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TV-Kritik

"Kitchen Impossible": Man kann den Jungen aus der Gosse holen, aber nicht die Gosse aus dem Jungen

Dass "Kitchen Impossible" auch ohne Tim Mälzer funktioniert, hat das Duell zwischen Tim Raue und Meta Hiltebrand bewiesen. Vom Niveau her sind sich der Sternekoch Raue und der TV-Koch Mälzer aber ähnlich. Großartig war Folge drei trotzdem.

Meta Hiltebrand (links) und Tim Raue: Wer gewinnt das kulinarische Duell?

Meta Hiltebrand (links) und Tim Raue: Wer gewinnt das kulinarische Duell?

Tim Mälzer würde sagen, dass Tim Raue wohl genau so eine "große Fresse" wie er selbst habe. Mälzer war aber beim dritten Duell der Vox-Show "Kitchen Impossible" gar nicht dabei. Da zeigt sich erst, wie großartig das Format der Kochshow - ja eher des Kochdokumentationsfilms - eigentlich ist. Die Sendung wird nicht durch einen einzelnen Protagonisten wie Mälzer getragen, sondern von vielen, die "Kitchen Impossible" so besonders machen.

Die Bezwinger von Mälzer in der ersten Staffel traten gegeneinander an: Sternekoch Tim Raue und die extrovertierte Schweizer Fernsehköchin Meta Hiltebrand. Ganz klar hält Raue von der "rothaarigen Schlange", wie er Hiltebrand mehrfach bezeichnet, nicht viel. Zumindest von ihren Kochkünsten. Sie stehe erst am Anfang und sei von großer Küche noch weit entfernt. Eine Meinung, die der Schweizerin alles andere als schmeckt. Und ihr auch nicht gerecht wird. Bis zum Schluss stellt sie sich der kulinarischen Herausforderungen, analysiert die Gerichte in Litauen sowie in Südkorea mit Akribie und lässt sich nicht entmutigen. Ihre Ergebnisse sind beide Male solide.

In dieser Folge stehen aber weder Raue noch Hiltebrand im Vordergrund, sondern die Länderküchen an sich. Tim Raues erstes Duell führt ihn in die Schweiz. Bei Stefan Wiesener - einem Koch, der für seine naturbelassene Küche bekannt ist -, muss Raue alle Teile der Fichte verarbeiten sowie mit Asche und Horn kochen. Eine Aufgabe, die ihn zwar fordert, aber nicht an seine Grenzen bringt. 

Tim Raue scheitert am Feuermachen

Anders als in Marrakesch: Dass Raue in seiner Jugend Probleme mit Wut und Aggressionen hatte, zeigt sich auf dem tosenden Marktplatz Djemma el-Fna. Dort muss er einen traditionellen Eintopf in einer Tajine, eine Art Tontopf, und Couscous zubereiten. Dabei scheitert er nicht an der Rezeptur, sondern an etwas viel Banalerem: am Feuermachen. Und das zum wiederholten Mal. Raue schäumt vor Wut, weil es ihm nicht gelingen mag.

Er ist kurz davor aufzugeben. Was Raue aber in seiner Zeit als Gangmitglied und später in seiner Kochlehre gelernt hat, ist, zu reflektieren - und mit seinen Emotionen umzugehen. Er kauft sich kurzerhand einen Topf und bereitet den Eintopf auf europäische Art über einem normalen Herd zu. Stellt sich nur die Frage, wie Raue zwar nach einer Fünfzehn-Stunden-Schicht den Ehrgeiz entwickeln konnte, Würfel und Rauten aus Möhren und Sellerie zu perfektionieren, aber nicht etwas Grundsolides wie Feuermachen zu lernen.

Tim Raue siegt, Meta Hiltebrand gewinnt Sympathie

Meta Hiltebrand muss sich in einer für uns eher unbekannten Küche beweisen: in Litauen und Südkorea. Im Baltikum muss sie den stolzen Litauern Nationalgerichte wie Šaltibarščiai - eine kalte Rote-Bete-Suppe sowie Šakotis - eine Art Baumkuchen servieren. Ihr Ehrgeiz in Ehren, sie schlägt sich wacker.

In Seoul, der Hauptstadt Koreas, muss sie unbekannte Produkte wie Seescheide und Seeohr zu unbekannten Gerichten zubereiten. Trotz der Härte der Aufgabe meistert sie diese. Auch wenn Tim Raue sie auch hier unterschätzt hat. Das Duell gewinnt Tim Raue zwar, die Sympathie gilt aber Meta Hiltebrand. Was den Sternekoch Tim Raue betrifft: Der sollte sich in Demut und im Feuermachen üben.