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TV-Kritik

"Kitchen Impossible": Spitzenköche Trettl und Lohse stolpern über ihre eigene Arroganz

Dass "Kitchen Impossible" ohne Tim Mälzer funktioniert, hat auch die fünfte Folge wieder bewiesen. Trettl und Lohse können sich aber trotzdem eine Scheibe von Tim Mälzer abschneiden.

Kitchen Impossible

Spitzenkoch Roland Trettl (links) und Sternekoch Christian Lohse im Duell

Der größte Unterschied zwischen dem "Frittenkoch" Tim Mälzer und den Spitzenköchen Roland Trettl und Christian Lohse ist deren Arroganz. Und zwar kulinarisch gesehen. Während Mälzer alles daran setzt, dem Originalgericht so nah wie möglich zu kommen und den Geschmack zu 100 Prozent zu treffen, stolpern Trettl und auch Lohse genau daran: Sie wollen die Originalgerichte verbessern. Den Geschmack treffen sie dabei eher zufällig. Und genau das ist ihr Problem.

Mal ganz abgesehen davon, dass auch die fünfte Folge der Vox-Kochshow "Kitchen Impossible" wieder einmal gezeigt hat, dass sie eine der besten Kochshows ist, die das deutsche Fernsehen bislang zu bieten hatte. Wie schon in Folge drei, ist auch in dieser Ausgabe Tim Mälzer gar nicht dabei. Da zeigt sich erst, wie großartig das Format der Kochshow eigentlich ist. Es braucht gar keinen Protagonisten, sondern einfach nur zwei Köche mit großem Ego und Ehrgeiz - und fantastisches Essen in großartigen Gegenden.

Kein Erfolg mit Stippgrütze

Wobei man sich über Bad Oeynhausen in Ost-Westfalen ja streiten könnte. Dahin führt nämlich Roland Trettls erstes Duell. In Christian Lohses Heimat, der sie "liebevoll" als kulinarischen weißen Fleck auf der Landkarte bezeichnet. Der Südtiroler Trettl muss Lohses Soulfood vom Metzger seines Vertrauens nachkochen: Stippgrütze: "Ohne kann ich nicht", sagt Lohse, der davon immer 300-Gramm-Päckchen im Tiefkühlschrank liegen hat.

Was sich dahinter verbirgt? Teile vom Schwein, mageres sowie fettes Fleisch, auch Innereien wie Herz, Nieren und Leber, Gewürze und Gerstengrütze. So falsch liegt Trettl mit seiner Herangehensweise gar nicht. Was Lohse vergessen hat, zu erwähnen: Die Menschen aus seiner Heimat sind unfreundlich, schlecht gelaunt und nicht offen für Neues. Trettl wird abgestraft mit 2,7 von 10 Punkten.

Verliebt in eine Nudel

Roland Trettl, gebürtiger Südtiroler, schickt Christian Lohse, der in Frankreich Koch gelernt hat, gleich zweimal nach Italien. Trettls Strategie: "Er soll an seiner französischen Arroganz in Italien stolpern." Was Trettl nicht weiß: Christian Lohse liebt Italien und einfache Gerichte. So kommt es genau zweimal: In Venedig verliebt sich Lohse in eine Nudel, besser gesagt in Tagliolini mit Stockfisch in Tomatensauce gekocht, in Sizilien in Gnocchi.

Ein bisschen hat Trettl Recht: Lohse macht auf Französisch. Eigentlich kocht man den Stockfisch, die Tomaten und das andere Gemüse in einem Topf. Nur so können sich die Aromen richtig entfalten und verbinden. Der Sternekoch geht die Aufgabe aber französisch an, kocht die Tomatensauce zur Perfektion separat und gibt erst hinterher den Stockfisch dazu. Der Küchenchef lobt Lohse zwar für die selbstgemachte Pasta und auch für die Tomatensauce. Das Urteil der Jury ist aber ernüchternd: Der Sauce fehle der charakteristische Geschmack vom Stockfisch. 4,7 freundliche italienische Punkte.

Beim zweiten Duell in Taormina, Sizilien, wird Christian Lohse abgestraft: "Mich wundert es, dass ein professioneller Koch die Aubergine nicht herausschmecken konnte", sagt der Küchenchef des Grand Hotels in Taormina, der Gnocchi nicht aus Kartoffeln, sondern aus Auberginen zubereitet. Auch hier geben ihm die Italiener Freundschaftspunkte, denn das Essen sei nicht mal abgeschmeckt: 5,1 von 10 Punkten.

Roland Trettl macht auf Tim Mälzer

Einige Sympathiepunkte muss Roland Trettl einbüßen, weil er versucht, Mälzer nachzueifern. Beispielsweise, wenn er sich als "the brain" von "Kitchen Impossible" bezeichnet. Lieber Roland, das hatten wir doch bereits geklärt. Es gibt nur ein "the brain" und das ist und bleibt Tim Mälzer.

Trettl muss sich in seinem zweiten Duell in der Südstaaten-Küche beweisen. Genauer gesagt in Charleston. Dumm ist Trettl nicht, er fragt bereits nach den Spezialitäten der Region und muss genau diese nachkochen: Shrimp and Grits, also Garnelen und Grieß. Frittierte grüne Tomaten und einen Red Slaw, einen roten Krautsalat. Auch hier will Trettl den Geschmack des Originalgerichts verbessern. Diesmal geht seine Taktik auf. Die Jury ist begeistert: "Ich kenne keinen, der nicht von hier kommt und 'Shrimp and Grits' so gut zubereiten kann." Die belohnt ihn auch gleich mit starken 7,1 Punkten. Ganz knapp gewinnt Roland Trettl das Duell gegen Sternekoch Christian Lohse. Für deren nächstes Duell bitte etwas weniger Arroganz.