehre abbrechen. Die Sendung würde ein falsches Bild des Berufes vermitteln. Was läuft in der Gastro-Branche falsch?
Diese Frage beantworte ich ungern, denn hätte ich eine Lösung, würde ich es ändern. Grundsätzlich vermisse ich bei uns aber in der Ausbildung eine klassische Seriosität und eine Wertschätzung des Berufes. Ein Koch muss nicht nur ein Steak in Stückchen schneiden, sondern viel komplexere Dinge können. Gerade die jungen Leute müssen mehr über Nachhaltigkeit und Produktionsweisen lernen.

Ist die Ausbildung zum Koch veraltet?
Zumindest hatte das duale System vor 20 bis 30 Jahren seine absolute Berechtigung – letztendlich auch bis heute. Aber vielleicht könnte man die Ausbildung heute mal überdenken. Die Ausrichtung ist schon sehr traditionell, wo doch die Welt des Kochens so modern und schnell geworden ist. 

Die Branche hat sich damals hinter Sie gestellt. Sie seien kein Sündenbock, sondern einer der wenigen Gründe, warum man sich überhaupt noch für den Beruf des Kochs entscheide. Wieso sind die Fronten zwischen Köchen und dem Gaststättenverband so verhärtet?
Der Dehoga ist ein Verband. Der hat mit der Praxis erstmal wenig zu tun und hält an alten Mustern fest. Ich kann meine Auszubildenden beispielsweise nicht beraten, was sie in ihrer Abschlussprüfung kochen sollen. Weil ich nicht weiß, worauf die Prüfer achten. Dinge, die bei uns wichtig und auch handwerklich perfekt sind, spielen in der Prüfung keine Rolle und werden eher negativ gesehen. Irgendwie finden wir daher noch nicht so richtig zueinander. Aber zumindest sind wir jetzt im Dialog.

Wie ist das in Ihrem Restaurant Bullerei: Haben Sie Probleme, Azubis zu finden?
Eigentlich nicht. Aber wir merken auch, dass sich insgesamt weniger bewerben als früher. Nichtsdestotrotz bleibt es immer noch eine Herausforderung, junge Leute ins Berufsleben zu führen. Wir bilden keine Elite aus, aber wir bewegen uns auf Augenhöhe.

Nächste Woche läuft die fünfte Staffel von "Kitchen Impossible" an. Wie unterscheidet sie sich von ihren Vorgängerinnen?
Jede Staffel hat etwas Magisches, eine ganz spezielle Charakteristik. Letzte Staffel haben wir viel gejammert, wir waren fast schon divenhaft unterwegs. In dieser Staffel bin ich einerseits milder, aber gleichzeitig auch bösartiger, weil ich versuche, meine Gegner in ihrer Komfortzone zu treffen. Und meine Gegner beschäftigen sich mehr mit mir. Ich habe nicht mehr den Vorteil, dass sie denken, ich könne nichts. Dadurch werden die Aufgaben natürlich auch härter.

Was war Ihr Highlight in dieser Staffel?
Die Folge mit Haya Molcho, eine unfassbar tolle Frau. Ich komme völlig unsympathisch rüber. Und ich schäme mich auch, wie ich mich verhalte, entschuldige mich aber gleich zu Anfang ...

... und wie war's mit Steffen Henssler? Haben Sie sich gekloppt?
Das erwarten alle. (lacht). Das Schöne ist, die Bande der Köche ist wie eine schlagende Verbindung. Am Ende des Tages wissen wir alle, aus welchem Stall wir kommen. Da ist es egal, ob mein Gegner Lafer, Schuhbeck, Herrmann, Trettl, Raue oder Henssler ist. Wir sind sehr respektvoll miteinander. Aber natürlich gab es verbale Entgleisungen zwischen Henssler und mir. Es ist mir egal, was er sagt und andersherum. Dadurch entsteht eine besondere Energie.

Jetzt mal Hand aufs Herz: Hat "Kitchen Impossible" als Kochshow Schuld am Azubi-Mangel, oder macht die Sendung den Beruf des Kochs eher wieder attraktiv?
Natürlich zeigt "Kitchen Impossible" nur die Spitze des Scheinwerferlichts. Ich glaube aber schon, dass die Sendung sehr viel für die Branche tut. Das sieht man auch daran, dass wir von der Branche gewertschätzt werden – und an der Qualität der Kontrahenten. Es ist keine Tim-Mälzer-Dulli-Show, sondern wir zeigen die Branche in all ihren Facetten, dazu gehören Emotionen, Leidenschaft und Ehrgeiz. Wenn jetzt jemand die Ausbildung anfängt, um TV-Koch zu werden wie Tim Mälzer, dann finde ich das natürlich auch schwierig.